20.05.2014 10:31

Balkanfluten: "Die Zerstörung wird uns noch Jahre beschäftigen"

ÖRK-Katastrophenmanager Walter Hajek über die Prioritäten der Rotkreuz-Hilfe, überflutete Kraftwerke, zerstörte Lebensgrundlagen und tödliche Gefahren durch Landminen.

Balkanfluten: "Die Zerstörung wird uns noch Jahre beschäftigen"

Was sind die Prioritäten der österreichischen Rotkreuz-Hilfe?

 

Wir stehen in engem Kontakt mit den Rotkreuz-Gesellschaften in Serbien und Bosnien-Herzegowina. In beiden Ländern mussten tausende Menschen ihre Häuser verlassen. Ihre Versorgung mit Notfallmedizin, Lebensmitteln, Trinkwasser, Hygienegütern steht im Zentrum der Hilfe. Bisher wurden etwa 100.000 Personen evakuiert, bis zu 300.000 sind ohne Strom. Wir unterstützen unsere Schwesterngesellschaften mit finanziellen Mitteln, damit sie rasch die dringend benötigten Hilfsgüter vor Ort ankaufen und verteilen können.

 

Wie schaut die Rotkreuz-Hilfe in den betroffenen Gebieten aus?

 

Nach wie vor sind Evakuierungen zu bewältigen – auch in Kroatien vor allem entlang der Save. Neben der Versorgung der Menschen in den Notunterkünften laufen die Suche nach Vermissten und die Rettungsaktivitäten von in den Fluten Eingeschlossenen auf Hochtouren. Die Katastrophe hat bereits 44 Menschenleben gefordert.

 

Mit welchen Schwierigkeiten ist weiterhin zu rechnen?

 

Die Fluten haben die Energieversorgung teilweise zerstört. Serbiens Kohlekraftwerk Kostolac, das 20 Prozent des nationalen Gesamtbedarfs an Strom erzeugt, droht die Überflutung. In weiten Teilen der Länder sind die Land- und Viehwirtschaft zerstört, damit fehlt tausenden Menschen die Lebensgrundlage.

Die steigenden Temperaturen bringen für die geschwächten Menschen gesundheitliche Gefahren – die Versorgung mit Trinkwasser und medizinischer Versorgung wird täglich dringender.

 

Die Fluten drohen Landminen, die noch aus dem Bosnien-Krieg stammen, aus markierten Minenfeldern zu verschleppen.

 

Das ist vor allem in Bosnien eine tödliche Gefahr – dort liegen noch tausende Minen, die jederzeit explodieren können. Das Wasser reißt sie mit und spült sie irgendwo an. Sie werden bei den Aufräumarbeiten eine erhebliche Gefahr darstellen. Jeder, der sein Grundstück, sein Haus vom Schlamm befreit, könnte dabei auf eine Mine stoßen.

 

Ist schon absehbar wie lange die betroffenen Gebiete Hilfe brauchen werden?

 

Der Zugang zu den betroffenen Gebieten wird noch über Wochen ganz schwierig sein. Die Zerstörung und ihre Folgen für die Lebensgrundlage der Menschen wird das Hilfsnetzwerk des Roten Kreuzes noch Monate oder gar Jahre beschäftigen.

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