01.07.2008 13:42

Sri Lanka: Jüngster Bericht über die IKRK-Tätigkeit vor Ort

IKRK beklagt zivile Todesopfer

Sri Lanka: Jüngster Bericht über die IKRK-Tätigkeit vor Ort

Genf/Colombo (IKRK) – In verschiedenen Teilen Sri Lankas kam es in den letzten Monaten weiterhin zu Angriffen gegen Zivilisten. In den letzten drei Monaten wurden mindestens 80 Zivilisten bei unterschiedslosen Angriffen gegen öffentliche Transportmittel und auf überfüllten öffentlichen Plätzen getötet.

 

Die Spannungen im Zuge der Provinzwahlen haben die Lage im Osten des Landes verschlimmert. Dort wurden bei den Gewalttätigkeiten, die mit den Wahlen in Zusammenhang stehen, mehrere Menschen getötet, davon neun beim Bombenanschlag vom 9. Mai in Ampara.

 

Das IKRK erhielt weiterhin zahlreiche Berichte, wonach Zivilisten angeblich gezielt getötet, geschlagen, festgenommen und zum Verschwinden gebracht worden seien. Die Organisation erinnerte die Konfliktparteien daran, dass das humanitäre Völkerrecht Angriffe gegen Zivilisten verbietet und dass sie verpflichtet sind, alle erforderlichen Massnahmen zu treffen, um die Zivilbevölkerung jederzeit vor den Folgen des Konflikts zu schützen.

 

"Wir sind bestürzt über die zivilen Todesopfer", sagte Toon Vandenhove, Leiter der IKRK-Delegation in Colombo. "Wir rufen die, die für die jüngsten Angriffe verantwortlich sind, einmal mehr auf, die Zivilbevölkerung jederzeit zu achten."

 

Auch ein Mitarbeiter des Sri-Lankischen Roten Kreuzes, der Partnerorganisation des IKRK in Sri Lanka, wurde jüngst getötet. "Der Tod unseres Kollegen hat den Schmerz über uns gebracht, den so viele Menschen in diesem Land wegen der zunehmenden Gewalt erleiden", sagte Jagath Abeysinghe, der Präsident der Nationalen Rotkreuzgesellschaft.

 

In den fast 20 Jahren, in denen das IKRK schon in Sri Lanka tätig ist, sah es sich mehrfach gezwungen, seiner Besorgnis über die mangelnde Achtung der grundlegendsten Bestimmungen des humanitären Völkerrechts und die Folgen für die Zivilbevölkerung Ausdruck zu verleihen. Die Organisation legt ihre Besorgnisse regelmässig in vertraulichen Berichten dar, die es den Konfliktparteien übermittelt.

 

"Wir rufen die an den Kämpfen Beteiligten dringend auf, jederzeit zwischen den Zivilisten und den Personen zu unterscheiden, die unmittelbar an den bewaffneten Auseinandersetzungen beteiligt sind", sagte Ramin Mahnad, Rechtsberater des IKRK in Colombo. "Des Weiteren appellieren wir dringend an sie, die Personen, die nicht oder nicht mehr unmittelbar an den Kämpfen teilnehmen, zu verschonen. Die Bestimmungen des humanitären Völkerrechts über den Schutz der Zivilisten in nicht internationalen bewaffneten Konflikten sind klar. Die Parteien müssen ihre Anstrengungen verstärken, um sicherzustellen, dass diese Bestimmungen eingehalten werden."

 

Schutz der Zivilisten und der im Zusammenhang mit dem Konflikt festgenommenen Personen

Das IKRK überwachte weiterhin sonstige Verletzungen des humanitären Völkerrechts, die Folgen für die Zivilbevölkerung im ganzen Land haben. Es erörtert seine diesbezüglichen Feststellungen mit den Konfliktparteien.

 

In Zusammenarbeit mit Vertretern der Regierung und der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) besuchte das IKRK eine steigende Zahl von Personen, die im Zusammenhang mit dem Konflikt festgenommen wurden. Diese Besuche zielen darauf ab, die Behandlung der Gefangenen und die Gefangenschaftsbedingungen zu überwachen.

 

Im Mai führten die IKRK-Delegierten 85 Besuche in 59 Haftstätten durch. Dabei sahen sie mehr als 750 Sicherheitshäftlinge. Die Gespräche, die die Delegierten mit den einzelnen Gefangenen führten, fanden an Orten statt, die unter Kontrolle der Behörden standen.

 

Die IKRK-Delegierten führten ausserdem Gespräche ohne Beisein von Zeugen mit fünf Personen, die von der LTTE in der Region Vanni festgehalten wurden. Sie gaben Freizeitartikel, Kleidung und Körperpflegeartikel an die Gefangenen ab.

 

Ferner erhielten die Familien von über 300 Gefangenen finanzielle Unterstützung, damit sie ihre festgehaltenen Angehörigen besuchen konnten. Ferner erhielten mehr als 30 Freigelassene das Fahrgeld für ihre Heimreise.

 

IKRK als neutraler Vermittler am Übergang Omanthai

In seiner Eigenschaft als neutraler Vermittler stellt das IKRK Mitarbeiter zur Verfügung, die an sechs Tagen der Woche am Übergang Omanthai präsent sind. Diese Präsenz erleichtert den reibungslosen Transit von Zivilisten und Fahrzeugen zwischen Gebieten, die von der Regierung bzw. von der LTTE kontrolliert werden. Im Mai erleichterte das IKRK den Transit von mehr als 32 000 Zivilisten und von über 3 800 Fahrzeugen in beide Richtungen. In diesen Zahlen eingeschlossen sind 210 Ambulanzfahrzeuge und über 1 100 Patienten.

 

In den ersten fünf Monaten des Jahres erleichterte das IKRK die Überführung der sterblichen Überreste von 205 gefallenen Kämpfern der sri-lankischen Streitkräfte und der LTTE. Allein im Mai erleichterte das IKRK die Überführung von 51 Leichen gefallener Kämpfer. Das IKRK bringt die sterblichen Überreste in seiner Eigenschaft als neutraler Vermittler über den Übergang Omanthai, sobald beide Seiten der Überführung zugestimmt haben. Das IKRK hat die Kühlanlagen der Leichenaufbewahrungsräume in den Spitälern in Vavuniya und Anuradhapura verbessert, um die Aufbewahrung der Toten bis zur Überführung zu gewährleisten. Im Spital Padaviya sind Arbeiten zur Verbesserung der Kühlanlage des Leichenaufbewahrungsraums im Gange.

 

Wiederherstellung der Familienkontakte

 

Gemeinsam mit dem Sri-Lankischen Roten Kreuz hilft das IKRK Angehörigen, die durch den Konflikt von ihren Familien getrennt wurden, den Kontakt durch den Austausch von Rotkreuzbotschaften (kurze persönliche Nachrichten) wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten. Im Mai sammelte das IKRK mehr als 400 solcher Botschaften und überbrachte fast 290.

 

Sri-Lankisches Rotes Kreuz hilft vertriebenen Überschwemmungsopfern

 

Das Sri-Lankische Rote Kreuz verteilte mit Unterstützung der Rotkreuzgesellschaften anderer Länder und der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften Soforthilfe an Tausende, die Ende Mai ihre Häuser infolge der durch die schweren Monsunregen verursachten Überschwemmungen zurücklassen mussten. In den Bezirken Colombo, Galle, Kalutara und Gampaha wurden mehr als 16 000 gekochte Mahlzeiten und über 2 000 Flaschen Trinkwasser an Familien abgegeben.

 

Das Sri-Lankische Rote Kreuz verteilte ferner 300 Sets mit Hygieneartikeln, 200 Schlafmatten, 300 wichtige Haushaltsgüter und Rationen mit Trockennahrung an 200 Familien. Freiwillige des Roten Kreuzes leisteten erste Hilfe für Personen, die bei den Überschwemmungen verletzt wurden, und halfen bei der Evakuierung von Personen aus überfluteten Gebieten. Dabei wurden Kanus eingesetzt. Das Sri-Lankische Rote Kreuz will in den nächsten Tagen weitere gekochte Mahlzeiten, Rationen Trockennahrung und Wasser verteilen. Ferner will es temporäre Unterkünfte, sanitäre Anlagen und medizinische Hilfe bereitstellen.

 

Weitere Tätigkeiten des IKRK im Mai:

 

Verbesserung des Zugangs zur Gesundheitsversorgung
  • Im Rehabilitationszentrum Jaipur in Jaffna erhielten über 100 Patienten Prothesen, Gehhilfen und Rollstühle;
  • mehr als 90 Patienten, die einer spezialisierten medizinischen Behandlung bedurften, wurden in Begleitung von 65 Pflegepersonen an Bord von Flugzeugen, die das IKRK gechartert hatte, von Jaffna nach Colombo und zurück befördert. Etwa 30 Ärzte waren ebenfalls an Bord, die sich um die Patienten kümmerten oder zu einem Einsatz unterwegs waren. Das IKRK flog ausserdem Medikamente und Impfstoffe ein. Sie waren für die Gesundheitsstationen bestimmt, die dem Gesundheitsministerium unterstehen.
Unterstützung von Vertriebenen und Rückkehrern 
  • Distrikt Batticaloa: Das IKRK gab an mehr als  2 800 Vertriebene und 1 700 Rückkehrer Sets mit Hygiene- und Babyartikeln ab. Ausserdem wurden über 300 Moskitonetze für Erwachsene und Kinder verteilt. Ferner wurden 20 Boote bereitgestellt, um Fischern zu helfen, sich eine neue Existenz aufzubauen;
  • Distrikt Trincomalee: Über 4 000 Rückkehrer erhielten Sets mit Hygiene- und Babyartikeln;
  • Distrikt Kilinochchi: An etwa 1 500 Vertriebene wurden Sets mit Hygiene- und Babyartikeln abgegeben. Ferner wurden rund 130 Kits mit Gebrauchsgütern (Küchengerät, Schlafmatten, Bettlaken und Moskitonetze) verteilt. 100 Rückkehrer erhielten Fischernetze und Seile;
  • Distrikt Vavuniya: Das IKRK verteilte mehr als 27 000 kg Reissaatgut an über 600 Familien in fast 40 Dörfern;
  • Distrikt Jaffna: Etwa 125 Gastfamilien erhielten Sets mit Hygiene- und Babyartikeln.
Verbesserung der Lebensbedingungen und des Zugangs zu Wasser

 

  • Distrikt Batticaloa: In Kithul und Chenkalady West erhielten Rückkehrer nahezu 100 Kits mit Material zur Errichtung von Unterkünften. Im Hospital Karadiyanaru wurde ein Wassertank installiert;
  • ausserdem baute, reparierte oder verbesserte das IKRK in den Distrikten Ampara, Jaffna und Trincomalee Latrinen und Brunnen;
  • in den Distrikten Trincomalee und Kilinochchi/Mullaittivu wurde Material für Unterkünfte, darunter Bauholz, an Vertriebene und Rückkehrer verteilt. In den Bezirken Manthai West und Matitimepattu wurden neun Brunnen repariert oder gesäubert. Im Hospital Naddankandal in Manthai East wurde der Ausbau des Wasserverteilungssystems für eine neue Station beendet;
  • Distrikte Vavuniya und Mannar: In Kalimoddai stellte das IKRK für Vertriebene etwa 30 Unterkünfte für Familien, Vorrichtungen zur Müllentsorgung und sanitäre Anlagen bereit.
Förderung der Achtung des humanitären Völkerrechts
  • Um die Kenntnis und Achtung des humanitären Völkerrechts zu fördern führte das IKRK für etwa 1 200 Personen, darunter Zivilisten sowie Angehörige der Tamil People Liberation Tigers (TMVP) und der Sicherheitskräfte der Regierung, mehr als 20 Sitzungen über dieses Recht durch.
Unterstützung des Sri-Lankischen Roten Kreuzes
  • Das IKRK unterstützte das Sri-Lankische Rote Kreuz weiterhin bei der Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der Familienkontakte und bei der Verbreitung der Kenntnis über die Grundsätze der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung.
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