18.08.2017 08:53

EU hat in der Flüchtlingsfrage versagt

ÖRK-Präsident Gerald Schöpfer: "Humanitäre Hilfe ist kein Akt selektiver Barmherzigkeit".

EU hat in der Flüchtlingsfrage versagt
ÖRK-Präsident Gerald Schöpfer fordert mehr Menschlichkeit.
© ÖRK/Nadja Meister

Zum Welttag der humanitären Hilfe am 19. August weist ÖRK-Präsident Gerald Schöpfer einmal mehr auf die wichtige Arbeit der NGOs im Mittelmeer hin. Er kritisierte die "unreflektierte Pauschalkritik an den NGOs, bloß weil sie im Mittelmeer Menschen vor dem Ertrinken retten und den Behörden übergeben". Schöpfer ortet den Wahnsinn in diesem Zusammenhang anderswo, nämlich genau dort wo Politik auf Kosten der Ärmsten gemacht wird".

Hilfe sollte selbstverständlich sein


Humanitäre Hilfe sei kein "Akt selektiver Barmherzigkeit", sondern habe zum Ziel "Menschen zu retten". Man müsse sich für Flüchtlinge einsetzen, denn "wenn Menschen in Not sind, ist es eine Selbstverständlichkeit sich für sie einzusetzen", so Schöpfer. Eine vollständige Sperrung des Mittelmeeres sei derzeit "nicht realistisch".

ÖRK fordert Sicherheit für Helfer


Neben der Forderung, dass Menschen auch außerhalb der EU Asyl beantragen können sollen, ist Schöpfer vor allem die Sicherheit der humanitären Helfer ein Anliegen: "Die Arbeit des Roten Kreuzes werde immer gefährlicher, da in vielen Konflikten die Grundregeln des Völkerrechts nicht mehr eingehalten werden". Das Schutzzeichen des Roten Kreuzes oder Roten Halbmondes wird immer wieder zur Zielscheibe: In Syrien sind bislang mindestens 50 Helfer umgekommen, in der Zentralafrikanischen Republik sind erst vergangene Woche sechs Mitarbeiter des Roten Kreuzes getötet worden.

Bessere Finanzierung

Schöpfer forderte eine bessere Finanzierung des internationalen Roten Kreuzes, dessen mit 1,6 Milliarden Euro festgelegtes Budget, um die "ärgste Not weltweit zu lindern", erfahrungsgemäß nur zu "zwei Dritteln" erreicht würde. Er lobte die Erhöhung der Mittel des Auslandskatastrophenfonds durch die Bundesregierung von fünf auf 20 Millionen Euro jährlich, verwies aber auch darauf, dass dies noch nicht genug sei. Länder die an Größe, Bruttoinlandsprodukt und Einwohnerzahl Österreich ähnlich seien, investierten in diesem Zusammenhang den bis zu zwanzigfachen Betrag: Schweden mobilisiere etwa jährlich 409 Millionen Euro.

Der Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes zieht jedoch auch positive Bilanz, denn die Organisation verzeichnet mit 73.600 freiwilligen Mitarbeitern und rund einer Million Mitglieder und Unterstützer neue Rekorde. "Die Menschen sind interessiert an humanitären Werten", so Schöpfer. "Sie sind vielleicht leiser als jene die Ängste schüren, aber sie sind eine kritische Masse".

(ÖRK/APA)

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