29.10.2010 08:57

Jede vierte ältere Frau Opfer von Gewalt im sozialen Nahraum

Erstmals wurde Gewalt gegen ältere Frauen im sozialen Nahraum für Österreich repräsentativ erhoben. Fast jede vierte Frau über 60 war im letzten Jahr von Gewalt betroffen.

Wien (Forschungsinstitut des Roten Kreuzes) – Würde und Integrität eines jeden Menschen sind Grundwerte unserer Gesellschaft. Dieses Recht ist insbesondere bei älteren und hilfebedürftigen Menschen in Gefahr. Ältere Frauen sind im sozialen Nahraum – d. h. durch nahestehende Personen – verschiedenen Formen von Gewalt ausgesetzt. Da dies jedoch meist im Verborgenen passiert, ist sehr wenig darüber bekannt.


In Österreich wurde Gewalt gegen ältere Frauen nun erstmals für Österreich repräsentativ erhoben. Eine aktuelle Prävalenzstudie, die das Forschungsinstitut des Roten Kreuzes im Rahmen des EU-Forschungsprojekt „Abuse and Violence against Older Women“ (AVOW) erstellte, liefert repräsentative Daten über die Häufigkeit von Gewaltvorkommnissen, TäterInnen, Risikofaktoren und Folgen.

Fast jede vierte Frau über 60 Jahre betroffen – Emotionale Gewalt am häufigsten

In Österreich erlebte fast etwa jede vierte ältere Frau (23,8 %) in den letzten 12 Monaten eine Form von Gewalt im sozialen Nahraum (Gesamtprävalenzrate).

Da Gewalt in verschiedenen Formen vorkommt, unterscheidet die Gewaltforschung zwischen körperlicher, psychischer/emotionaler, sexueller Gewalt, finanzieller Ausbeutung und Vernach¬lässigung sowie der Verletzung der Persönlichkeitsrechte.

Etwa jede fünfte Frau über 60 Jahre (19,3 %) war im vergangenen Jahr Opfer psychischer Gewalt, etwa durch Anschreien oder Beleidigungen. 6,1 % wurden vernachlässigt, 4,7 % finanziell ausgebeutet und bei 3,5 % wurden in ihren persönliche Rechten eingeschränkt. 2,1 % haben sexuelle und 0,5 % haben körperliche Gewalt erfahren.

4,5 % aller älteren Frauen Opfer von massiven Gewaltformen

Gewalt kann sowohl nach der Häufigkeit des Auftretens als auch nach dem Ausmaß der Übergriffe differenziert werden. 4,5 % der älteren Frauen sind einem hohen Gewaltausmaß ausgesetzt, d.h. sie haben im letzten Jahr oft oder sehr oft mehrere Gewaltformen gleichzeitig erleiden müssen. Bei 13,4 % liegt ein mittleres Gewaltausmaß vor, das bedeutet das seltene Vorkommen verschiedener Gewaltformen bzw. das häufige oder sehr häufige Erleben einer einzigen Form von Gewalt. 6,9 % aller älteren Österreicherinnen haben selten eine Form von Gewalt erlebt, 76,2 % waren nie Opfer von Gewalt.

Gewalterlebnis wird oft verschwiegen

Nicht einmal die Hälfte der betroffenen Frauen (45,2 %) hat mit jemanden über den Vorfall gesprochen bzw. darüber berichtet. Jene Frauen, die das Gewalterlebnis für sich behielten, bewerteten es als „zu unbedeutend“ (78,3 %), andere wollten „niemanden hineinziehen“ (44,3 %) oder dachten, dass „niemand etwas unternehmen wird können“ (36,2 %).


Wien, 29.10. 2010

 

Rückfragehinweis:

Forschungsinstitut des Roten Kreuzes

Mag. Gert Lang, Projektleitung

Tel.: 01 / 79 580 – 3425

www.wrk.at/forschungsinstitut

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