14.01.2018 13:10

In meiner Freizeit schneide ich Wohnungslosen die Haare, weil …

… Aussehen doch eine Rolle spielt.

In meiner Freizeit schneide ich Wohnungslosen die Haare, weil …
Desirée Gomes-Cavacanti

 

Manche behaupten, dass das Schneiden der Haare nur oberflächlich hilft – jedoch wirkt sich eine schöne Frisur direkt auf das Wohlbefinden von Menschen aus. Mit dem Wohlgefühl kommt das selbstbewusstere Auftreten. Mann/Frau wird weniger stigmatisiert oder abgestempelt.

 

Auch die soziale Komponente kommt bei dieser Tätigkeit nicht zu kurz – oft reden die Klientinnen und Klienten mit mir während des Haareschneidens über harte Schicksalsschläge oder prägende Erlebnisse und ich schenke ihnen ein offenes Ohr. Es ist nur etwas Kleines, bedeutet für diese Menschen aber sehr viel. Sie sind sehr dankbar, behandeln mich wie eine Lady und wollen sich revanchieren. Heute wurde mir zwei Mal die Hand geküsst.

 

Auf die Idee, Wohnungslosen die Haare zu schneiden, bin ich gekommen, als ich wegen meiner Ausbildung zur Sozialpädagogin neue Einblicke in diesen Arbeitsbereich gesucht habe. Dass Freiwillige zum Zeitunglesen oder Ausflüge machen gesucht werden, habe ich sehr oft gelesen. Aber ich wollte etwas machen, das nicht jeder kann. Da ich gelernte Friseurin bin, entschied ich mich, dieses Können für das Wohlbefinden von Wohnungslosen einzusetzen.

 

Neben dem Haareschneiden ist es mir wichtig, mit diesen Menschen respektvoll umzugehen und sie nicht zu verurteilen. Jeder kann einmal in eine Notlage geraten. Deshalb möchte ich jeden dazu auffordern, sich auch einzubringen. Nutzt eure Fähigkeiten und Talente: Es ist nie zu spät, etwas Neues auszuprobieren und ein bisschen etwas zurückzugeben. 

 

 

Desirée Gomes-Cavacanti

Mitarbeiterin im WRK-Projekt Visitas (Besuchsdienst)

 

 

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