15.04.2013 14:41

Jordanien: Hilfe kommt aus dem Bankomaten

Über ein neues Hilfsprogramm des Roten Kreuzes für syrische Flüchtlinge in Jordanien.

Jordanien: Hilfe kommt aus dem Bankomaten

Mohammed ist vor kurzem in Ajloun, 76 Kilometer nordwestlich von Amman gelegen, mit seinen sechs Kindern angekommen. Der 33-Jährige verließ das Flüchtlingslager Zaatari, da seine Kinder die eisigen Temperauren des dortigen Winters nicht mehr ertragen konnten.

 

 

Wir trafen Mohammed an einem Mittwochvormittag in einer Bezirksstelle des Jordanischen Roten Halbmonds (JRH) – der Schwesternorganisation des Österreichischen Roten Kreuzes – in Ajloun. Eine kleine Gruppe von Flüchtlingen hat sich bereits im Eingangsbereich versammelt, wissen sie doch, dass sie hier Hilfe bekommen werden.

 

„Ich bin hier hergekommen um meine Bankomat-Karte abzuholen“, sagt Mohammed, „ich weiß zwar noch nicht wie das System funktioniert, aber ich bin schon sehr gespannt darauf es endlich zu lernen um meiner Frau und meinen sechs Kindern zu helfen. Mit der Karte können wir dann Geld abheben um unsere Miete zu bezahlen. Der Rote Halbmond hilft meiner Familie und allen anderen Menschen hier.“

 
Vorzeigeprojekt des Roten Kreuzes

Gemeinsam mit einer lokalen jordanischen Bank führt das Rote Kreuz diese Hilfsaktion durch. Dabei wird Notleidenden in einer Dauer von drei Monaten finanziell unter die Arme gegriffen, damit diese ihre Mieten bezahlen und Essen kaufen können. Monatlich wird dafür ein gewisser Betrag auf die Bankomat-Karte überwiesen.

 

Um an diesem Programm teilnehmen zu können, muss man als syrischer Flüchtling registriert sein. Den Leuten, die Hilfe am meisten benötigen werden zuerst versorgt. Außerdem können an dem Programm nur Menschen teilnehmen, die nicht auch schon bei einem ähnlichen Projekt dabei sind. Allein in Ajloun profitieren 256 Menschen von der Bankomat-Karte. Geleitet und durchgeführt wird das Projekt vom Jordanischen Roten Halbmond. Von der Registrierung bis zur Auszahlung läuft alles über die Hilfsorganisation. Sobald Flüchtlinge die Teilnahme an dem Programm unterschrieben haben, werden sie von freiwilligen Mitarbeitern des JRH eingeschult, wie die Karte richtig verwendet wird.

 

„Das Projekt ist eine win-win-Situation“, sagt Mohammad Al-Hadid, der Präsident des Jordanischen Roten Halbmondes. „Durch dieses System bewahren nämlich die syrischen Flüchtlinge ihre Würde und die jordanischen Landbesitzer bekommen weiterhin Miete bezahlt.“

 
Ökonomische und soziale Folgen der Syrienkrise

„Die Syrische Krise wurde mittlerweile zu einer internationalen Krise. Dadurch müssen internationale Organisationen mit den ökonomischen, sozialen und sicherheitstechnischen Folgen auseinandersetzen“, sagt Al-Hadid. „Die Jordanier werden jedenfalls weiterhin ihre syrischen Mitmenschen empfangen und unterstützen.“

 

Als Freiwillige kümmert sich Rita an den Frontlinien um syrische Flüchtlinge. „Es ist toll Teil dieses Projektes zu sein. Ich kann oft die Dankbarkeit für die Hilfe in den Gesichtern der Menschen sehen.“

 

Eine ältere Dame, die gerade eingeschult wird, wie die Bankomat-Karte verwendet werden kann, fügt an: „Ich bin eine alleinerziehende Mutter; ich bin für jede Hilfe dankbar. Speziell dieses Projekt wird mir helfen meine monatlichen Ausgaben besser kontrollieren zu können.“

 
Hilfe für Flüchtlinge mit österreichischer Unterstützung

 

Der Fokus der Arbeit der Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung liegt derzeit auf der Versorgung der syrischen Flüchtlinge in Notunterkünften. Die Einführung des Projektes, das die Ausgabe der Bankomat-Karten umfasst wurde vom Schweizerische Roten Kreuz in Kooperation mit dem Jordanischen Roten Halbmondes organisiert und wird vom Österreichischen Roten Kreuz kofinanziert. Auch die nationalen Rotkreuz-Gesellschaften aus Großbritannien, Japan und der USA waren an der Umsetzung beteiligt.

 

„Für das Rote Kreuz ist es wichtig in Krisensituation die wichtigsten Bedürfnisse der Betroffenen zu stillen. Das Projekt, bei dem die Flüchtlinge mit Bargeld unterstützt werden, ist sehr effektiv, da sie dann selbst anschaffen können, was sie am meisten brauchen“, sagt Nadine Weber, Rotkreuz-Delegierte in Amman.

 

Mohamed Babiker, Rotkreuz-Repräsentant der Golfregion, ist von der Offenherzigkeit der Bevölkerung von Ajloun begeistert: „Ich habe die Dankbarkeit der Leute gesehen, die fliehen mussten und hier aufgenommen wurden. Ich muss aber auch die Hingabe der freiwilligen Rotkreuz-und Rothalbmond Mitarbeiter loben, ohne die das Projekt nicht funktionieren könnte.“

 

Helfen Sie uns helfen!

Unterstützen Sie die Rotkreuz-Hilfe vor Ort mit Ihrer Spende: www.roteskreuz.at/syrien/spende

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