04.11.2014 09:15

Mut und Möglichkeit: Heinrich Treichl (1913-2014)

Ein Nachruf auf Dr. Heinrich Treichl

Mut und Möglichkeit: Heinrich Treichl (1913-2014)

Gut 150 Jahre lang veröffentlichte der 1843 gegründete Economist keine Nachrufe. Das Magazin rückt, nicht ohne Stolz, Sachfragen und nicht Personen ins Zentrum seiner Berichterstattung. Noch heute sucht man unter den Beiträgen vergeblich nach den Namen von Redakteuren. Noch heute verweigert sich das liberale Blatt, trotz der mittlerweile berühmten Obituaries am Schluss jedes Heftes, dem Personenkult.

 

Es kann kein Zufall sein, dass der Economist bis zuletzt die bevorzugte Magazinlektüre Heinrich Treichls war. Auch als Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes hat er die Unterbewertung seiner Person zum Programm erhoben. Oft zum Leidwesen der Marketing-Verantwortlichen. Denn natürlich sind die Botschaften einer Organisation personalisiert – also über eine konkrete Person, die ihnen ein Gesicht verleiht – weit einfacher an die Medien zu bringen.


Doch was zählte, waren nicht Personen. Sondern immer nur ihr Werk.

 

In den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts führte das Österreichische Rote Kreuz zum ersten Mal in seiner Geschichte eine öffentliche Kampagne durch. Ihr Ziel war es, Herstellung, Verkauf und Einsatz von Anti-Personen-Minen in Österreich zu verbieten. Die Rechtsabteilung verfasste einen Gesetzesentwurf. Zwei Jahre später war Österreich das erste Land der Welt, das auf der Grundlage des Rotkreuz-Entwurfs Anti-Personen-Minen per Bundesgesetz ächtete. Das österreichische Gesetz bildete auch die Grundlage für das „Ottawa-Abkommen“, das diese Waffen seit 1997 international verbietet. Heinrich Treichl reihte das Minen-Verbot stets unter die drei wichtigsten Errungenschaften seiner 25-Jährigen Rotkreuz-Präsidentschaft. Nie vergaß er hinzuzufügen: „Ich kann das deswegen mit großem Stolz sagen, weil ich selber dabei nur eine sehr geringe Rolle gespielt habe.“

 

Denn was zählte, war das Werk.

 

In Wahrheit war er nicht nur laufend bis ins Detail informiert. Er ließ nicht nur seine Kontakte spielen und verhinderte mehrmals mit einem simplen Telefonanruf das Scheitern der Kampagne. Im Grunde hat er sie überhaupt erst ermöglicht. Denn ein Rotes Kreuz, das agierte und teils agitierte wie Greenpeace, das Medien und Öffentlichkeit mobilisierte, Unterschriften sammelte, Politiker lobbyierte – das verstörte nicht wenige Mitarbeiter und Mitglieder. Das war noch in den neunziger Jahren ein Kulturbruch für eine Organisation, die sich der Ersten Hilfe verschrieben hatte, erst nachdem etwas passiert war. Heinrich Treichl focht das nicht an. Die entscheidende Diskussion mit einer skeptischen Rotkreuz-Führung vor dem Kampagnenstart kürzte er mit einem charakteristischen Treichl-Bonmot ab: „Fehlen uns die Möglichkeiten? Oder fehlt uns bloß der Mut?“ Niemand drängte sich vor, um diese Frage im Detail zu erörtern. Die Kampagne konnte anlaufen.

 

Über das Rote Kreuz wisse er nichts, bekannte Heinrich Treichl vor seinem Amtsantritt. Dabei hatte er die Vorzüge der Organisation lange vor dem Tag im Herbst 1973 kennengelernt, an dem ihn der Industrielle Hans Lauda über seinen bevorstehenden Rücktritt als Rotkreuz-Präsident informierte und fragte: „Warum machst du das nicht?“ In der Kriegsgefangenschaft hatten ihn Delegierte des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) besucht und registriert. Während des Ungarnaufstands 1956 hatte seine Frau Helga für das Rote Kreuz Flüchtlinge untergebracht und betreut. Mitte der sechziger Jahre nahm er anlässlich der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondkonferenz in Wien an einem Abendessen teil und saß neben Fürstin Gracia von Monaco, der Präsidentin des monegassischen Roten Kreuzes: „Das war höchst angenehm. Aber wirklich nicht sehr instruktiv!“ Alles Understatement. „Man muss das, was man tun will, zuerst durchdenken und geistig durcharbeiten. Dann ist der Rest eine Formsache.“ Auch als Rotkreuz-Präsident folgte er dieser Maxime.

 

Er hat das Rote Kreuz dann auch rasch besser kennen und schätzen gelernt – und das Rote Kreuz ihn. Die Aufrechterhaltung seiner Unabhängigkeit – vor allem vor politischer Vereinnahmung – bedeutet auch für die Organisation in erster Linie: finanzielle Unabhängigkeit. Dazu nützte dem Roten Kreuz Heinrich Treichls wirtschaftliche Erfahrung. Umgekehrt fügte sich die Doktrin der Organisation gut in das Weltbild ihres neuen Präsidenten. Weltanschaulich hat sich Heinrich Treichl als „Liberaler im klassischen angelsächsischen Sinn“ verortet, gelegentlich als „militanter Liberaler“. Mit dem Hajekschen Bekenntnis zur Freiheit der Wirtschaft untrennbar verknüpft war seine Überzeugung, dass der einzelne Bürger einem humanistischen Normen- und Wertesystem verpflichtet sei, in dem der Starke selbstverständlich dem Schwachen hilft.

 

Heinrich Treichl sehnte eine zivilgesellschaftliche Gesinnung wie in den USA herbei, wo vermögende Philanthropen Krankenhäuser, Forschungsstiftungen zur Bekämpfung von Krankheiten und Hospize errichteten. Während, wie er sagte, „Österreichs Reiche mit lächerlichen Almosen davonkommen.“ Die Gewinner müssten etwas zurückgeben, fand er. Vermögende müssten sich guten Gewissens drei einfachen Fragen stellen können: „Wo hat er sein Geld her? Was macht er damit? Und wie behandelt er Menschen, die keines haben?“ Drei Fragen, deren Wurzeln wiederum im Humanismus der Aufklärung zu finden sind: Reichtum wird erst dann moralisch und sozial verträglich, wenn diejenigen, die mehr besitzen als zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse nötig ist, mit ihm auch das Gemeinwohl fördern. Für Heinrich Treichl funktionierte diese Kernklausel in der angloamerikanischen Welt weit besser als bei uns, „bis hin zu Finanzministern“, wie er selten hinzuzufügen vergaß.

 

In Heinrich Treichls Zivilgesellschaft übernehmen engagierte Bürgerinnen und Bürger den Dienst an Schwachen und Benachteiligten, im Falle des Roten Kreuzes auch an Verletzten, Kranken und Pflegebedürftigen. Als Rotkreuz-Präsident hat er daher – erfolgreich – alles unternommen, um die Anzahl der freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ständig zu erhöhen, denn: „Ohne Freiwilligkeit sind wir nicht mehr das Rote Kreuz.“ Die – auch wirtschaftliche – Unabhängigkeit der Organisation trieb er voran, sie erfüllte ihn mit Stolz. Kaum einmal blieb die Anekdote um den Besuch der ehemaligen Gesundheitsministerin Lore Hostasch aus Anlass der Eröffnung der umgebauten Rotkreuz-Blutbank unerzählt. Wie viel der dafür eingesetzten Mittel in der Höhe von über 400 Millionen Schilling von der öffentlichen Hand stamme, fragte Heinrich Treichl die Ministerin, um ihr mit großer Genugtuung die Antwort abzunehmen: „Null. Nicht ein Groschen!“ Dass Privatpersonen während der Balkankriege für „Nachbar in Not“ (gegründet von Österreichischem Roten Kreuz und der Caritas) mehr spendeten als ganze Staaten für die humanitäre Hilfe bereitstellten, empfand er als Triumph.

 

Gleichzeitig wusste er, dass Spenden und die humanitäre Hilfe, die sie ermöglichten, nur die zweitbeste Lösung für die Kriegsopfer waren. Dass niemand etwas unternahm, um den Krieg im ehemaligen Jugoslawien zu beenden, erbitterte ihn. Für Heinrich Treichl war das nicht nur eine völkerrechtliche, sondern auch eine ethische Frage: „Wie weit darf man eingreifen, wenn der Nachbar etwas macht, das den allgemeinen Rechtsgrundsätzen widerspricht? Unterlassene Hilfeleistung im Straßenverkehr ist bereits ein Delikt. Im Völkerrecht ist nicht einmal Hilfeleistung gegen den Willen des anderen erlaubt.“ Heinrich Treichls Schlussfolgerung: „Das Interventionsrecht harrt einer völkerrechtlich verbindlichen Regelung.“ Er erlebte am Ende seiner Rotkreuz-Präsidentschaft zumindest eine unverbindliche völkerrechtliche Regelung: Im März 1999 beendeten NATO-Bomber die Menschenrechtsverletzungen der Ordnungskräfte der Bundesrepublik Jugoslawien im Kosovo.

 

Mit seinem Bekenntnis zur so genannten „militärisch-humanitären Intervention“ befand sich Heinrich Treichl in angesehener, aber für einen Liberalen wunderlichen Gesellschaft. Ihr Vordenker war der amerikanische Linksintellektuelle Noam Chomsky. Der spanische Widerstandskämpfer gegen Franco und Sozialist Javier Solana war zur Zeit der Kosovo-Intervention NATO-Generalsekretär. Der deutsche Bankierssohn Tom Koenigs, der sein Vermögen an den Vietcong verschenkt hatte, betrieb als Grüner Bundestagsabgeordneter die Teilnahme der Deutschen Bundeswehr an den Militärschlägen. Der ehemalige Pariser Demonstrant Sergio Vieira de Mello war Sonderbotschafter des UN-Generalsekretärs im Kosovo. Dan Everts, Ende der sechziger Jahre ebenfalls auf den Pariser Barrikaden anzutreffen, war OSZE-Missionschef. Bernard Kouchner, ehemaliger französischer Außenminister und Gründer von „Ärzte ohne Grenzen“, beaufsichtigte das Kosovo von 1999 bis 2001 als Repräsentant der Vereinten Nationen.

 

Der Militärschlag gegen die Bundesrepublik Jugoslawien im Jahr 1999, das war der Krieg der 68er. Seltsam auf den ersten Blick, dass sich Heinrich Treichl in ein- und demselben Boot mit seinen ideologischen Widersachern fand. Nicht mehr so seltsam auf den zweiten Blick. The Pursuit of Reason – wieder so ein Zufall – lautet der Titel eines Buches, das die ersten 150 Jahre der Geschichte des Economist nachzeichnet. Heinrich Treichl zeigte bei seinem persönlichen pursuit of reason keinerlei Hemmungen, weltanschauliche Grenzen zu durchstoßen. Was zählte, war das Werk. Auch Heinrich Treichl war ein Intellektueller. Nur zählte er zu der in Österreich aus dem öffentlichen Diskurs verschämt verräumten Spezies der Rechtsintellektuellen. Den Diskurs mit den in Österreich zulässigen Intellektuellen – jenen aus dem linken Spektrum – suchte er dennoch laufend, auch, indem er sie zu Diskussionen zu sich nach Hause einlud. Um nach einem jener Abende – in diesem Fall mit dem Schriftsteller Robert Menasse – wieder einmal zu beklagen: „They are barking up the wrong tree!“

 

Das Rote Kreuz führt bis heute 85% des Rettungs- und Sanitätsdienstes in Österreich durch. Die Erkenntnis, dass man nicht den Notfallpatienten zum Arzt, sondern den Arzt zum Notfallpatienten bringen soll, entwickelte sich zu Beginn der neunziger Jahre gerade zum Mantra der Notfallmedizin. Heinrich Treichl kann für sich in Anspruch nehmen, der Urheber des flächendeckenden Notarzt-Dienstes in Österreich gewesen zu sein. Viele andere Themen seiner Präsidentschaft – wie die Finanzierung des Rettungs- und Sanitätsdienstes oder der zunehmende Pflege- und Betreuungsbedarf vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung – haben bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. Andere sind noch akuter geworden, wie die Frage: Sollen Dienstleistungen der Daseinsvorsorge in öffentlicher – oder zumindest gemeinnütziger – Hand bleiben? Oder soll man sie für kommerzielle, gewinnorientierte Anbieter öffnen?

 

Heinrich Treichl hat den Wettbewerb immer „für ein konstitutives Element unserer Gesellschaft“ gehalten. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Wettbewerbsteilnehmer schon mit gleich langen Stangen kämpfen müssten: „Dazu muss man Gleiches mit Gleichem vergleichen“, und nicht nur die Rosinen aus dem Kuchen picken. Auch kommerzielle Retter müssten in der Lage sein, Großeinsätze und Katastrophen zu bewältigen – hätten sie ohne Freiwillige das Personal dazu? Auch profitorientierte Bluthändler müssten Blutkonserven aller Bluteigenschaften rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr liefern können. Selbst, wenn es natürlich wirtschaftlicher wäre, nur die gängigsten Produkte von Montag bis Freitag von 8:00 bis 16:00 Uhr vorzuhalten, und den Rest dem Staat oder dem gemeinnützigen Roten Kreuz zu überlassen. Rettung und Blutversorgung sind keine Fälle für Billigstbieter. Selbst die EU hat das inzwischen anerkannt. Im Januar 2014 hat sie zumindest gegenüber der Notfallrettung einen „Gemeinnützigkeitsvorbehalt“ eingeräumt und sie damit als das anerkannt, was sie de facto ist: Eine Leistung der Daseinsvorsorge, die nicht vollinhaltlich dem Vergaberecht unterworfen werden kann.

 

In die Präsidentschaft Heinrich Treichls fiel auch die Entstigmatisierung des Zivildienstes. 1974 fällte das Rote Kreuz den Beschluss, Zivildiener in seine Reihen aufzunehmen. „Es galt dabei Vorbehalte zu überwinden. Auch in uns selbst“, kommentierte der Rotkreuz-Präsident, der als Wehrmachtsoffizier den Frankreich- und Russlandfeldzug miterlebt hatte, anlässlich der Hauptversammlung ein Jahr später. Inzwischen sind Zivildiener von den Drückebergern der Nation längst zu einer wichtigen Säule des Gesundheits- und Sozialwesens avanciert, auch im Roten Kreuz. Nicht wenige von ihnen sind Heinrich Treichl persönlich begegnet und haben, während sie ihn durch die Bundeshauptstadt zu Terminen oder Pressekonferenzen chauffierten, im Schweiße ihres Angesichts wieder und wieder ihre Matura absolviert: Rilke, Schnitzler, Hofmannsthal. Ringstraßen-Architektur. Wehe, man konnte den Architekten der Votivkirche nicht benennen – und den Anlass, aus dem sie erbaut wurde. Die Bitte eines ehemaligen Zivildieners, als „staff on loan“ an den Hauptsitz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) nach Genf entsendet zu werden (das bedeutet, dass das Österreichische Rote Kreuz weiterhin sein Gehalt bezahlt), unterstützte er mit dem trockenen Kommentar: „Na, besser als ,loan on staff´.“

 

Zum Schwitzen und gelegentlich zum Erröten brachte Heinrich Treichl auch Journalisten. Im Zuge der Anti-Personen-Minen-Kampagne fragte ihn ein Redakteur des Ö1-Morgenjournals, wer denn solche Waffen überhaupt kaufe. Antwort Heinrich Treichl, live im Studio: „Na, wer wird die wohl kaufen? Die unbeschuhten Karmelitinnen werden die nicht kaufen!“ Als er anlässlich einer gut besuchten Pressekonferenz einen Journalisten, der sich mit Handzeichen bemerkbar zu machen versuchte, nicht erkannte, meinte er: „Ich sehe eine Hand und keinen Kopf dazu. Das erinnert mich ans Dritte Reich!“ Um eine Zurechtweisung mittels einer geschliffenen Bemerkung war er nie verlegen. Bei einer Veranstaltung kommentierte er die Worte des Redners: „Ich bin zwar nicht 70, wie der Herr Doktor behauptet, sondern erst 67. Aber ich nehme gern zur Kenntnis, dass erstklassige Werte über pari gehandelt werden.“

 

Als einen über pari zu handelnden Wert sah er auch die Mitarbeit im Roten Kreuz an. „Ich habe menschlich sehr viel mehr bekommen als gegeben“, sagte er 1999, am Ende seiner Präsidentschaft. „Ich scheide mit großer Dankbarkeit.“ Dass dem Roten Kreuz keine sorgenfreie Zukunft beschieden sein würde, war ihm klar. Ebenso wie die Tatsache, dass Gefahren nicht bloß von außerhalb drohten. Heinrich Treichl hat mit Nachdruck dazu beigetragen, dass die Fliehkräfte innerhalb der analog zum bundesstaatlichen Aufbau Österreichs gegliederten Organisation heute wesentlich schwächer sind als noch zu Beginn seiner Präsidentschaft. Während etwa die Feuerwehren wirklich über örtliche Organisationen verfügen, ist das Österreichische Rote Kreuz trotz seiner föderalen Struktur mit all seinen lokalen Dienststellen Teil eines weltumspannenden humanitären Netzwerks mit völkerrechtlichen Aufgaben. „Ich hatte manchmal den Eindruck“, so Heinrich Treichl, „dass diese elementare Wahrheit der einen oder anderen Bezirksstelle gelegentlich wieder mitgeteilt werden musste, um sie daran zu erinnern, dass sie weder Erfinder noch Gründer des Roten Kreuzes sei.“

 

In seinem letzten Interview als Rotkreuz-Präsident erklärte er: „Das Rote Kreuz tendiert – wie alle großen Organisationen – bis zu einem gewissen Grad dazu, in eingefahrenen Gleisen weiterzumachen. Man extrapoliert die Vergangenheit und glaubt, so geht es weiter. Die Kontinuität ist zwar sehr wichtig. Aber es muss innerhalb solcher Organisationen auch Kräfte geben, die Veränderung und Innovation suchen.“

 

Es ist vor allem diese Haltung, die er uns hinterlassen hat: Nicht der Versuchung zu erliegen, im eigenen bürokratischen Rhythmus zu verharren. Sondern den Mut aufzubringen, neue Möglichkeiten zu suchen und sie zu nützen. Wäre die tägliche Arbeit im Roten Kreuz nicht so entsetzlich banal im Vergleich zu den Entscheidungen, denen sich sein Bruder gestellt hat, man möchte seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einige Worte Wolfgang Treichls ins Stammbuch schreiben. Von der Deutschen Wehrmacht desertiert, hatte er als britischer Soldat im Oktober 1944 mit knapp 30 Jahren den Tod gefunden. Besonders einen Vers aus einem Gedicht seines Bruders hat Heinrich Treichl immer wieder zitiert:

Aber lass der Jugend Träume fahren

Wenn der Ruf ertönt zum wahren Werke.

Trotze niemals mit den harten Jahren!

Nein, versuche deine Stärke

In den wachsenden Gefahren.

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