30.01.2013

Die stille Verzweiflung der Obdachlosen in Griechenland

Rotkreuz-Mitarbeiter Giovanni Zambello berichtet von den Straßen Athens, auf denen sich die Verarmung der Gesellschaft widerspiegelt.

Foto: Yannis Behrakis / Reuters

Die vergangenen zwei Jahre hat L. auf den Straßen von Athen verbracht. Mit alten Autos oder verlassenen Parkplätzen als Unterkunft. Seinen letzten Job als Mechaniker hat er vor drei Jahren verloren, als die kleine Werkstatt geschlossen wurde. Vorher hatte er nur Kurzzeit-Jobs und keine Möglichkeit, Geld für schlechtere Zeiten zu sparen.


Abgesehen von einer Schwester, die er auch schon lange nicht mehr getroffen hat, hat L. keine Familie und keine Unterstützung, die ihm zurück auf die Füße helfen könnte. Auch Freunde hat der 60-Jährige keine, wie er den Mitarbeitern des Griechischen Roten Kreuzes, die sich um Obdachlose kümmern, erklärt.


L. ist ein typisches Beispiel für das soziale Drama, das sich in Griechenland abspielt. Seit dem Beginn der Wirtschaftskrise hat sich die Lebensqualität nicht nur für die Menschen, die bereits in prekären Lagen lebten, verschlechtert. Für viele sind die guten Zeiten nur noch eine blasse Erinnerung.


Ein Zeichen für die Verarmung der Gesellschaft ist die rasante Zunahme von Obdachlosen. Besonders in Athen ist die Zahl der Menschen, die auf der Straße leben, um 20 bis 25 Prozent gestiegen. „Viele der heutigen Obdachlosen gehören zu den so genannten „neuen Armen“, berichtet Rotkreuz-Mitarbeiter Giovanni Zambello aus Athen. „Sie hatten einen guten Lebensstandard, aber der wirtschaftliche Niedergang hat sich mit in den Abgrund gerissen.“


Als L. obdachlos wurde, hat er mit dem Trinken begonnen. „Etwas zu essen zu bekommen, war nie ein großen Problem, dank der Solidarität der Menschen in diesem Viertel  und der Kirche“, sagt er. „Aber ich muss dringend einen Job finden, damit ich wieder ins Leben zurück finde. Das scheint mir aber fast unmöglich zu erreichen.“


„Die Menschen vermitteln eine Art stiller Verzweiflung, sie müssen mit der Unsicherheit ihrer Situation fertig werden“, sagt Zambello. „Sie haben keine Aussicht auf eine Zukunft, ihnen droht ein Leben und Sterben unter denen, die ignoriert werden.“


Das Griechische Rote Kreuz unterstützt die verarmten Menschen mit Sozialhilfe. Seit dem Beginn der Krise sind Rotkreuz-Freiwillige als „Streetworker in Athen und der Umgebung der Millionen-Metropole unterwegs. Gemeinsam mit Sozialarbeitern und medizinischem Personal verteilen sie Essen, Decken und informieren über Anlaufstellen und Hilfseinrichtungen.


„Auf internationaler Ebene verstärkt das Rote Kreuz den Dialog mit Regierungen und Institutionen, um ein Bewusstsein für die wachsenden Nöte der Menschen und diese tausendfachen stillen, unbemerkten Tragödien zu schaffen“, erklärt Giovanni Zambello.  „In vielen Ländern haben die Rotkreuz-Gesellschaften als Antwort auf die Krise ihre sozialen Aktivitäten verstärkt.“

 

In einer laufenden europaweiten Rotkreuz-Umfrage werden gerade die effektivsten Unterstützungsprogramme und Hilfsmechanismen erhoben, um im nächsten Schritt für die betroffenen Menschen rasche und optimale Unterstützung anzubieten.

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