Die Rotkreuz-Arbeit im Rettungsdienst wurde von der Befreiung Österreichs durch die Alliierten nicht unterbrochen, gleich nach Kriegsende versuchten Rotkreuz-Mitarbeiter in allen Bundesländern die Strukturen von vor 1938 wiederherzustellen. So wurde das Österreichische Rote Kreuz bereits im November 1945 wieder provisorisch gegründet. Gleiches gilt natürlich auch für die Landesverbände.

 

Unabhängig von der rechtlichen Vereinsstruktur waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sofort wieder im Einsatz, um ihre Dienste als Rotkreuz-Schwestern oder -Sanitäter zu verrichten, in ganz Österreich war ja durch die letzten Kriegsmonate enorm viel zerstört worden, sehr viele Verletzte und Verwundete mussten ebenso noch versorgt werden.

 

Der Vorarlberger Rotkreuz-Mitarbeiter Franz Mäser berichtete anlässlich des 125-Jahr-Jubiläums des ÖRK 2005 von seinen ersten Einsätzen nach dem Krieg, als die Kriegsgefangenen in Feldkirch eintrafen. Die Mitarbeiter des Roten Kreuzes waren zur Stelle um zu helfen.

 

Ein Problem ergab sich in der Rückübernahme des Eigentums der ÖGvRK aus dem DRK-Vermögen in Österreich, da vieles nicht dokumentiert war, speziell was es an „beweglichen Vermögen“ gab. Zudem war die ÖGvRK kein „Rechtsnachfolger“ des DRK. Diese Abwicklung wurde erst 1962 vollständig erledigt.

 

Der Rettungsdienst, auch 2009 noch der weitaus größte Leistungsbereich des Roten Kreuzes in Österreich, wurde auch nach dem zweiten Weltkrieg weiter betrieben und ausgebaut. Standen in den ersten Jahren nach dem Krieg die Wiederherstellung der Infrastruktur und das Anschaffen von Fahrzeugen und Arbeitsgerät im Vordergrund, so änderten sich diese Bedürfnisse im Laufe der Zeit: Gegen Ende des 20. Jahrhunderts war die Flächendeckung und die rasche Verfügbarkeit von medizinischer Hilfe sehr wichtig – zahlreiche neue Dienststellen entstanden in ganz Österreich, um diese Eintreffzeiten zu verringern. Ein weiterer Meilenstein im Bereich des Rettungsdienstes war die Etablierung eines flächendeckenden Notarztsystems, das im Laufe der 1980er und 1990er Jahre errichtet wurde.

 

Erst Ende der 1940er Jahre begann das Österreichische Rote Kreuz den Leistungsbereich Blutspendedienst aufzubauen, zunächst in Salzburg und Tirol (1950), danach Kärnten (1952) und Steiermark bzw. Vorarlberg (1953). In Oberösterreich wurde dieser Leistungsbereich 1955 ins Leben gerufen, für Wien, Niederösterreich und das Burgenland wurde erst 1957 die „Blutspendezentrale“ gegründet, die ab 1958 direkt dem Generalsekretariat unterstellt wurde.

 

Auch der Bereich der Heimhilfe bzw. Hauskrankenpflege entstand im heutigen Sinne erst deutlich nach dem zweiten Weltkrieg. War die Rotkreuz-Schwesternschaft – entstanden erst auf DRK-Initiative im dritten Reich -  auch nach dem Kriege noch hauptsächlich im Bereich der „Fürsorge“, der Kinderhilfe, der Flüchtlingsfürsorge bzw. direkt in Krankenhäusern in der Versorgung von Erkrankten und Verletzten tätig, so wurde in den 1970er-Jahren dieser Bereich neu überdacht und in Form der „Gesundheits- und sozialen Dienste“ restrukturiert: Hauskrankenpflege und Heimhilfe waren aufgrund des demographischen Wandels notwendig. Auch andere neue Dienstleistungen, wie beispielsweise "Essen auf Rädern" wurden angeboten.

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