17.01.2010 17:10

Seuchenprävention für die Opfer in Haiti

Rotkreuz-Mediziner Seebacher befürchtet den Anstieg der Kindersterblichkeit aufgrund von Durchfallerkrankungen im Katastrophengebiet.

Dr. Stefan Seebacher, Rotkreuz-Katastrophenmediziner

Dr. Stefan Seebacher ist Katastrophen- und Tropenmediziner des Roten Kreuzes. Er hat an der Johns Hopkins Universität Public Health studiert und hat langjährige internationale Einsatzerfahrung in Südost Asien, der Türkei und in Weißrussland.

 

„Am stärksten geht die Gefahr von einfachen Durchfallerkrankungen aus“, so fasst der Rotkreuz-Experte die Seuchengefahr nach dem dramatischen Erdbeben in Haiti zusammen, „und zwar hier besonders für Kinder.“

 

„Die medizinischen Prioritäten sind ganz klar: Zuerst müssen die Verschütteten gerettet werden, dann die Verletzten versorgt. Auch die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser und die Seuchenprävention sind in weiterer Folge notwendig“, so der Katastrophenmediziner weiter.

 

Die fehlende medizinische Grundversorgung ist nach Seebacher ein Grund, warum sich gerade Durchfälle so dramatisch auswirken können. Weitere Faktoren sind das fehlende Wissen um die Behandlung in der Bevölkerung und die höhere Frequenz an Durchfallerkrankungen aufgrund fehlender Hygienestandards nach Katastrophen.

 

„Hauptinfektionsquelle ist mit Fäkalkeimen versuchtes Wasser“, erklärt Dr. Seebacher. Da setzt auch die Hilfe des Roten Kreuzes auf diesem Gebiet an: „Durch Bereitstellung von sauberem Trinkwasser, die Errichtung von Latrinen, die Sicherung von Quellen oder das Hygiene-Training der Bevölkerung  können diese Gefahr reduzieren.“

 

Choleraerkrankungen erwartet der Rotkreuz-Arzt in Haiti nicht, allerdings gab es in früheren Jahren immer wieder Typhus-Erkrankungen, was in der derzeitigen Situation zu einer neuen Epidemie führen könnte.

 

Die immer wieder geäußerte Gefahr, die von Leichen für die Gesundheit ausgehen soll, weist Seebacher zurück: „Die Gefahr in einer Erdbebenkatastrophe für die Gesundheit geht von den Lebenden aus und nicht von den Toten.“

 

Originalfiles des Interviews mit Dr. Seebacher können sie downloaden.

 

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