Zur aktuellen Humanitären Lage und Humanitären Hilfe im Libanon (Stand: Sommer 2019)

Die humanitäre Krise im Libanon hat sich in den vergangenen Jahren auf Grund des Konflikts im benachbarten Syrien und in Folge eines enormen Zustroms durch syrische Flüchtlinge entwickelt. Heute befinden sich ca. 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge in dem Land, das ungefähr so groß ist wie der Kosovo oder die Bundesländer Salzburg und Burgenland zusammengenommen. Von diesen 1,5 Millionen Menschen waren per Ende Juli 2018 976.065 als Flüchtlinge von UNHCR registriert. Die Bekaa-Ebene beherbergt die größten syrischen Flüchtlingsgemeinden, mehr als ein Drittel aller syrischen Flüchtlinge haben hier Zuflucht gefunden. Aufgrund der No Camp-Politik der Regierung leben sie großteils in informellen Zeltlagern und sub-standard Unterkünften.


Ein Großteil lebt unter der Armutsgrenze. 10 Prozent der libanesischen Bevölkerung leben in extremer Armut. Der Prozentsatz der syrischen Flüchtlinge, die unter der Armutsgrenze leben, beträgt hingegen mit 75 Prozent ein Vielfaches davon. Der Bedarf von Flüchtlingen reicht quer durch die Sektoren von Trinkwasser über Gesundheitsversorgung und Nahrungsmittel bis hin zu Zugang zu Bildung. Besonders groß ist der Bedarf an Schutzmaßnahmen wie der Verhinderung von Vertreibungen aus Zeltlagern oder Vermeidung erzwungener Rückkehr nach Syrien. Eine der größten Herausforderungen für syrische Flüchtlinge bleibt die Ausstellung offizieller Dokumente, um Zugang zu grundlegenden Basisleistungen wie angemessener individueller Gesundheitsversorgung und zum Arbeitsmarkt zu erhalten.

Aufnahmekapazität stößt an Grenzen. Der Libanon beherbergt die meisten Flüchtlinge pro Person weltweit. Spannungen zwischen der libanesischen Bevölkerung und syrischen Flüchtlingen nehmen zu, je länger der Syrienkonflikt andauert. Trotz des hohen humanitären Bedarfs und der notwendigen Unterstützung der Aufnahmegesellschaft herrscht eine Müdigkeit in der Gebergemeinschaft, Hilfsmaßnahmen weiterhin in notwendiger Höhe zu unterstützen. Die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Syrienkonflikts ist in der internationalen Gemeinschaft, aber auch in Gesprächen mit Flüchtlingen und Libanesen deutlich zu spüren. Bis dahin brauchen Bedürftige überlebensnotwendige Unterstützung, um die Möglichkeit zu haben, nach dem Ende des Konflikts beim Wiederaufbau in Syrien mitzuwirken.


CASH-Projekte bieten Perspektive. Projekte zur Bargeldauszahlung an die bedürftigsten Flüchtlinge und die ärmste libanesische Aufnahmegesellschaft sind sehr gut geeignet, um die Effizienz humanitärer Unterstützung zu steigern und Eigenverantwortung der Flüchtlinge zu fördern. Syrer und Libanesen können sich damit individuelle Basisversorgung für sich und ihre Familien leisten. Diese Art der Hilfe unterstützt auch die freiwillige Investition in Bildung für Kinder, vor allem auch für Mädchen, um zumindest mittelfristig gute Lebensperspektiven aufbauen zu können.


Syrische Flüchtlinge und die Aufnahmegemeinde wissen selbst am besten, wie sie sich helfen können. Daher sollte jede humanitäre Unterstützung im Libanon auch Wahl- und Gestaltungsmöglichkeiten der von der Syrienkrise am meisten betroffenen Flüchtlinge ermöglichen: Den Menschen diese Gestaltungsmöglichkeit zu geben bedeutet, sie zu stärken und in ihren Talenten zu fördern, denn sie sind es letztlich, die nach dem Ende des Syrienkonflikts gefordert sind, ihre zerstörte Heimat wieder aufzubauen und zu Hause ihre Arbeit wiederaufzunehmen.

Impressionen aus Haouch Er Rafqa

Zu Besuch bei Familien vor Ort

Kinder leiden besonders unter Armut. Die bedingungslose Bargeldhilfe des Roten Kreuzes hilft, die größte Not zu lindern. Wir haben Familien getroffen, denen mit einem Geldbetrag geholfen wurde.

socialshareprivacy info icon