„Ich fahre wieder mit!“ Ein Interview mit Alexander Moser

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Alexander, du warst als steirischer Reisebetreuer die Ansprechperson für alle steirischen Reisegäste und euer Flug ging ja von Graz direkt nach Kos. Wie hast du den Beginn der Reise erlebt?
Gleich die erste spannende Frage war: Wie schafft es unser Rollstuhlfahrer in den Flieger? Der ganze Ablauf am Flughafen war mir zwar bekannt, aber mit einem Rollstuhl hat man es dann doch nicht so oft zu tun. Das Ganze hat aber reibungslos funktioniert – der Transport war bereits bestellt und schlussendlich durfte die ganze Gruppe extra einsteigen. Auch in Kos wurden wir gemeinsam über einen gesonderten Ausgang zum LKW-Lift gebracht und dann vom LKW nach draußen. Das hat alles problemlos funktioniert.

Wann habt ihr dann die restliche Reisegruppe getroffen?

Der Reiseleiter und das restliche Team haben schon im Hotel auf uns gewartet. Am nächsten Tag haben wir uns dann Zeit genommen, alle richtig kennen zu lernen und Kontakt aufzubauen. Ich war beeindruckt, wie motiviert die Leute waren – als wir durchfragten, wer an den Halbtagsausflügen in die Stadt Kos und in das Bergdorf Zia teilnehmen will, waren fast alle sofort dabei.

Was habt ihr denn außer den Ausflügen noch so gemacht?
Vor allem reichliche Bekanntschaft mit Wasser (lacht). Wann immer wir am Strand oder am Pool waren, bin ich schon mit dem ersten Gast ins Wasser gegangen, wenn dieser raus wollte, hat schon der nächste gewartet – ich war nie lange aus dem Wasser draußen. Wir haben immer geschaut, dass alle, die ins Meer wollten, auch ins Meer gekommen sind. Durch die gute Teamzusammenarbeit konnten auch unsere schwer gehfähigen Teilnehmer ins Meer gebracht werden. Selbst Gäste, die mir persönlich gesagt haben, dass sie schon jahrelang nicht mehr im Meer waren, haben sich gefreut, dass sie wieder mit Hilfe ins Wasser konnten – das war wirklich ein Highlight!

Und was macht ein Reisebetreuer, wenn er nicht gerade im Meer ist?
Beim Frühstück haben wir zum Beispiel den Leuten teilweise das Essen zum Tisch gebracht, da sich vor allem jene mit Gehbehinderung sehr schwer mit dem Tragen der Teller getan haben. An den Abenden sind die Schwestern durchgegangen und haben den Leuten beim Duschen geholfen. Nach dem Abendessen haben wir uns immer mit den Gästen zu einem gemütlichen Ausklang beim Buffet vor dem Hotel getroffen – der konnte auch länger dauern… Bei den Ausflügen haben wir vor allem die Übersicht behalten und beim Transport geholfen und wir haben die Gruppe natürlich immer begleitet. In Zia haben wir zum Beispiel zuerst einen Weinkeller besichtigt, inklusive Verkostung, die sehr gerne in Anspruch genommen wurde… Anschließend sind wir in das Bergdorf gefahren, wo Souvenirs eingekauft werden konnten. Selbst die beiden Rollstuhlfahrer konnten ohne Probleme mit dem Reisebus transportiert werden – da wir vier Männer im Team waren, konnten wir sie problemlos in den Bus heben. Die Sicherung der Gäste beim Aus- und Einsteigen in den Bus war aber halt doch die größte Herausforderung für uns.

Wie reagieren eigentlich die anderen Hotelgäste auf eine Betreute Reisegruppe?
Unser Reiseleiter hat jeden Tag Informationen für unsere Gäste am Speisesaal-Eingang ausgehängt, was diesen Tag am Programm steht, damit auch die anderen Hotelgäste sehen, was bei uns so passiert. Die haben sowieso nach den ersten zwei, drei Tagen gesehen, welche Arbeit wir leisten, und haben selbst schon unseren Gästen bei Kleinigkeiten geholfen – z.B. über die Stiege oder so. Das Echo war sehr gut. Auch das Hotel war sehr kooperativ, wenn wir etwas gebraucht haben, haben sie uns unterstützt.

Und woher nimmt man eigentlich die Energie für eine derart intensive Woche?
Das möchte ich jetzt mit einem kleinen Beispiel beantworten: Ich hatte einen Epileptiker, der ein guter Schwimmer war, der sich aber nicht alleine im Meer zu schwimmen getraut hat, weil er sehr anfällig war. Mit ihm bin ich jeden Tag mindestens zweimal hinausgeschwommen, immer an seiner Seite, falls etwas passiert. Der hat sich am Abschiedsabend sehr bei mir bedankt – dass das so wunderbar gegangen ist. Das sind so Feedbacks, die freuen einen einfach! Und ich will wieder mit!

Alexander Moser ist Notfallsanitäter und Mitarbeiter der Landesleitstelle und hat 2013 seine erste Betreute Reise als freiwilliger Mitarbeiter begleitet.

 

 

 

 

„Durch die Betreuung wird so einiges wieder möglich!“ Ein Interview mit Frieda Pölzl

Frieda Poelzl

 

Frieda, wie siehst du als Betreuerin das Angebot des Betreuten Reisens?
Aus meiner Sicht ist „Betreutes Reisen“ eine sehr schöne Einrichtung. Menschen, die nicht gerne alleine Urlaub machen, weil sie unsicher sind oder gesundheitliche Probleme haben, fühlen sich bei uns sehr wohl.

 

Welche Erfahrungen bzw. Reisen sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
Ich war z.B. in Altmünster (OÖ) mit dabei, wir haben wunderschöne Ausflüge gemacht. Einer davon war zur Fronleichnam-Prozession am Traunsee – die Schiffe waren mit sehr schönen Blumen geschmückt. Es wurden auch einige alte Marienlieder gesungen, unsere Gäste kannten diese Texte auswendig und sangen mit großem Eifer mit. Auch die Donau- Schifffahrt mit Musik und gutem Essen war ein schönes Erlebnis und im Hotel  gab es immer ein Programm, das Spaß machte. Es war, als würden sich all unsere Gäste schon ewig kennen! Wir hatten eine wunderschöne Woche und unser Team war immer für die Reisenden da.

 

Und heuer? Warst du in diesem Jahr auch schon dabei?
Ja, im Juni 2012 war ich auf Korfu, das war eine herrliche Reise. Unsere Ausflüge unter dem Motto „Auf den Spuren der Kaiserin Sisi“ haben großen Anklang gefunden! Das Hotel, in dem wir wohnten, lag direkt am Meer und hatte eine schöne große Anlage. Und die Gäste bildeten je nach Sympathien kleine Gruppen und konnten sich gegenseitig beim Kaffee etc. vieles erzählen. Wir gaben ihnen immer die Möglichkeit, mit einer unseren Kolleginnen etwas zu unternehmen oder sich am Strand zu erholen – aber niemand musste an den angebotenen Aktivitäten teilnehmen. So konnten unsere Gäste selbst entscheiden, wie sie ihre Urlaubstage gestalten wollen… 

 

Ist bei Auslandsreisen nicht ein Arzt oder eine Ärztin aus Österreich dabei?
Das stimmt – und wir haben es heuer wirklich sehr gut erwischt. Unser Begleitarzt aus Oberösterreich war immer und überall anwesend – er ging sogar gemeinsam mit uns und unseren Gästen ins Meer baden!

 

Provokant gefragt: Was hat jemand von einer Urlaubsfahrt, der sich wegen gesundheitlicher Schwierigkeiten oder körperlicher Einschränkungen nichts mehr zutraut?
Durch die Betreuung wird so einiges wieder möglich! Einige Reisende, so haben sie mir erzählt, waren schon seit Jahren nicht mehr im Meer schwimmen - bei uns fanden sie ihre Sicherheit wieder und waren glücklich darüber, noch einmal das Gefühl zu haben, die kleinen Wellen des Meeres zu genießen.

 

Das heißt also, dass alle, die an einer Betreuten Reise teilnehmen, nur gewinnen können?
Auf jeden Fall. Es ist für mich immer sehr berührend, dabei zu sein, wie all diese Menschen mit unserem Team vom Roten Kreuz einen ganz unbeschwerten Urlaub verbringen können. Beim Abschied merke ich immer, dies war wieder eine Woche, die uns alle  einander näher gebracht hat und eine unvergessliche Erfahrung bleiben wird. Ich  glaube zu wissen, dass nicht nur ich mich, sondern auch unsere Gäste sich auf den nächsten Urlaub beim „Betreuten Reisen“ freuen!

 

Frieda Pölzl ist freiwillige Mitarbeiterin beim Roten Kreuz und fährt bei Betreuten Reisen im Inland und Ausland als Betreuerin mit.

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