Mögliche Reaktionen auf ein belastendes Ereignis

Sie (oder einer Ihrer Angehörigen) haben ein sehr belastendes Ereignis erlebt. Jeder Mensch hat seine eigenen Möglichkeiten, mit Stress und Belastungen umzugehen. Dennoch kann es jetzt oder später zu starken emotionalen und/oder körperlichen Reaktionen kommen. Das ist nach einem sehr belastenden Ereignis, wie die von Ihnen erlebte Flutkatastrophe häufig der Fall. Es sind normale Reaktionen auf ein nicht normales Ereignis.

Manchmal treten die Stressreaktionen oder emotionalen Begleiterscheinungen sofort auf, manchmal erst nach Stunden oder Tagen. In einigen Fällen vergehen Wochen oder gar Monate, bevor Reaktionen auftreten. Auch eine solche Zeitverzögerung ist normal.

 

Die Dauer der Veränderungen schwankt zwischen einigen Tagen und mehreren Monaten. In Einzelfällen halten sie auch länger an, je nachdem, wie schwerwiegend das Ereignis war. Mit Verständnis und Unterstützung von Angehörigen und Freunden gehen die Reaktionen rascher zurück. Es kann auch vorkommen, dass Sie das Gefühl haben, zusätzlich professionelle Hilfe zu benötigen. Wenn man eine solche Hilfestellung in Anspruch nimmt, heißt das nicht, dass man verrückt ist. Es bedeutet lediglich, dass das Ereignis derart belastend und außergewöhnlich war, dass man nicht alleine damit fertig wird.

 

Die häufigsten Stress-Symptome nach sehr belastenden Ereignissen sind:

  • Körper:
    Erschöpfung, Müdigkeit, Übelkeit, Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwitzen, Schlaflosigkeit;
  • Gedanken:
    Nervosität, Konzentrationsschwierigkeiten, sich aufdrängende Erinnerungen, Albträume, Unsicherheit, erhöhte Wachsamkeit
  • Gefühle:
    Angst, Niedergeschlagenheit, Wut, Hilflosigkeit, Schuldgefühle, plötzliche Gefühlsausbrüche, Panik;
  • Verhalten:
    Rückzug von anderen Menschen, Schweigen, plötzliches Weinen, Appetitverlust oder -zunahme, Rastlosigkeit, “Überdrehtsein”, Gereiztheit, unangebrachte Reaktionen, vermehrter Alkoholkonsum oder sonstiges Suchtverhalten.

 

 

Einige Hilfen zur Stressbewältigung

  • Sprechen Sie mit anderen. Reden ist die beste Medizin.
  • Verbringen Sie Zeit mit anderen. Ein belastendes Ereignis kann leichter verarbeitet werden, wenn man sich gegenseitig unterstützt.
  • Nehmen Sie Ihren normalen Tages- und Wochenrhythmus zuhause möglichst rasch wieder auf. Gewohnte, alltägliche Verrichtungen geben Halt.
  • Wenn Sie sich schlecht fühlen, ist das normal. Nehmen Sie sich Zeit, zu trauern und zu weinen, wenn Ihnen danach ist. Auf lange Sicht wird es Ihnen dadurch besser gehen, als wenn Sie versuchen, diese Gefühle zu unterdrücken oder zu verstecken.
  • Sprechen Sie mit vertrauten Personen darüber, was Sie bewegt und wie Sie sich fühlen. Schreiben Sie Ihre Gedanken auf, wenn Sie nicht schlafen können oder keinen Ansprechpartner haben.
  • Halten Sie sich körperlich in Bewegung (Spazierengehen, Übungen, Sport).
  • Ruhen Sie sich immer wieder aus, zumindest einige Minuten lang.
  • Achten Sie darauf, ausreichend zu essen und zu schlafen.
  • Trinken Sie nicht mehr Alkohol als gewöhnlich.
  • Setzen Sie sich kleine Ziele, um große Veränderungen zu bewältigen. Gehen Sie Schritt für Schritt vor, anstatt alles auf einmal zu versuchen.
  • Treffen Sie nach Möglichkeit derzeit keine schwerwiegenden Entscheidungen.
  • Wiederkehrende Gedanken und Erinnerungen an das Ereignis sind normal – kämpfen Sie nicht dagegen an. Sie werden mit der Zeit seltener und weniger intensiv, bis sie schließlich ganz verschwinden.
  • Beschäftigen Sie sich auch mit anderen Dingen. Schalten Sie die Nachrichten aus, vermeiden Sie Zeitungsberichte zur Flutkatastrophe und wenden Sie sich immer wieder Dingen zu, die Ihnen gut tun. Machen Sie Dinge, die Ihnen sinnvoll erscheinen.

 

 

Was Angehörige und Freunde tun können

  • Verbringen Sie Zeit mit dem/der Betroffenen.
  • Bieten Sie Hilfe und ein offenes Ohr an, wenn Sie nicht selbst um Hilfe gebeten werden.
  • Hören Sie zu.
  • Geben Sie dem/der Betroffenen Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeit.
  • Nehmen Sie Wut und Aggressionen nicht persönlich.
  • Unterstützen Sie den/die Betroffene/n, aber nehmen Sie ihm/ihr nicht zu viel ab. Achten Sie darauf, dass er/sie aktiv bleibt.
  • Sagen Sie, dass es Ihnen leid tut, was passiert ist, und bieten Sie Ihre Unterstützung an. Vermeiden Sie Aussagen, dass der/die Betroffene ja noch Glück hatte o.ä.

 

 

Mögliche Reaktionen von Kindern auf ein belastendes Ereignis

  • Vermehrtes Zuwendungsbedürfnis und Trennungsangst z.B.: das Kind möchte nicht mehr alleine in seinem Bett schlafen, es will auch für kurze Zeit nicht alleine gelassen werden
  • Aggression und Trotzverhalten
  • Regression z.B.: Bettnässen, Daumenlutschen, Verlust bereits vorhandener Fähigkeiten.
  • Sozialer Rückzug z.B.: das Kind sondert sich ab, will nicht mehr mit anderen Kindern spielen.
  • Übererregtheit z.B.: das Kind hat Ein- und Durchschlafstörungen, Konzentrationsprobleme und
  • Leistungsabfall in der Schule.
  • Unkontrollierbare Erinnerungen an das Ereignis z.B.: das Kind hat Albträume und spielt Teile des Ereignisses nach.
  • Vermeidung von Personen, Orten oder Dinge, die an das Ereignis erinnern.

 

 

 

Grundregeln im Umgang mit Kindern nach einem belastenden Ereignis:

 

 

Offenheit und Fragen stellen erlauben:
  • Sprechen Sie offen über das Ereignis
  • Lassen Sie sich von den Fragen des Kinder leiten.
  • Helfen Sie dem Kind den Tod zu
  • begreifen z.B.: dass Verstorbene nicht wieder kommen können.

 

 

Alltagsroutinen und Spielen:
  • Lassen Sie dem Kind Zeit zum Spielen.
  • Lassen sie sobald es geht Alltagsroutinen wieder einkehren.
  • Alltagsroutinen geben dem Kind Sicherheit.

 

 

Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten für das Kind eröffnen:
  • Lassen Sie das Kind so viel mithelfen wie es nur geht.
  • Erlauben Sie den Kindern eigene Entscheidungen zu treffen.

 

 

Zuwendung und Grenzen setzen:
  • Erhöhen Sie Zuwendung und Aufmerksamkeit.
  • Behalten sie die Kontrolle, d.h. seien Sie verständnisvoll aber konsequent. Kinder können auf das Erlebte mit Trotzanfällen reagieren. Ein ruhiges und konsequentes Grenzen setzen ist da am Besten.
  • Teilen Sie einen Teil Ihrer Gefühle mit den Kindern.
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