Soziale Inklusion: Auftrag und Menschenrecht

Grodno Volunteers at Day Cnter

Immer mehr Gesellschaften sind mit steigender sozialer Ungleichheit konfrontiert. Ältere Menschen, Menschen mit Behinderung, Arbeitslose, Alleinerziehende, Minderheiten sowie Migrantinnen und Migranten sind besonders gefährdet, was Armut und soziale Ausgrenzung betrifft. „Gerade deshalb beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema der sozialen Inklusion: Dabei geht es um das Hereinholen von Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, um ihre Stärkung, die Förderung ihrer Teilhabe und Nichtdiskriminierung“, sagt Max Santner, Leiter der Internationalen Zusammenarbeit im ÖRK.

 

Ältere Menschen

 

Steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtenraten sind die Ursache für den demografischen Wandel. Die Zahl älterer Menschen hat sich in den letzten 50 Jahren verdreifacht und wird sich in den kommenden 50 Jahren nochmals mehr als verdreifachen. Ältere Menschen benötigen mehr Unterstützung, da sich mit fortschreitendem Alter der Gesundheitszustand oft verschlechtert und ein selbstbestimmtes Leben schwieriger wird. Soziale Isolation, Depressionen und Ausgrenzung können die Folgen sein. Gleichzeitig leben viele ältere Menschen länger und sind gesünder. Sie sind für ihre Familien, die Gemeinden und die Gesellschaft eine wertvolle Ressource.

Menschen mit Behinderungen

 

Mehr als eine Milliarde Menschen, rund 15 Prozent der Weltbevölkerung, leben mit einer Form von Behinderung. In Entwicklungsländern leben mehr als zwei Drittel der Menschen mit Behinderung unter der Armutsgrenze. Armut und Behinderung bedingen sich oft gegenseitig: Armut ist ein Risikofaktor für Behinderungen, da Menschen mit geringerem Einkommen oft einer gefährlicheren Arbeit nachgehen, mit schlechteren Lebensbedingungen konfrontiert sind und sich keine ausreichende Gesundheitsversorgung leisten können. Auf der anderen Seite erhöht eine Behinderung auch das Armutsrisiko. Durch den Anstieg von z. B. Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigen die krankheitsbedingten Behinderungen. Eine Vielzahl von Barrieren vermindert den Zugang ausgegrenzter Menschen zu Bereichen wie Sozialschutz, Gesundheitsversorgung und Mitbestimmung. „Um Vorurteilen, mangelnder Barrierefreiheit und strukturellen Hindernissen entgegenzuwirken, ist es wichtig, mit den ausgegrenzten Gruppen direkt inklusive Strategien und Programme zu entwickeln und ihre politische Teilhabe zu fördern.

In der Internationalen Zusammenarbeit engagieren wir uns, um Bewusstsein für die Anliegen von ausgegrenzten Menschen zu schaffen und sie dabei zu unterstützen, für die Wahrung ihrer Rechte einzutreten“, sagt Heike Welz, die in der Internationalen Zusammenarbeit für Anwaltschaft verantwortlich ist. In der Programmarbeit der Internationalen Zusammenarbeit ist soziale Inklusion ein konkreter Schwerpunkt. Zielgruppen sind Menschen mit Behinderung und alte Menschen vor allem in Europa. „In Mazedonien und Montenegro werden ältere Menschen durch den Aufbau eines Hauskrankenpflege- Programms unterstützt und aktiv in die Gestaltung der Projektaktivitäten mit eingebunden. Menschen mit Behinderungen, vor allem Kinder, werden bei unseren Projekten in Weißrussland gefördert. Dabei geht es um adäquate Gesundheitsversorgung und die Unterstützung für ein selbstbestimmtes Leben“, sagt Katarina Baničević, Desk Officer Europa.

Iryna Malinskaya
„Der Grad der Barrierefreiheit zeigt den Fortschritt der Gesellschaft, aber auch den Respekt füreinander.“ IRINA MALINSKAJA, Projektmanagerin in Grodno
Inesa Laryienava
"Es ist entscheidend, das Thema Barrierefreiheit gemeinsam mit jenen anzugehen, die direkt davon betroffen sind" INESA LARIONOVA, Projektmanagerin in Grodno

Barrierefreiheit


„Schließlich betrifft Barrierefreiheit uns alle – Kinder, Schwangere und alte Menschen. Mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft werden die Förderung der Gesundheit und des aktiven Alterns sowie die Betreuung und Pflege von Angehörigen ein immer wichtigeres Thema“, weiß Cornelia Hackl, Expertin aus dem Bereich Gesundheit und Soziales. Barrierefreiheit betrifft alle Lebensbereiche, von Wohnen, Arbeit, Schule, Kommunikation und Ausbildung, öffentlichem Verkehr bis hin zu Gesundheitsdiensten und Katastrophenhilfe. Da benötigt es innovative Ansätze und die Verankerung von Inklusion und Barrierefreiheit in Strategien und Programmen, wie sie z. B. bei der ZERO Conference vorgestellt wurden, die jüngst in Wien stattgefunden hat.
Österreich gehört zu jenen Staaten, die die UNKonvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ratifiziert haben. Damit hat sich Österreich verpflichtet, seine internationale Kooperation inklusiv zu gestalten: Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen müssen in gleicher Weise in den kurz- und langfristigen Programmen und Projekten gefördert und Barrieren und Diskriminierung abgebaut werden.

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