12.05.2017 10:53

Potenzial im Schicksal

Durch persönliche Erfahrungen fand Sima N. ihren Weg in das Projekt Migrants Care. Im kleinen Rahmen erzählte sie uns von ihren Hürden und Zielen.

Potenzial im Schicksal

 

 

Aktuell sind in Österreich rund 25.400 MigrantInnen in Betreuungsberufen tätig. Das sind 27,6% der gesamten Fachkräfte in diesem Bereich. Beim Versuch, sich in dieses Berufsfeld einzubringen, sind oft fehlende Deutschkenntnisse hinderlich. Das Projekt Migrants Care hat sich dieses Themas angenommen.

 

Projekt Migrants Care

Das Projekt hat das Ziel, Menschen mit nicht deutscher Muttersprache umfassend über eine Ausbildung im Pflege- und Betreuungsbereich zu informieren. Des weiteren soll ein erster Schritt zur Qualifikation gemacht werden. Damit wird der erste Meilenstein zur Integration von MigrantInnen in den österreichischen Arbeitsmarkt gesetzt. Neben dem Besuch von Deutschkursen des Österreichischen Integrationsfonds, bekommen sie im Ausbildungszentrum des Wiener Roten Kreuzes einen Einblick in den Schwerpunkt Pflege. Mittels Schnupperpraktika, Gastbesuchen in den Berufsausbildungen, Bewerbungscoachings und Antirassismustrainings wird ihnen das Berufsfeld näher gebracht. Im letzten Jahr nahmen insgesamt 46 MigrantInnen in Wien dieses Ausbildungsangebot in Anspruch. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt kurz BAG (Österr. Rotes Kreuz, Hilfswerk Ö., Caritas Ö., Volkshilfe Ö., Diakonie) hat das Projekt beim B.M.E.I.A. eingereicht und es wird seitdem jährlich bewilligt. Mittlerweile konnte das Projekt auf die Steiermark aufgerollt werden.

 

 

Oft sind es persönliche Erfahrungen und Erlebnisse, die MigrantInnen in den Pflegebereich führen. Wir haben die 27- jährige Sima N. getroffen. Sie hat ihre Ausbildung bei Migrants Care im April 2017 erfolgreich abgeschlossen. Eindrucksvoll erzählte sie uns, weshalb sie sich für diesen Bereich entschied.

 

Simas Weg zur Pflegeassistenz

In Afghanistan studierte Sima N. Design. Schon damals hatte sie durch ihren Vater einen persönlichen Bezug zu Pflege und Betreuung. Nachdem er einen Herzinfarkt erlitten hatte, war sie lange Zeit für seine Pflege zuständig. Auf keinen Fall wollte sie ihn alleine lassen. „In Afghanistan gibt es keine Pflegeheime. Das ist ein familiäres Thema. Wenn jemand intensive Pflege benötigt, kümmern sich die Angehörigen um ihn. Aber keine fremden Menschen“, erzählte Sima. Sie verbrachte viel Zeit damit, sich um ihn zu kümmern und lernte die Probleme der älteren Generation sowie den Umgang mit ihnen kennen. Bis zu seinem letzten Tag blieb sie bei ihrem Vater.

 

2012 kam sie mit ihrer Mutter nach Österreich. Hier war eine Ausbildung im Pflegebereich das erste Mal eine Option für sie. Drei Jahre nach ihrer Ankunft in Wien entschied sie sich, das Projekt Migrants Care zu besuchen und die Erfahrungen mit ihrem Vater einzubringen. Nach einem intensiven Jahr des Deutschlernens begann sie 2016 ihre Ausbildung zur Pflegeassistentin und schloss sie im April 2017 erfolgreich ab.

 

Ziele und Hürden

Der Weg dahin war kein einfacher. Während der Abschlussprüfungen ihrer Ausbildung erlitt Simas Mutter einen Schlaganfall. Von da an war auch sie auf Pflege angewiesen. Es folgte eine Zeit, in welcher Sima sowohl die Ausbildung, als auch die Pflege ihrer Mutter vereinbaren musste. Aufgeben war jedoch zu keinem Zeitpunkt eine Option für sie: „Natürlich war es schwer. Aber ich hatte immer ein Ziel, für das ich geplant habe. Ich wollte diese Ausbildung abschließen. Und wenn man ein Ziel hat, dann schafft man es.“ Durch ihre Ausbildung war sie zudem in der Lage, die Symptome des Schlaganfalls ihrer Mutter frühzeitig zu erkennen und Hilfsmaßnahmen einzuleiten. Während dieser schweren Zeit waren ihre KollegInnen von Migrants Care eine wichtige Stütze für sie: „Manchmal habe ich meine Kollegen gebeten, mich einfach in den Arm zu nehmen. Ein bisschen Mitfühlen. Wir gehen alle anders mit Problemen um, aber wir alle haben ein Herz.“ Ihr Wille und die Unterstützung gaben ihr die Kraft, ihr Ziel zu erreichen.

 

Mittlerweile bewirbt sich Sima in Spitälern und wird in Kürze zur Studienberechtigungsprüfung antreten. Sie möchte entweder Sozialpädagogik oder Krankenpflege studieren, um in Zukunft kranke und demente Menschen zum Thema Gesundheit zu beraten. In jedem Fall weiß sie, dass die Entscheidung für den Pflegebereich die richtige war und sie diesen Weg weitergehen wird.

 

 

 

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