Flüchtlingshilfe in Tirol

Im Rahmen der Flüchtlingshilfe waren Helfer aus Tirol an vielen Orten Österreichs im Einsatz. Von Tirol bis zur Grenze von Burgenland und Ungarn. Hotspot war sicherlich im Tiroler Unterland, wo im Camp Kufstein und Erl als Transitquartiere jeweils 1.500 Personen betreut wurden. 

 

Auch in Innsbruck gab es einiges zu tun. Zum einen wurde ein Notquartier in der AFS Halle eingerichtet, die über den Einsatz hinweg immer wieder genutzt wurde. Zum anderen wurden Menschen auf der Flucht im Polizei Anhalte Zentrum betreut. Auch in Plon ist bereits seit Jahren eine Flüchtlingsbetreuung in Betrieb.

 

Insgesamt wurden im Jahr 2015 rund 56.116 Menschen auf der Flucht durch die Kolleginnen und Kollegen in Tirol betreut.

» Bilder von einer Ausstellung finden Sie hier

 

 

Interview mit Valerie Riccabona

Wie hat der Einsatz vor einem Jahr für dich ganz persönlich begonnen?

 

Für mich war der erste Flüchtlingseinsatz am Tag unserer Jahreshauptversammlung, ca um 17:00, als wir eine SEG-Alamierung bekommen haben, dass die Polizei ca. 100 Personen aufgegriffen hat und diese nun im Polizeianhaltezentrum in einer Turnhalle zu betreuen sind.


 

Wenn Du an die Situation vor einem Jahr zurück denkst, wie fühlt es sich an wieder hier zu sein?

 

Wenn ich an das letzte Jahr zurückdenke, dann kommen sehr viele Erinnerungen an diese einsatzreiche Zeit. Es sind aber durchwegs sehr positive Erinnerungen, denn diese Zeit hat, so denke ich das Rote Kreuz bzw. die handelnden Personen sehr eng zusammen geschweißt, man hat sehr viel Zeit miteinander verbracht. Für mich war es auch immer sehr schön zu beobachten, wie die verschiedenen Bereiche des Roten Kreuzes Innsbruck gemeinsam in diesem Einsatz agiert haben und man dadurch Hand in Hand arbeiten konnte (RKT, KIT, GSD und Führungskräfte). Wenn ich an das Heim am Hofgarten und auch an die AFS-Halle denke, kommen aber auch Bilder von verzweifelten Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben und Sicherheit waren. Ebenso auch, wie man Menschen alleine mit der Befriedigung der Grundbedürfnisse ein kleines Lächeln in das Gesicht zaubern konnte.

 

Wenn Du zurück denkst, wie hat die Hilfe an der Bezirksstelle Innsbruck ausgehen?

 

Die Hilfe in der Betreuung für die Menschen auf der Flucht hat sehr viel mit Organisation und Logistik zu tun. Es gab in Innsbruck auch sehr viele Anfragen für Sachspenden, welche aber vorab gesichtet werden mussten. Ebenso war ein sehr großes Interesse für das Team Österreich und die damit verbundene Mitarbeit. Vor einem Jahr hat sich die Hilfe primär auf die Grundbedürfnisse bezogen, da wir die Menschen auf der Flucht meist nur eine Nacht betreut haben. Mittlerweile gibt es verschiedene Bereiche, in denen unsere Mitarbeiter mit und für Asylwerber arbeiten.

Kannst du beschreiben wie man sich die Flüchtlingshilfe an der Bezirksstelle vorstellen kann? Was habt ihr gemacht?

 

Wir hatten Räumlichkeiten, die uns für die Betreuung der Menschen auf der Flucht zur Verfügung gestanden sind. Diese waren in den Anfängen im Heim am Hofgarten (aufgelassenes Altersheim) und weiterführend noch ein einer Lagerhalle am Innsbrucker Westbahnhof. Durch die damals regelmäßige Nutzung, waren Feldbetten, Essensausgaben aber auch Räumlichkeiten für die medizinische Betreuung schon fertig hergerichtet. Durch die regelmäßige Nutzung konnten wir auch alle gemeinsam Verbesserungen schaffen und neue Ideen einfließen lassen. Bei uns wurde den Menschen auf der Flucht ein Essen und Getränke zur Verfügung gestellt, es gab Sanitäranlagen, die Möglichkeit von neuer Kleidung für die Menschen auf der Flucht ebenso wie eine basismedizinische Abklärung durch Sanitäter und Ärzte. Da es sich in den meisten unserer Einsätze sich um von der Polizei aufgegriffene Menschen auf der Flucht handelte, war auch die Zusammenarbeit mit der Polizei sehr wichtig.

 

Wie war die Stimmung unter den Kollegen mit denen Du im Einsatz warst?

 

Die Stimmung war eine grundsätzlich sehr positive! Allerdings war natürlich auch am Anfang eine gewisse Unsicherheit bei allen, da man ja nicht genau wusste, war konkret auf einem in einem solchen Einsatz zukommt. Ein Sanitäter lernt in der Ausbildung, wie er eine verletzte Person möglichst schnell und effektiv behandelt. In den Betreuungseinsätzen war aber schnelles Handeln oft nicht möglich, da man das Vertrauen der Menschen erst gewinnen musste. Ich denke, dass mir hier meine Kriseninterventionsausbildung sehr viel gebracht hat, da es in den Kriseninterventionseinsätzen auch darum geht, eine gewisse Zeit des Schweigens zu überbrücken.

 

Was hat diese Erfahrung mit dir persönlich gemacht? Hat sich etwas für dich verändert?

 

Für mich persönlich war es eine sehr beeindruckende Zeit und ich habe mich dadurch auch selbst aktiv mit der Thematik auseinander gesetzt. Ich denke, dass dies eine sehr schwierige Thematik ist und dass man nicht davon ausgehen kann, dass jeder Mensch, auch beim Roten Kreuz, grundsätzlich positiv darüber denkt. Ich selber habe es als positive Chance gesehen, mich aktiv einbringen zu dürfen. Für meine "normale" Tätigkeit im Roten Kreuz nehme ich besonders mit, dass es wichtig ist, auch auf die eigenen Kollegen zu achten und vor allem, dass es wichtig ist, dass jeder, der an einem Einsatz beteiligt ist, aus diesem auch gut herausgehen kann.

 

Ist dir eine Begegnung vielleicht besonders im Gedächtnis geblieben?

 

Es gab eine Menge an besonderen und spannenden Begegnungen. Wenn ich aber an diese Zeit zurückdenke, fällt mir eine Mutter mit ihren 2 kleinen Kindern ein. Wir gaben den Kindern was zu trinken, der kleine Bub (ca 4 Jahre alt) war so glücklich über das Cola, dass es uns aus Dankbarkeit sein Stofftier schicken wollte.

 

Was wünscht du dir für die Zukunft wenn Du an die Flüchtlingshilfe denkst?

 

Es hat viel Unwissenheit und viele Fehlinformationen gegeben, es war ein ständiges Warten, das war anstrengend. Für die Zukunft - klare Unterstützung, wenn Flüchtlinge kommen, bessere Kommunikation von den Behörden, noch mehr Mitarbeiter und Mithelfer, die gut vorbereitet sind und auch im Nachhinein ein Danke und psychologische Unterstützung bekommen.

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