3 Fragen an...den Italienischen RK-Präsidenten

Francesco Rocca, Präsident des Italienischen Roten Kreuzes.

Francesco Rocca, Präsident des Italienischen Roten Kreuzes und Vizepräsident der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften, kennt das Rote Kreuz wie seine Westentasche. Nach einer Karriere als Staatsanwalt, in der er sich gegen die süditalienische Mafia eingesetzt hat und sogar sechs Jahre lang unter Polizeischutz stand, kam er 1988 zum Roten Kreuz. Auslöser war der Flüchtlingsstrom aus Äthiopien, da die Menschen aus der Diktatur über das Meer nach Italien flohen. Rocca engagierte sich als Freiwilliger in der Flüchtlingsarbeit und bliebt der Organisation treu. Bis heute.

Wie reagiert Italien auf die Flüchtlinge?


Francesco Rocca:
Italien ist an Flüchtlinge gewohnt, ebenso die Hilfsorganisationen. Wir haben Erfahrung, es mangelt aber an Hilfe vor Ort. Die Äthiopischen Flüchtlinge, die in Italien ankommen, gibt es beispielsweise nicht mehr. Das Land hat in den vergangenen 15 Jahren in Bildung und Gesundheit investiert, die Menschen sind immer noch arm, aber sie haben Hoffnung. Heute sind die afrikanischen Flüchtlinge zum großen Teil aus Somalia und Eritrea - auch in diesen Ländern muss etwas geschehen, vor allem in punkto Aufklärung. Die Aufgabe vom Roten Kreuz ist es die Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen wollen, zu informieren. Erst wenn man über die Gefahren der Flucht und über das, was einen in Europa erwartet, Bescheid weiß, kann man sich frei entscheiden.

Wie hat Migration das Italienische Rote Kreuz verändert?

Rocca: Erstaunlicherweise engagieren sich seit der 'Flüchtlingskrise' noch mehr Menschen für das Rote Kreuz. Man spricht sogar vom Wunder von Sizilien. Das wirkt sich auch auf andere Bereich aus, wie beispielsweise nach dem schweren Erdbeben vergangenes Jahr. Gleichzeitig ist es schwierig die restliche Bevölkerung zu motivieren. Es herrscht bei vielen Skepsis und Angst.

Sie kandidieren für das Amt zum Präsident der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften. Was erwartet uns, wenn Sie der nächste Präsident werden?

Rocca:
Wir müssen darauf reagieren, dass sich die humanitäre Landschaft verändert. Es geht in der internationalen Hilfe in die Richtung, dass ohne Umwege mit kleinen lokalen Organisationen zusammengearbeitet wird. Das setzt aber voraus, dass wir auch lokal gut aufgestellt sind und die Kapazitäten vor Ort erhöhen. Auch Transparenz, Complience und Integrität spielen eine wichtige Rolle. Hier gilt es von Föderationsseite die einzelnen Nationalen Gesellschaften noch genauer im Auge zu behalten, damit wir alle die selben Standards erfüllen.

Italienisches Rotes Kreuz: Starke Freiwillige

2016 hat das Italienische RK weit über 181.436 Flüchtlinge betreut.
Daneben waren tausende RK-Freiwillige bei dem schweren Erdbeben in Mittelitalien im Einsatz.
Freiwillige in Italien sorgen dafür, dass Flüchtlinge betreut werden.
Dabei sind vier Regionen in die Arbeit miteingebunden.
Ein Großteil der Flüchtlinge heute kommt aus Somalia und Eritrea.
Die Freiwilligen im Italienischen RK tun alles, damit diesen Menschen geholfen wird.
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