28.10.2016 10:22

Wenn Helfer Hilfe brauchen - 15 Jahre Peers

Ein tödlicher Unfall auf Bahngleisen, ein schwerer Verkehrsunfall mit Kindern oder die Bergung Verunglückter nach Naturkatastrophen – Einsätze im Rettungsdienst und Krankentransport sind belastend. Um bei der Verarbeitung dieser Belastungen zu unterstützen, helfen die Peers.

Wenn Helfer Hilfe brauchen - 15 Jahre Peers

 

Seit mittlerweile 15 Jahren gibt es sie beim Wiener Roten Kreuz. Peers sind Personen aus derselben Bezugsgruppe, die Kolleginnen und Kollegen durch Gespräche helfen, belastende Einsätze und den damit verbundenen Stress zu bewältigen.  Mit einer entsprechenden Ausbildung, einem offenen Ohr und viel Empathie helfen Sie, in anonymen Gesprächen, bei der Aufarbeitung solcher Einsätze. Mitte Oktober fand im Landesverband Wien anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Peer-Systems eine Informationsveranstaltung statt, bei der zahlreiche Kolleginnen und Kollegen des Peer-Teams für überaus wertvolles Engagement geehrt wurden. Interessierte hatten die Möglichkeit mehr über den Einsatzbereich der Peers zu erfahren.

 

„Die psychische Gesundheit unserer MitarbeiterInnen nehmen wir sehr ernst. Vor allem im Rettungsdienst erlebt man oft Einsätze, die sehr belastend sein können. Daher ist es absolut notwendig, eine funktionierende psychosoziale Unterstützung anzubieten, die auch angenommen wird“, unterstreicht Alexander Lang, Landesgeschäftsleiter des Wiener Roten Kreuzes und betont, „die Wichtigkeit einer gelebten Kultur der gegenseitigen Fürsorge und Achtsamkeit. Diese Kultur wird durch die Arbeit der Peers ganz besonders gelebt.“

 

Mit viel Einfühlungsvermögen füreinander da sein

Der fachliche Leiter des Peer-Team, Cornel Binder-Krieglstein, weiß um die Fähigkeiten, die für die Peer-Tätigkeit erforderlich sind: „Kann ich und will ich mich auf den anderen einlassen? Interessiert mich, wie es dem anderen geht? Und bin ich in der Lage, die geschilderten Erlebnisse und damit verbundenen Gefühle anderer anzunehmen? – Wenn ich diese Fragen mit einem klaren Ja beantworten kann, dann erfülle ich einige der Voraussetzungen dafür, die Ausbildung zum Peer anzutreten.“

 

Vor fünfzehn Jahren war das Wiener Rote Kreuz eine der ersten Organisationen in Österreich, die das Peer-System einführte. Am Anfang stand ein Forschungsprojekt: Inhalt des Projektes war die Prävention psychosomatischer Erkrankungen bei Pflegepersonal und RettungsdienstmitarbeiterInnen. Ebenfalls seit fünfzehn Jahren Peer ist der  organisatorische Leiter des Peer-Teams Christian Dörner. Er weiß, dass die „psychosoziale Unterstützung mehr Prävention als Einsatznachsorge ist und dass sie bereits mit der Senkung der Verletzlichkeit für psychische Folgen nach extrem belastenden Einsätzen beginnt. Deshalb ist es so erfreulich, dass das Angebot der Peers bei den KollegInnen so gut angenommen wird.“ Auf die Zukunft des Peer-Teams angesprochen, äußert er folgenden Wunsch: „Unser Ziel ist es, die Zahl der Helfer die aus Angst und Sorge vor Stigmatisierung keine Hilfe und Unterstützung im Bedarfsfall suchen, weiter zu reduzieren.  In diesem Sinne hoffen wir, dass die derzeit aktiven Kolleginnen und Kollegen ihre Arbeit als Peers fortführen und ihre Erfahrung an neue Peers weitergeben können.“

 

Derzeit sind im Wiener Roten Kreuz 29 Kolleginnen und Kollegen aktiv als Peers im Einsatz. Die Peer-Hotline kann 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr, anonym in Anspruch genommen werden. 

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