09.10.2012 16:47

Wien: Penny-Familien-Hilfsfonds zahlt Pflegeausbildung

Wien: Penny-Familien-Hilfsfonds zahlt Pflegeausbildung
In der "Individuellen Spontanhilfe" des Roten Kreuzes versucht Berater Imre Siska Frau R. dabei zu helfen, für sich und ihre Kinder eine bessere Perspektive zu schaffen.

"Ich will doch nur weiterleben"
Individuelle Spontanhilfe - Frau R.'s Geschichte

Die heute 36-jährige Frau R. arbeitete in ihrer Heimat Bolivien als Krankenschwester in einer Klinik. 2001 wurde sie im Krankenhaus Zeugin von schwerer Gewalt und Korruption. Frau R. behielt nicht für sich, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Das sollte sie bitter bezahlen. Immer wieder wurde sie und ihre Familie mit dem Tod bedroht, wurde auf der Straße angehalten und sogar von der Polizei vorgeladen. Immer beängstigendere Dinge gingen an ihrem Arbeitsplatz vor. "Irgendwann wurde ich überall gesucht", erzählt die Frau. Nachdem sie sich im eigenen Land monatelang versteckt hatte, beschloss sie mit ihrem damals zweijährigen Sohn und ihrem Mann zu fliehen.

Stationen der Angst

Verwandte der R. zahlten Schmiergeld um sie aus dem Land ausschleusen zu lassen, das bis dahin ihre Heimat war. In ihrer ersten Station - Frankreich - blieben sie wenige Tage. Danach ging es weiter nach Italien - wo sie zwei Wochen Zuflucht fanden. Schließlich landete die junge Familie in Österreich. Traumatisiert, ohne Sprachkenntnisse und ohne Unterstützung. 2003 reichten sie die Papiere ein um als politische Flüchtlinge anerkannt zu werden. "Damit begann ein Albtraum, den ich niemandem wünsche". Neun Jahre und viele bürokratische und menschliche Rückschläge später wurde dem Asylantrag stattgegeben. Inzwischen wurde ihr zweites Kind, ein heute sechsjähriges Mädchen, geboren. Die Belastungen und all die Sorgen haben die Familie zerstört. Die Liebe wurde von Sorgen aufgefressen, die R. haben die Scheidung eingereicht.

Wenn nichts mehr geht...

Momentan befindet sich Frau R. zwischen Kindererziehung, Scheidungsverfahren, Deutschkursen (die sie selber bezahlen muss), ihrer Ausbildung zur Pflegerin und all den Sorgen des Alltags. Nach 18 Monaten als Pflegehelferin bekommt sie rund 800 Euro vom AMS, 650 kostet allein die Miete. Wie sie ihre Kinder in den kommenden Wochen ernähren wird, weiß sie noch nicht. Der Pflegekurs ist teuer, aber Voraussetzung dafür, dass sie aus ihren finanziellen Problemen herauskommt. Denn erst nach dem Kurs wird ihr Diplom aus Bolivien auch in Österreich anerkannt. "Ich kann nicht schlafen, habe keinen Hunger und oft auch keine Nerven um mit meinen Kindern zum Spielplatz zu gehen", erzählt Frau R.. Zu sehr quält sie die Situation nicht zu wissen, wie es weitergehen wird. Aufgeben kommt für sie nicht in Frage, schließlich ist Österreich die einzige Heimat, die ihre Kinder kennen.

Fünf vor 12

Die individuelle Spontanhilfe ist ihre letzte Chance. Denn um ihre Ausbildung zu zahlen hat die zweifache Mutter ihr Konto überzogen, Mietrückstände waren die Folge. Die Lebenssituation wurde zuletzt so unsicher, dass sie sich an verschiedene Stellen wandte und um Hilfe bat. Lange ohne Erfolg. Interface Wien, eine Stelle, die Asylberechtigte bei ihrem Start in ein neues Leben begleitet, gab ihr den Tipp zur Individuellen Spontanhilfe des Roten Kreuzes zu gehen. Dort kann ihr nun auch geholfen werden. Mit dem Penny-Familien-Hilfsfonds wird ihre Pflegeausbildung bezahlt, zudem wird zur Überbrückung der Mietrückstand gedeckt. Auch Beratung bekommt sie vom Spontanhilfe-Team. Was sich Frau R. nun für die Zukunft wünscht? - "Dass ich meine Ausbildung abschließe, einen Job als Pflegerin finde und dann einfach weiterlebe".

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