Hilfe ist kein Akt des Mitleids

iz anwaltschaft

Das Rote Kreuz betreibt Anwaltschaft, um Perspektiven zu ändern, Entscheidungsträger/innen anzusprechen und politische und öffentliche Unterstützung für Menschen in Not zu erreichen.

Weltweit sind infolge immer häufiger auftretender Naturkatastrophen und des Zusammentreffens von politischen Krisen und Konflikten mehr und mehr Menschen auf humanitäre Hilfe und Soforthilfe angewiesen

Staatliche humanitäre Hilfe

 

Private, Hilfsorganisationen und Staaten leisten weltweit Hilfe für Menschen in Not. Die staatliche humanitäre Hilfe Österreichs ist im Vergleich zu anderen Ländern mit ähnlichem Lebensstandard durch den bis dato mit fünf Millionen Euro chronisch unterfinanzierten Auslandskatastrophenfonds (AKF), fehlende zentrale behördliche Koordination und langwierige Entscheidungsprozesse in der Mittelvergabe gekennzeichnet. Dies kostet im Anlassfall wertvolle Zeit und verzögert die Rettung von Menschenleben.

 

Kampagne "Mir wurscht...?"

 

47 österreichische Organisationen aus dem Bereich Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe, darunter das Österreichische Rote Kreuz, starteten bereits 2012 die Kampagne „Mir wurscht?“, um die politischen Entscheidungsträger/innen auf die akuten Probleme der staatlichen Auslandshilfe Österreichs (chronische Unterfinanzierung und Überbürokratisierung) aufmerksam zu machen. Dazu wurden im Vorfeld der Nationalratswahlen die Wahlprogramme der einzelnen Parteien in Bezug auf ihr humanitäres Engagement verglichen und konkrete Verbesserungsvorschläge und Empfehlungen zu effizienter staatlicher humanitärer Hilfe gemacht. Es wurden prominente Unterstützer/innen gewonnen, denen benachteiligte Menschen in Not nicht „wurscht“ sind (www.mirwurscht.org/unterstützerinnen). Gemeinsam fordern die Organisationen die österreichische Regierung auf, das Regierungsprogramm nun umzusetzen:

 

  • gesetzliche Verankerung der Budgets für direkte Projekthilfe und für den Auslandskatastrophenfonds
  • 20 Mio. Euro für den Auslandskatastrophenfonds
  • effiziente Strukturen in der staatlichen humanitären Hilfe aufbauen

 

Bewusstsein schaffen

 
Parallel zu öffentlichwirksamen Aktionen und Gesprächen zwischen Vertreterinnen und Vertretern von Ministerien und politischen Parteien wurden alle österreichischen Nationalratsabgeordneten kontaktiert und auf die prekäre Situation hingewiesen. Es muss das Bewusstsein geschaffen werden, dass humanitäre Hilfe kein Akt des Mitleids sein darf, sondern auf den Menschenrechten basiert. Die Gespräche wurden nicht nur in Wien, sondern auch in den jeweiligen Regional- und Landeswahlkreisen der Abgeordneten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus 30 Trägerorganisationen durchgeführt. „Politisch ist die Kampagne durch die gemeinsame anwaltschaftliche Arbeit bei den Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern angekommen“, sagt Heike Welz, die die Kampagne im Roten Kreuz koordiniert. „Über 100 österreichische Nationalratsabgeordnete sind mittlerweile gegen eine weitere Kürzung der Projekthilfe und für eine Stärkung der humanitären Hilfe. Die laut Regierungsprogramm vorgesehene Erhöhung des Auslandskatastrophenfonds auf 20 Millionen Euro ist ein ermutigendes Zeichen: Nun gilt es, dieses budgetär umzusetzen. Dafür werden wir uns weiter einsetzen!

 

 

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