Das Österreichische Rote Kreuz wurde im Jahre 1880 gegründet. Es ging aus den davor immer wieder anlässlich eines Krieges gegründeten (und danach jeweils wieder liquidierten) "Patriotischen Hilfsvereinen" hervor, die Verwundeten der K.u.K-Armeen unterstützte und sich um Kriegswitwen- und Waisen annahm. 

Im Feldzug gegen Preußen 1866 wollte der damalige patriotische Hilfsverein Hilfsgüter auf die Schlachtfelder schicken, da Österreich-Ungarn im Gegensatz zu Preußen und Italien jedoch dem Genfer Abkommen nicht beigetreten war, wurden diese Güter – mangels internationalem Status oder Mandat des Hilfsvereins - nicht vorgelassen. Die Wirkung des Vereins war daher auf das Reichsgebiet beschränkt, wo er Verwundete und Kranke pflegte. Dieser Verein löste sich, anders als bisher nicht nach dem Krieg auf, sondern etablierte sich, indem er die Geldmittel in einen Fonds legte und – Österreich-Ungarn war inzwischen Signatarstaat der Genfer Konvention – mit Entschluss des Kaisers zu einer permanenten Einrichtung wurde. Der „Österreichische Patriotische Hilfsverein für verwundete Krieger - Militärwitwen- und Waisen“ bekannte sich zu den Prinzipien des Roten Kreuzes und verwendete als Namenszusatz „Zugleich Landeshilfsverein vom Rothen Kreuze für Niederösterreich".

 

Weitere Tochtervereine in Böhmen, in der Steiermark und in Mähren bzw. in Schlesien gründeten sich, auch ein Frauenhilfsverein für alle österreichischen Länder wurde gegründet. Die Hilfsaktionen, die von den voneinander unabhängigen Vereinen organisiert wurden, beispielsweise 1878 während der Okkupation von Bosnien und der Herzegowina, verliefen unkoordiniert und teilweise chaotisch. Teilweise widersprachen sich die Ziele und Statuten der Teilorganisationen, von effizienter Hilfe keine Spur. Erst 1879 wurde, auf Initiative des Verteidigungsministers begonnen, diesen Teilvereine an einen Tisch zu bringen und über die Dachorganisation zu beraten, die mit 14. März 1880 als Österreichische Gesellschaft vom Rothen Kreuze (ÖGvRK) gegründet wurde.

 

Zunächst waren die Aufgaben der ÖGvRK auf die Unterstützung im Kriegsdienst beschränkt, wie das auch für die Vorgängerorganisationen galt. Verwundete und erkrankte Soldaten und Offiziere wurden betreut, Witwen- und Waisen versorgt. Aber bald war auch die Vorsorge wichtig, also die Bereitstellung von Lazaretten, Genesungsheimen oder Lagern.

 

Bereits 1882 wurde ein Zentralnachweisbüro ins Leben gerufen, dass im Prinzip die Aufgaben des Suchdienstes - also die Informationen über behandelte, verwundete und kranke Soldaten zu sammeln und in Evidenzbüros für die Auskunft zur Verfügung zu stellen.

 

Delegierte des Roten Kreuzes, die im Kriegsdienst waren mussten entweder ausgebildete k.u.k. Offiziere sein, oder konnten bei Sonderverwendungen auch dem Zivilstand angehören, mussten in jenem Falle aber eine Uniform tragen.

 

Bereits 1900 wurde von der Bundesversammlung der ÖGvRK der Beschluss gefasst, die Tätigkeiten von der reinen Hilfeleistung bei außerordentlichen Not- und Unglücksfällen hin zu organisiertem zivil-staatlichen Sanitätsdienst auszuweiten. Damit war wohl der Grundstein für den heute flächendeckend verfügbaren Rettungs- und Krankentransportdienst gelegt.

 

Der erste Transport-Einsatz der nagelneuen Verwundetentransportkutsche einer Rotkreuz-Dienststelle in der Bukovina, die heute im südöstlichen Polen liegt, so wurde mir berichtet, führte quer durch die Donaumonarchie in das Allgemeine Krankenhaus der Residenzstadt Wien.

 

Die Aufgaben des Roten Kreuzes vor dem ersten Weltkrieg waren zumeist rein auf die Unterstützung der militärischen Sanitätsdienste ausgerichtet, daher waren auch die Ressourcen beschränkt. Bei außergewöhnlichen Notständen und Unglücksfällen wurden die "hiezu disponsiblen Kräfte" unterstützend eingesetzt.

 

So genannte "Blessiertenträgerkolonnen" wurden organisiert, bei denen der Kommandant vom Roten Kreuz gestellt wurde, die 23 sanitätsdienstlich ausgebildeten Chargen und Soldaten von der k.k. Landwehr und die Fuhrleute aus der "Kondukteurschaft" des Rotkreuz-Feldspitals, genauso wie die Blessiertenwagen.

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