Mensch steht auf kippendem Hocker

Stürze gehören zu den häufigsten Unfallursachen in Österreich.
Etwa ein Drittel aller Arbeitsunfälle ereignen sich durch Sturz bzw. durch Absturz von Personen. Viele davon enden mit schweren Verletzungen oder führen sogar zum Tod.

Rotkreuz-Arbeitsmedizinerin Dr. Birgit Kager stellt Sicherungsmaßnahmen vor, die das Sturzrisiko wesentlich verringern.

 

Der Mensch ist ein kompliziertes Wesen. Das merkt man auch beim Gehen und beim Stehen: Durch den aufrechten Gang befindet sich der Schwerpunkt des menschlichen Körpers nämlich an der höchsten Stelle. Die Standfläche ist auch nicht gerade die größte – speziell dann nicht, wenn wir gerade einen Schritt machen. Streng genommen verlieren wir bei jedem Schritt ein wenig das Gleichgewicht, „fangen“ uns aber gleich wieder. Eine Kunst, die wir erst ab unserem dritten Lebensjahr so einigermaßen beherrschen.

 

Manchmal machen wir uns die Sache aber selbst unnötig schwer:

  • Durch Stolperfallen am Boden (etwa herumliegende Gegenstände wie Kabel oder Werkzeuge, Bodenunebenheiten, Niveauunterschiede im Boden,…)
  • Durch glatte, rutschige Böden (etwa durch glatte Bodenbeläge, Nässe, Verschmutzungen wie z.B. Fett, Öl, Staub,…)
  • Durch ungesicherte Bodenöffnungen (offene Schächte usw.)
  • Durch unsachgemäße Benützung von Leitern
  • Durch Verwendung ungeeigneter Aufstiegshilfen (Sessel, Tische,…)
  • Durch riskantes Verhalten: Hektik, Tragen von ungeeignetem Schuhwerk (Stöckelschuhe, Schlapfen, Schuhe mit glatten Sohlen,…), Unachtsamkeit, schlechte Beleuchtung, Nichtbenützen von Handläufen, Nichtbenützen von Absturzsicherungen und persönlicher Schutzausrüstung,….
  • Durch mangelhaftes körperliches Training
  • Durch ungenügende Reinigung (z.B. mangelhafte Schneeräumung auf Verkehrswegen).

 

Darum ist Achtsamkeit oberstes Gebot:

  • Beim Gehen immer auf den Boden schauen – so erkennen Sie Hindernisse, rutschige Böden und Niveauunterschiede rechtzeitig!
  • Stolperfallen wenn möglich beseitigen, keine Gegenstände herumliegen lassen, Verkehrswege immer frei halten!
  • Schäden am Boden immer unverzüglich beheben oder die Behebung veranlassen!
  • Böden und Aufstiegshilfen immer möglichst sauber halten!
  • Nur sicherheitstechnisch geprüfte Leitern und Aufstiegshilfen auf sachgemäße Art und Weise verwenden!
  • Mögliche Absturzstellen immer absichern bzw. abdecken!
  • Ggf. die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung verwenden (z.B. Absturzsicherung, Sicherheitsschuhe,…)!
  • Vorhandene Handläufe benützen!
  • Gutsitzende Schuhe mit rutschhemmender Sohle tragen, ggf. die vorgeschriebenen Sicherheitsschuhe tragen!
  • Für genügend Licht sorgen – so sehen Sie etwaige Gefahrenstellen besser!
  • Augen auf beim Gehen! Auch zum Gehen braucht man Konzentration!
  • Regelmäßiges körperliches Training (speziell Gymnastik und Koordinationstraining) verringert ebenfalls Ihr persönliches Sturzrisiko!
    Das ist besonders in Bereichen wichtig, in denen schwierige Bodenverhältnisse herrschen, zum Beispiel bei Rettungseinsätzen im Gelände.
  • Die Mitnahme eines Handys erleichtert im Notfall das Herbeirufen von Hilfe.
  • Falls Sie auf eine Gehhilfe (z.B. Gehstock) angewiesen sind: Verwenden Sie nur sicherheitstechnisch geprüfte Produkte aus dem Fachhandel, lassen Sie sich die korrekte Verwendung am besten von Fachleuten erklären!
    Auch Gehhilfen gehören hin und wieder gewartet und überprüft (z.B. müssen abgenützte Gummistoppel gegen neue ausgetauscht werden).
    Verzichten Sie bei ungünstigen Bodenverhältnissen auf nicht unbedingt notwendige Wege und Besorgungen – vielleicht kann ein Helfer / eine Helferin das für Sie erledigen!



Weitere Informationen finden Sie u. a. in folgenden Publikationen der AUVA:


©   10/2011   Dr. Birgit Kager, Arbeitsmedizinische Betreuung

socialshareprivacy info icon