Erste Hilfe

Erste Hilfe - keine Angst!


Angst vor Erste-Hilfe-Leistung? Angst, Fehler zu machen? Und dabei strafbar zu werden? Unbegründet, sagt der RK-Jurist: Trotz eingehender Recherche ist uns in vielen Jahren kein einziger Fall untergekommen, wo ein Ersthelfer wegen Fehler bei der Hilfeleistung vor dem Kadi gelandet wäre. Angst sollte man vor etwas anderem haben: Nur wer nicht Erste Hilfe leistet, macht sich strafbar und wird strafrechtlich verfolgt.



Wegsehen ist strafbar

§ 94 Strafgesetzbuch "Im-Stich-Lassen eines Verletzten"
§ 95 Strafgesetzbuch "Unterlassung der Hilfeleistung"
§ 4 Absatz 2 Straßenverkehrsordnung
§ 88 Strafgesetzbuch "Fahrlässige Körperverletzung"

 

 

 

§ 94 Strafgesetzbuch "Im-Stich-Lassen eines Verletzten"

Wer eine Körperverletzung verursacht (z. B. in einen Verkehrsunfall verwickelt ist), aber die Hilfeleistung unterlässt, macht sich strafbar. Und kann im Gefängnis landen:
Es drohen - je nach den Umständen - bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe.
Einzige Ausnahme: Die Hilfe war "nicht zumutbar". Dazu reicht es allerdings nicht, "Angst vor Fehlern" zu haben: Grund müssen schon eine Gefahr für Leib und Leben oder überwiegende Interessen sein!
Aber auch wer am Unfall gar nicht beteiligt war, kann sich strafbar machen, wenn er nicht hilft:

 

 

 

§ 95 Strafgesetzbuch "Unterlassung der Hilfeleistung"

Bei einem Unglücksfall hat jeder - wer auch immer dazukommt - die offensichtlich erforderliche Hilfe zu leisten!
Bei Missachtung dieser Menschenpflicht droht ebenfalls Knast: bis zu 1 Jahr Freiheitsstrafe, wenn der Verletzte etwa verstirbt.
Einzige Ausnahme wiederum: Die Hilfe war "nicht zumutbar". Was auch hier streng gemessen wird: "Die Kinder warten daheim" oder "Meine Frau kann kein Blut sehen" reichen nicht als Ausrede, wenn es um Menschenleben geht.

 

 

 

§ 4 Absatz 2 Straßenverkehrsordnung

Dieses Gesetz regelt ebenfalls eine ausdrückliche Hilfeleistungspflicht für jeden, der in ursächlichem Zusammenhang mit einem Verkehrsunfall steht. Und jeder Kfz-Lenker muss ja eine Erste-Hilfe-Ausbildung vorweisen - die Erste Hilfe also ebenso gut kennen wie die Verkehrsregeln!

 

 

 

§ 88 Strafgesetzbuch "Fahrlässige Körperverletzung"  (Zurück nach oben)

Es drohen bis zu drei Monate Freiheitsstrafe.
Nicht strafbar ist dies allerdings, wenn "kein schweres Verschulden" vorliegt und

  • entweder Verwandtschaft zum "Opfer"
  • oder ein Arzt bzw.
  • Sanitätshilfsdienste den Fehler begingen - bei beiden darf die Verletzung nicht länger als 14 Tage gedauert haben - oder
  • eine nicht mehr als dreitägige Dauer der Gesundheitsschädigung vorliegt.
  • Normale Fehler sind straffrei!


Es ist nach Möglichkeit Hilfe zu leisten:
Tun sollte man das, was man gelernt hat.
Erste-Hilfe-Kurse des Roten Kreuzes sowie regelmäßige Auffrischungskurse können vor Unheil bewahren - und machen auch noch Spaß!
Wenn momentan keine qualifiziertere Hilfe erreichbar ist, muss jeder Hand anlegen!

Angst davor, Fehler zu machen:
Menschen passieren Fehler, wenn sie unter Stress, Aufregung und Angst leiden - das ist nicht strafbar. Versetzen Sie sich in die Lage eines Verletzten: Er wird Ihre Aufregung verstehen - aber er wird nicht verstehen, wenn Sie ihn tatenlos verbluten lassen!
Gegen die Angst hilft ein Erste-Hilfe-Kurs beim Roten Kreuz. Ein schief angelegter Verband ist nicht vorwerfbar, aber jemand ohne Verband verbluten zu lassen, ist strafbar.
Wenn jemand Herzstillstand hat, ist es das Schlimmste, nichts zu tun - dann stirbt derjenige jedenfalls.

Die Grenze der Hilfeleistung:
Auch in Notsituationen sollte man nicht den Arzt spielen, nicht "künsteln" - z. B. Infusionen hat ein Laie nicht anzulegen.

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