27.11.2017 12:50

Die Nachbarsanitäter des Roten Kreuzes: Rasche Qualität am Patienten!

Seit Anfang September hat das Rote Kreuz Vorarlberg so genannte „Nachbarsanitäter“ (NaSan), das sind professionell ausgebildete und rezertifizierte Sanitäter, im städtischen Gebiet im Einsatz. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Land Vorarlberg und der Landeswarnzentrale Vorarlberg wurde eine erste Bilanz gezogen.

Die Nachbarsanitäter des Roten Kreuzes: Rasche Qualität am Patienten!
Fotocredit: VLK/A.Serra

Die Nachbarsanitäter können sich über eine eigens eingerichtete App so anmelden bzw. melden, dass sie im Ernstfall von der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle (RFL) Vorarlberg zu Einsätzen in ihrer Umgebung disponiert werden können. Das Land Vorarlberg hat die Entwicklung der neuen App gerne unterstützt und übernahm zur Gänze die Finanzierung von rund 40.000 Euro. „Die Bevölkerung kann sich im Notfall auf rasche Hilfe verlassen, wenn durch gute Koordination Nachbarsanitäter in der Nähe prompt eingreifen können – jede Minute zählt“, betont Sicherheitslandesrat Erich Schwärzler.

 

Zur Idee des NaSan-Systems

Das Schlüsselerlebnis zum Projekt hatte Landesrettungskommandant Werner Meisinger, als er als Sanitäter zu einem Patienten gerufen wurde. Am Rückweg zum Einsatzfahrzeug kam ein Rotkreuz-Kollege aus der Nachbar-Wohnung. „Die Überraschung war groß, ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt nicht, dass mein Kollege dort wohnt. Er wäre binnen einer Minute vorort gewesen und hätte wertvolle Zeit überbrücken können“, erzählt Werner Meisinger. Eine Idee war geboren – und das NaSan-System hat inzwischen seine Berechtigung erwiesen! 

 

Wichtig: Qualität am zeitkritischen Patienten

Das NaSan-System kommt bei all jenen Patienten zur Anwendung, bei denen es um jede Sekunde geht – bei einer erforderlichen Reanimation, bei akuter Atemnot oder bei einer starken Blutung. Bis zum Eintreffen der alarmierten Rettungskräfte ist der NaSan mehrere Minuten auf sich alleine gestellt und setzt lebensnotwendige Erstmaßnahmen. „Deshalb ist für das Rote Kreuz Vorarlberg bei diesem System die Qualität am Patienten die oberste Prämisse“, erklärt der Landesrettungskommandant. Als Nachbarsanitäter sind ausschließlich Rettungs- und Notfallsanitäter im Einsatz, welche regelmäßig Rettungsdienste versehen und die vorgeschriebenen Rezertifizierungen im Rotkreuz-Bildungscenter ablegen. Ausgerüstet ist der NaSan mit seiner Rotkreuz-Jacke und einer Tasche mit lebenswichtigen Materialien wie Tubus, Beatmungsbeutel und diversen Utensilien zur Blutstillung. 

Unterschied: NaSan-System und First-Response-System

Die qualifizierten Nachbarsanitäter sind im urbanen und dicht besiedelten Gebiet im Einsatz. Dort sind zwar mehr Rettungsfahrzeuge vorhanden, doch auch das Fahrtenaufkommen ist höher. Das neue NaSan-System hat sich im städtischen Gebiet innerhalb kürzester Zeit bestens bewährt! Bereits vor 20 Jahren sorgte das Rote Kreuz Vorarlberg im ländlichen Raum vor, als das First-Response-System installiert wurde. Mittlerweile mehr als 50 der 96 Vorarlberger Gemeinden dürfen in Notfällen auf ihre First Responder zählen. Diese professionell ausgebildeten Helfer werden bei Nähe zum Einsatzort parallel zum organisierten Rettungsdienst von der RFL Vorarlberg alarmiert.

 

Erste Zahlen zum NaSan-System

Mit Stand Ende November sind rund 320 freiwillige Nachbarsanitäter in ganz Vorarlberg im Einsatz – darunter sowohl ehrenamtliche als auch hauptberufliche Rotkreuz-Rettungs- und Notfallsanitäter, welche außerhalb ihrer regulären Zeiten dazu bereit sind, zusätzlich Verantwortung zu übernehmen.Bis dato wurden über 100 Einsätze von NaSan im städtischen Gebiet getätigt, wobei die durchschnittliche Zeit von der Alarmierung durch die RFL bis zum Eintreffen am Einsatzort bei etwa 4:30 Minuten liegt.„Ein großer Dank an alle, die sich aktiv an unserem neuen NaSan-System beteiligen. Unser Ziel ist es, dieses gut funktionierende Rettungssystem weiter zu etablieren und kontinuierlich auszubauen“, erklärt Landesrettungskommandant Werner Meisinger. 

 

So funktioniert das neue Rettungssystem

Der NaSan hat die Möglichkeit, sich während der Arbeit oder in der Freizeit via Handy-App aktiv in den Dienst zu setzen, indem er die NaSan-App aktiviert. Das NaSan-System erkennt, welcher Nachbarsanitäter sich in der Nähe des Einsatzortes befindet und wird wie ein normales Rettungsmittel behandelt. Im Falle des notwendigen Einsatzes am zeitkritischen Patienten alarmiert die RFL Vorarlberg den Rettungstransportwagen. Zusätzlich bekommen alle in der Nähe des Einsatzortes befindlichen NaSan alle einsatzrelevanten Daten aufs Handy. Der/die NaSan nehmen innerhalb kurzer Zeit durch Klick aufs Handy den Einsatz an oder nicht. Über die App kann der NaSan verfolgen, welches Rettungsmittel geschickt wurde und welcher NaSan den Einsatz annimmt. Langjährige Zusammenarbeit mit der Landeswarnzentrale VorarlbergDer Rotkreuz-Landesverband Vorarlberg pflegt seit über 25 Jahren, seit der Inbetriebnahme der gemeinsamen Alarm- und Notrufzentrale, der RFL Vorarlberg, eine enge Zusammenarbeit mit der Landeswarnzentrale (LWZ) Vorarlberg. Das neueste Produkt einer langen Innovationskette ist die „Notfallsanitäter-App“ (NaSan-App), welche sich zu 100 Prozent in die bestehenden Gesamtabläufe integriert und somit zu einer nochmaligen Optimierung der Alarmabläufe beiträgt.Die Aufgabe der LWZ bestand darin, eine Ist-Analyse durchzuführen, ob der Markt über Apps mit dem notwendigen Leistungsumfang und standardisierte Schnittstellen zur Integration in die bestehenden komplexen Systeme der RFL verfügt. Die Entscheidung, für eine bereits in Entwicklung befindliche App für den Zweck des Projekts NaSan, lag rasch auf der Hand.In einem recht aufwändigen Spezifikationsprozess wurden mit den Entwicklern der Fa. Hexagon Safety & Infrastructure aus Wien, die ebenfalls vom Land beauftragte und noch in der Entwicklung stehende App „LIS Mobile“ in Synergie für die Anwendung „NaSan“ adaptiert. In verschiedenen Prozessen wurden viele Versionen getestet und Kinderkrankheiten beseitigt. Im Speziellen die Ortung der NaSan war eine der größten Herausforderungen, da sich hier vor allem die verschiedenen Endgeräte und Smartphone-Betriebssysteme (Android, iOS) der Nutzer bemerkbar machten. Die Ortung wird nun bei Bedarf durch das Einsatzleitsystem der Leitstelle direkt beim Endgerät (ohne eine Nutzerinteraktion) abgefragt und sekundenschnell im System verarbeitet. So kann für den Mitarbeiter der Leitstelle der schnellst verfügbare Nachbarsanitäter zu einem Patienten disponiert werden.„Aus Sicht der Landeswarnzentrale zeigt sich klar, eine gute Zusammenarbeit und eine optimale Synergien-Nutzung zwischen den verschiedenen Hilfs- und Rettungsorganisationen, dem Land Vorarlberg und der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle bringt sehr erfolgreiche Projekte im Sinne eines sicheren und lebenswerten Ländles zu tage“, sagt Philipp Bachmann, stellvertretender Fachbereichsleiter der Landeswarnzentrale.

 

 


Rotes Kreuz Vorarlberg – Zahlen, Daten, Fakten: 

2.000 ehrenamtliche Mitarbeiter, davon 800 aktiv als Rettungs- und Notfallsanitäter
200     hauptberufliche Mitarbeiter
200     Zivildiener pro Jahr im ganzen Land 


320     Nachbarsanitäter mit Stand Ende November 2017
>100  Einsätze von Nachbarsanitätern seit Inbetriebnahme Anfang September 2017
4:30    durchschnittliche Zeit von der Alarmierung des NaSan bis zum Eintreffen am Einsatzort

 
>50    First-Responder-Gruppen in Vorarlberg 


10       Personen haben im Jahr 2017 ihr Freiwilliges Sozialjahr oder Freiwilliges Integrationsjahr beim RK Vorarlberg begonnen 

 

Foto 1: 

V.li.n.re.: Sicherheitslandesrat Erich Schwärzler, Landesrettungskommandant Werner Meisinger, Stv. Fachberichsleiter der Landeswarnzentrale Philipp Bachmann.

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