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Gesellschaftlicher und ökonomischer Nutzen des Zivildienstes in Österreich

Vom Kompetenzzentrum für Nonprofit Organisationen und Social Entrepreneurship der WU Wien, im Auftrag des Bundesministeriums für Inneres wurde eine Studie zum ökonomischen und gesellschaftlichen Nutzen des Zivildienstes erstellt. Ein wesentlicher Teil der Berechnungen beruht dabei auf einer Erhebung innerhalb von Zivildiensteinrichtungen in Österreich, wie zum Beispiel dem Roten Kreuz. Zusammenfassend kommen die AutorInnen der vorliegenden Studie zum Schluss, dass eine Aufrechterhaltung des Zivildienstes ökonomisch und gesellschaftlich empfehlenswert ist. Die vorliegende Studie geht in diesem Zusammenhang der Frage nach, welche ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen eine Abschaffung des Zivildienstes nach sich ziehen würde.

 

In Geldeinheiten ausgedrückt bringt der Zivildienst 140 Mio. Euro (Stand 2012) gegenüber dem Alternativszenario „kein Zivildienst“ an eingesparten Kosten bzw. höheren Leistungen/Wirkungen. Wesentlich sind hierbei die Leistungen der Zivildiener, die als Ehrenamtliche nach dem Zivildienst in den Zivildiensteinrichtungen verbleiben mit etwa 105 Mio. Euro. Wird noch berücksichtigt, dass die Wirkungen der erbrachten Leistungen in den vorliegenden Bewertungen eher unterschätzt werden und einige der zweifelsfrei vorhandenen positiven Effekte des Zivildienstes in dieser Studie nicht monetarisiert wurden, liegt der wahre Nutzen noch deutlich höher.

 

Berechnung der Studie zum ökonomischen und gesellschaftlichen Nutzen des Zivildienstes:

Die Daten für die Berechnungen stammen aus verschiedenen Quellen. Zum einen stellte das Bundesministerium für Inneres bzw. die dort angesiedelte Zivildienstserviceagentur (ZISA) vorhandene Daten zur Zuweisungsstatistik sowie den anfallenden Kosten für den Bund zur Verfügung. Weiters wurden zwei breit angelegte Erhebungen durchgeführt, eine bei den Zivildiensteinrichtungen und eine bei (ehemaligen) Zivildienern.

 

Ergebnisse der Studie:

Den Zivildiensteinrichtungen zufolge haben die zugewiesenen, bzw. eingesetzten, Zivildiener im Jahr 2012 hochgerechnet beinahe 13 Mio Netto-Leistungsstunden erbracht, den Großteil dieser in den Bereichen Krankentransport und Rettungsdienst. Bei der Betrachtung der Kosten und Wirkungen wird auch ein besonderes Augenmerk auf die durch den Zivildienst geförderte Freiwilligenarbeit in den anerkannten Zivildiensteinrichtungen gelegt. Die meisten Zivildienst-einrichtungen sind Nonprofit Organisationen und als solche zum Teil von freiwilligem Engagement getragen. In Österreich sind knapp 44% der über 15-Jährigen freiwillig tätig, im europäischen Durschnitt sind es rund 23%. Um diese Zahl der Ehrenamtlichen zu erhalten und die Leistungserbringung - vor allem in Organisationen im Sozial- und Gesundheitsbereich - sicher zu stellen, ist die ständige Akquirierung von Freiwilligen von großer Bedeutung.

 

Die Erhebungen zeigen, dass etwa zwei Drittel der Zivildiener nach dem Zivildienst weiterhin beim Roten Kreuz tätig sind, davon rund 7% als hauptamtliche Mitarbeiter und rund 60% als Ehrenamtliche. Die mit der Zeit erfolgenden Abgänge ehemaliger Zivildienstleistender können durch hinzukommende Ehrenamtliche aus späteren Zivildienstantrittsterminen laufend ersetzt werden.

 

Profiteure des Zivildienstes sind vor allem die Gesellschaft/allgemeine Bevölkerung, die Zivildiensteinrichtungen und die Familien der Zivildiener.

 

Abgesehen vom rein ökonomischen Nutzen für unterschiedliche Einrichtungen wurde auch ein persönlicher Nutzen des Zivildienstes für die Zivildiener erkennbar, der nicht in seinem vollen Umfang in der Studie bewertet werden konnte. So hat sich der Zivildienst für die befragten Personen zu einem hohen Anteil positiv auf den Ausbau von Fähigkeiten und Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Belastbarkeit und Selbstmotivation ausgewirkt. Mehr als zwei Drittel der Zivildiener konnte ein besseres Verständnis und Einfühlungsvermögen für kranke und ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen entwickeln. Auch die Kommunikation und der Umgang mit benachteiligten Gruppen wurden positiv beeinflusst.

 

Die Mehrheit der befragten Zivildiener meinte, dass ihnen die durch den Zivildienst erworbenen Fähigkeiten in der Ausbildung bzw. im beruflichen Werdegang von Nutzen bzw. eher von Nutzen sein werden. Knapp ein Drittel gab an, sich durch den Zivildienst besser in die Gesellschaft integriert zu fühlen bzw. gebraucht zu werden.

 

Die erhöhte Kompetenz der ehemaligen Zivildiener im Sozial- und Gesundheitsbereich und das höhere Interesse und Verständnis für Probleme benachteiligter Gruppen ist von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung.

 

In Summe zeigt sich, dass der Zivildienst entsprechend seiner Form im Jahr 2012 für die Gesellschaft insgesamt vorteilhaft ist. Im Alternativszenario „kein Zivildienst“ zeigt sich im Gegensatz zum Szenario mit Zivildienst ein deutlich negativer Effekt aufgrund massiv reduzierter Leistungen.

 

 

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