Symposium: Wir sind Gäste des Lebens
Unter diesem Titel findet vom 15. bis 17. April in Wien ein Symposium zur Spiritualität am Lebensende statt. Von Dr. Katharina Pils, Chefärztin des Österreichischen Roten Kreuzes.
Spiritualität – ein heute sehr viel gebrauchter Begriff. Er steht für die Suche nach der Transzendenz, der Sehnsucht nach einem Weiterleben nach dem Tod. Er steht aber auch für die Suche nach den verlorenen inneren Werten.
Eigentlich leitet sich das Wort Spiritualität von dem lateinischen Begriff „spiritus“ Geist, aber auch von „spirare“ atmen ab. Die Verbindung der beiden Begriffe Atmen und Geist sind Zeichen der Lebendigkeit. Physisch benötigen wir den Atem für den wichtigen Sauerstoffe- Kohlendioxidaustausch, den Geist um zu gestalten, zu empfinden, eine Spur in unserem Leben zu hinterlassen.
Ich habe viele Menschen getroffen, die sich anlässlich der Diagnose einer schweren Krankheit, nach dem Sinn ihres bisherigen Lebens gefragt haben. Der Erfolg im Beruf, das schnelle und laute Vergnügen, die oberflächlichen Freundschaften werden plötzlich mit neuen Augen gesehen. Plötzlich wird die Beziehung zu Partnern, Kindern und Enkeln wichtig. Offene Konflikte werden bedauert. Die Frage nach dem Danach wird wichtig. Auch Menschen, die sich vor längerer Zeit von ihrem Glauben distanziert haben, suchen nach dem Metaphysischen.
Wo kann nun die Rolle eines therapeutischen Teams sein? Zunächst einmal in hoher Professionalität: sichere Diagnostik, kompetente Therapie, ausreichende Behandlung von Schmerzen und Erhalt der Selbsthilfefähigkeit sind die Basis. In allen Phasen ist die Ehrlichkeit gegenüber Patienten und Angehörigen die Voraussetzung für eigenverantwortliche und selbstbewusste Entscheidungen der Patientinnen und Patienten.
Darüber hinaus wollen wir den uns anvertrauten Menschen auch emotionale Sicherheit geben. Dafür muss man Menschen gut kennen – ihre Persönlichkeit, ihre Biographie, ihre Wertewelt und ihr religiöses Verständnis.
In einer Zeit, in der es gilt, immer schneller, immer effizienter zu arbeiten, Leitlinien und standardisierte Prozesse zu befolgen, bleibt manchmal nicht genug Zeit und Spielraum. Pflegende in allen Funktionen, sei es im Krankenhaus, in der Hauskrankenpflege oder im Palliativteam geraten an die Grenzen des Machbaren.
Wo nährt sich die Spiritualität der Pflegenden, des medizinischen Teams?
Nur wer auf sich selbst achtet, kann in schwierigen Situationen geben, einfach da sein, keinesfalls bewerten. Supervision und Teambesprechungen sind hilfreich.
Der Dalai Lama nennt als "Grundspiritualität" die grundlegenden menschlichen Qualitäten Güte, Freundlichkeit, Mitgefühl und liebevolle Zuwendung.
So können wir uns nur wünschen, dass für Menschen in der letzten Lebensphase die Bedürfnispyramide - Umgebung, Pflegende, Medikation und Schmerzmanagement, Ernährung und Lagerung - so aufgebaut ist, dass Ressourcen für die spirituelle Begleitung bis zum Tod bleibt. Auch wenn Menschen scheinbar nicht mehr ansprechbar sind, so nehmen sie dennoch vieles wahr – Geräusche, den Klang der Stimme, vertraute Gerüche, Wärme, die Intensität einer Berührung.
Ich bin sicher, dass diese Tagung vielfältige Anregungen zur Reflexion, vielleicht auch in manchen Bereichen Lösungen anbieten wird. Ich freue mich auf Neues und die Gelegenheit zum Gedankenaustausch. Ich wünsche der Tagung „Wir sind Gäste des Lebens – Spiritualität am Ende des Lebens“ im Namen des Österreichischen Roten Kreuzes viel Erfolg.
Symposium "Wir sind Gäste des Lebens"
Das Symposium wird vom Österreichischen Roten Kreuz gemeinsam mit IFF Wien veranstaltet und findet vom 15. bis 17. April im Wiener Palais Auersperg statt. Weitere Informationen bei Anna Hostalek (IFF Wien).

