10.11.2017 09:43

Standardisierte Patientenübergabe: Mehr Infos zum Wohl der Patienten

Das Rote Kreuz Vorarlberg übergibt im Rettungsdienst über 35.000 Patienten jährlich an das Pflegepersonal in den Krankenhäusern. Diese Übergabe erfordert eine präzise und rasche Weitergabe von Informationen über die Patienten. Um hier mögliche Fehler zu vermeiden, hat das Rote Kreuz gemeinsam mit den Vorarlberger Landeskrankenhäusern die Übergabe von Patienten neu geregelt – in Form der „Standardisierten Patientenübergabe“. Dadurch gibt es bei kritischen Übergaben, etwa bei Zeitdruck oder erhöhtem Patientenaufkommen, keine Kommunikationsprobleme mehr. Im Rahmen einer Pressekonferenz informierten Rotkreuz-Geschäftsführer Dir. Roland Gozzi und Dir. Dr. Gerald Fleisch, Geschäftsführer der Vlbg. Krankenhaus-Betriebsgesellschaft, über die Vorteile der „Standardisierten Patientenübergabe“.

Standardisierte Patientenübergabe: Mehr Infos zum Wohl der Patienten
Fotocredit: Mathis Fotografie
Fotocredit: Mathis Fotografie

 

 

Rettungssanitäter und Pflegepersonal treffen immer dann aufeinander, wenn die vom Roten Kreuz transportierten Patienten an die Krankenhäuser übergeben werden. Zeitdruck, erhöhtes Patientenaufkommen oder Stress im Nachtdienst sind Faktoren, die dabei zu Kommunikationsproblemen führen können. Um das zu verhindern und eine kontinuierliche Betreuung der Patienten zu gewährleisten, hat das Vorarlberger Rote Kreuz ein zukunftsweisendes Projekt initiiert: die Standardisierung der Übergabe von Patienten an die Pflege in den Krankenhäusern.

„Am Einsatzort bekommen unsere Mitarbeiter viele Informationen zum Patienten, seinem Umfeld und seiner sozialen Lage. Wenn unsere Mitarbeiter dafür sensibilisiert sind, welche Informationen für die weitere Behandlung, Pflege und spätere Entlassung – neben den medizinisch relevanten Informationen – wichtig sind, dann können sie einerseits bereits gezielt nachfragen und andererseits bei der Übergabe dem Krankenhaus-Personal diese Informationen gezielt weiterleiten“, erklärt Dir. Roland Gozzi, Geschäftsführer des Roten Kreuzes Vorarlberg, die Idee hinter dem Projekt.

„Die richtigen Informationen sind bei jeder Entscheidung ausschlaggebend, so besonders auch, wenn es um die Behandlung von Patienten geht. Deshalb bedeutet eine Standardisierung der Kommunikation zwischen den Sanitätern und den Mitarbeitern der Pflege in doppelter Hinsicht eine enorme Verbesserung: Von den Informationen profitieren einerseits Arzt und Pflege im Krankenhaus für ihre Entscheidung, was zu tun ist – und in weiterer Folge dann auch der Patient selbst, weil im Vorfeld alles Notwendige geklärt worden ist. Wir freuen uns, dass unsere engagierten LKH-Mitarbeiter hier Teil in der Ausarbeitung dieses wichtigen Qualitätsprojektes des Roten Kreuzes sind“, bedankt sich Dr. Gerald Fleisch, Geschäftsführer der Vlbg. Krankenhaus-Betriebsgesellschaft, für die gute Kooperation mit dem Roten Kreuz.

 


Neues Übergabegespräch: „SMS-Briefing“

Andreas Enne, MA MBA, Leiter des Rotkreuz-Bildungscenters und Projektleiter, trat an die Krankenhäuser des Landes mit der Idee heran, die Patientenübergabe zu standardisieren und stieß damit sofort auf großes Interesse. „Eine Umfrage unter Rettungssanitätern und Krankenhaus-Pflegern hatte ergeben, dass sich die Beteiligten einen wertschätzenden Informationsaustausch über die Patienten wünschen, der keine Fragen offen lässt“, erklärt Andreas Enne.

Das Projektteam, bestehend aus Mitarbeitern des Roten Kreuzes und Pflegerinnen und Pflegern der Landeskrankenhäuser, erarbeitete aus den Umfrageergebnissen das so genannte „SMS-Briefing“, bei dem die Standard-Informationen mündlich ausgetauscht werden: 

  • Wie war die Situation vor Ort – bezüglich Unfallhergang, Erstbefund und Symptomen? 
  • Welche Maßnahmen wurden gesetzt,  und hat sich während des Transports etwas verändert? 
  • Ein wichtiger Punkt im SMS-Briefing ist außerdem die Sozialanamnese: Gibt es eine Bezugsperson? Wer ist informiert? Wer kommt ins Krankenhaus oder ist bereits jemand dort?

 

Zusätzlich zur mündlichen Patientenübergabe gibt es weiterhin ein schriftliches Einsatzprotokoll des Roten Kreuzes, das an die Ambulanzen im Krankenhaus übergeben wird.Unterstützt wird dieses neue Übergabegespräch durch hilfreiche Info-Karten mit entsprechenden Fragen. „Ziel ist es, dass jene Pflegekräfte, welche die Patienten übernehmen, die notwendigen Informationen erfahren – und nur das Wesentliche und Wichtigste weitergegeben wird“, erklärt Elke Kovatsch, MSc, Bereichsleiterin Pflege im LKH Rankweil und Projektpartnerin der ersten Stunde seitens der LKH.

 


Pilotabteilung am LKH Bregenz seit Jahresbeginn

In der Ambulanz für Erstversorgung am LKH Bregenz läuft die Standardisierte Patientenübergabe bereits seit Anfang 2017 als Testphase. Ambulanz-Mitarbeiter berichten: „Seit der Einführung der standardisierten Patientenübergabe ist die Information während der Übergabe der Patienten, was z.B. die Vitalwerte, Schmerzen, Probleme oder den notwendigen sozialen Hintergrund des Patienten anbelangt, wesentlich besser geworden. Diese neue Form der Übergabe hilft uns, sowie auch den Rettungssanitätern, da wir einen kompletten Überblick über notwendige Patienteninformationen erhalten. Auch die Kommunikationskultur hat sich insofern verbessert, dass wir uns durch das Briefing mehr Zeit für die genauen Informationen nehmen können.“

 


Alle Krankenhäuser Vorarlbergs machen mit

Der neue Übergabeprozess wird noch in diesem Herbst in allen Landeskrankenhäusern sowie im Krankenhaus Dornbirn ausgerollt. In den Krankenhäusern erfolgt die Fortbildung zum neuen Übergabegespräch in Form von Teammeetings, beim Roten Kreuz wird ebenfalls intern geschult. „Wir freuen uns, dass wir mit unserem Projekt eine rasche, effiziente und medizinisch gute Patientenübergabe sicher stellen und auch die sozialen Umstände des Patienten ab sofort eine Rolle spielen“, zeigt sich Projektleiter Andreas Enne mit dem Projektergebnis sehr zufrieden.

 


Statements der Anwender aus den Landeskrankenhäusern



LKH Hohenems, Martin Mayer, Pflege-Bereichsleitung:

„Für das Landeskrankenhaus Hohenems bedeutet das neue SMS-Briefing eine verbesserte Vernetzung sowie interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Roten Kreuz. Dadurch gewinnt die Übergabe der Patienten von extern nach intern ins Krankenhaus nicht nur an Qualität, sondern bedeutet für unsere Patienten eine zusätzliche Sicherheit, indem die Gesundheits-Fachkräfte miteinander eine strukturierte Übergabe durchführen und je nach Ereignis den Patienten für den weiteren Behandlungsverlauf besser einschätzen können. Mit der Einführung dieser Arbeitsgruppe zwischen den Vertretern des Roten Kreuzes sowie den Vorarlberger Krankenhäusern können wir positiv in die Zukunft blicken und der Vorarlberger Bevölkerung einen hohen medizinischen und pflegerischen Standard anbieten.“

 


LKH Rankweil, Elke Kovatsch, MSc, Pflege-Bereichsleitung:

„Zur Vorgeschichte des Projekts: Es gab keine geregelte standardisierte Patienten-Übergabe. Auch kam es im Alltag zwischen Pflege/Rettungsdienst immer wieder zu (nichtausgesprochenen) Spannungen. Grund war oft, dass nicht klar war, was welche Berufsgruppe an Informationen hören und/oder weitergeben sollte. Unter dem täglichen Zeitdruck fand sich hierfür auch kein geeigneter Rahmen. Dies führte manchmal zu Informationsverlust – und Spannungen – und war Anlass für das Rote Kreuz, gemeinsam mit den Landeskrankenhäusern eine Verbesserung zu initiieren.Zur Projektumsetzung: In den Ambulanzen der LKHs herrscht täglich reger Betrieb und die Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienst und Pflegekräften gehört zu jedem Ambulanzalltag. Mit der standardisierten Patientenübergabe wurde eine Plattform geschaffen, bei der die Pflegekräfte und der Rettungsdienst schnell, gezielt und strukturiert Patienteninformationen austauschen können. Durch das Festlegen von gemeinsamen Informationsinhalten wurde auch eine gemeinsame Sprache geschaffen, was das Zusammenspiel und die gegenseitige Wertschätzung von Pflegekräften und Rettungsdienst im Alltag gefördert hat. Neben der erwähnten Verbesserung der interdisziplinären Zusammenarbeit von Rettungsdienst und Pflegekräften ist die standardisierte Patientenübergabe vor allem ein Qualitätsgewinn für unsere Patienten. Denn durch die gezielte Informationsweitergabe werden einerseits keine wesentlichen Informationen vergessen und kann andererseits eine bessere Einschätzung für den weiteren Behandlungsverlauf der Patienten erfolgen.“

 


Statement aus dem Rettungsdienst


RK-Abteilung Bregenz, Mario Gasser, Notfallsanitäter:

„Die Abläufe sind seit der Einführung des SMS-Briefings viel effizienter und beschränken sich aufs Wesentliche. Eine sinnvolle Übergabe bedeutet für uns im Rettungsdienst eine Zeitersparnis, unser Einsatz ist schneller abgeschlossen. Der einheitliche Ablauf macht vieles einfacher – gerade im Hinblick auf neue und junge Rettungssanitäter. Ein sehr angenehmer Nebeneffekt des Projekts: die gegenseitige Wertschätzung zwischen den Kollegen im Rettungsdienst und der Pflege ist sehr gestiegen. Uns allen wurde klarer, wir arbeiten alle am Patienten und möchten eigentlich nur eins: das Wohl des Patienten!“

 

 

 Foto 1:

Patient, Pflegepersonal und Rettungssanitäter mit den Gesprächspartnern der Pressekonferenz: Andreas Enne, MA MBA (4.v.li.), Dir. Dr. Gerald Fleisch (5.v.li.), Elke Kovatsch, MSc (6.v.li.) und Dir. Roland Gozzi (7.v.li.).

Foto 2:

Patientenübergabe im Ambulanzraum des LKH Bregenz.

 

 

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