01.04.2013 11:18

"Wir sind die Feuerlöscher"

Die individuelle Spontanhilfe des Österreichischen Roten Kreuzes hilft schnell und unbürokratisch.

"Wir sind die Feuerlöscher"

In Österreich leben etwa eine Million Menschen am Rande  der Armut – mit einem verfügbaren Einkommen von etwa € 1.000,– pro Monat. Am stärksten armutsgefährdet sind Migrantenfamilien, die in Österreich nicht über ein Netzwerk von Verwandten verfügen, und Alleinerziehende.


„Normalerweise kommen unsere Klienten gerade so über die Runden. Aber wenn etwas Außergewöhnliches wie ein Jobverlust oder eine Scheidung passiert, dann geht es nicht mehr. Strom oder Miete können dann nicht bezahlt werden, oder es gibt kein Geld für Lebensmittel“, weiß Rotkreuz-Spontanhelfer Imre Siska.

 

Netzwerk der Hilfe


Ursachen erkennen Knapp über 1000 Fälle hat die individuelle Spontanhilfe in ganz Österreich im vergangenen Jahr bearbeitet. Sie ist eine Einrichtung des Roten Kreuzes, die in akuten Notlagen unbürokratisch und rasch hilft – was nicht bedeutet, dass einfach Rechnungen für die Klienten beglichen werden.

 

Im Generalsekretariat des Österreichischen Roten Kreuzes sind Imre Siska und Wieslaw Krynski bemüht, hinter die Probleme zu blicken und die Ursachen zu erkennen, damit aus einer Notsituation kein Dauerzustand wird.

 

„Das sind komplexe Fälle, für die wir uns Zeit nehmen. Wir hören den Menschen zu, fragen nach. Die meisten freuen sich darüber. In der Not sind wir die Feuerlöscher. Dann setzen wir auf  Beratung und nachhaltige Besserung der Lage.“

 

Die Spontanhelfer sind über ein soziales Netzwerk gut mit allen öffentlichen und privaten Hilfseinrichtungen verbunden. Die Palette der Bedürfnisse reicht vom Fremdenrecht über Obdachlosen- oder Schuldnerberatung bis hin zu gesundheitlichen Problemen.

 

„Dafür gibt es Spezialisten, mit denen wir unsere Klienten in Kontakt bringen“, so Wieslaw Krynski. „Die meisten Menschen wollen ihre Lage ja selbst in den Griff bekommen und nicht abhängig sein. Das ist auch das Prinzip, nach dem wir helfen“, ergänzt Imre Siska. Die finanzielle Unterstützung der Spontanhilfe ist einmalig, die Möglichkeit für ein Beratungsgespräch gibt es immer.

 

Höhere Schulden

 

Die Spontanhelfer stellen eine erschreckende Tendenz fest: Die Zahl der Klienten schwankt zwar nur leicht, allerdings werden die Zahlungsrückstände immer größer. „Früher konnten wir mit unserem Budget pro Fall wirklich etwas zum Guten wenden. Heute können wir oft nur gemeinsam mit anderen Einrichtungen helfen.“ Die Spontanhilfe wird großteils aus Spenden und Aktionen wie dem Penny-Familienhilfsfonds finanziert.

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