16.10.2008 13:05

16. Oktober – Welternährungstag: 923 Millionen Menschen leiden Hunger

Am 16. Oktober ist „Welternährungstag“, am 17. Oktober der „Internationale Tag für die Beseitigung der Armut“. Tage wie diese schaffen in reichen Staaten ein Bewusstsein, dass Wohlstand keine Selbstverständlichkeit ist. Tage des Hungers und Tage der Armut sind für viele Menschen allerdings andauernde Realität. 923 Millionen Menschen auf unserem Planeten müssen hungern. Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind unter zehn Jahren an Mangelernährung.

Anteshe Ganta musste nach dem Tod ihres Mannes die drei Kinder alleine ernähren;
Anteshe Ganta musste nach dem Tod ihres Mannes die drei Kinder alleine ernähren;
Euael Chuma ist zuversichtlich, bald ernten zu können
Euael Chuma ist zuversichtlich, bald ernten zu können

Wie in vielen anderen Ländern ist aufgrund der Wetterlage und der immensen Preissteigerung der vergangenen Monate die Situation in Äthiopien prekär – rund fünf Millionen Menschen haben in dem ostafrikanischen Land schwere Probleme, sich ausreichend mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Das Österreichische und das Äthiopische Rote Kreuz helfen in der Region Welayita. Das Projekt wird vom EU Amt für humanitäre Hilfe (ECHO) und der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) kofinanziert.

Nahu Senay ist äthiopischer Rotkreuz-Mitarbeiter. Er ist durch die Region gereist und hat mit Menschen gesprochen, die unmittelbar von der Lebensmittelknappheit betroffen sind - mit Menschen, die hungern und um ihre Existenz fürchten. Seine Erlebnisse hat Nahu Senay zu einer Reportage verarbeitet:

 „Bald kann ich wieder ernten“

Ihre Kinder hungern zu sehen ist für die anwesenden Frauen das schlimmste. Wie in jeder Katastrophe leiden die Schwächsten am meisten. Und wie in jeder Katastrophe gehören zu diesen Schwächsten die Kinder. Die Mitarbeiter in der Kinderklinik des Städtchens Shanto im Süden Äthiopiens haben alle Hände voll zu tun. Allein zwischen April und August mussten 294 Kinder unter fünf Jahren wegen Unterernährung aufgenommen werden – fünf von ihnen konnten auch die Ärzte nicht mehr helfen.

 

Die dreijährige Zinash ist vor einer Woche gemeinsam mit ihrer Mutter stationär aufgenommen worden. Unter normalen Umständen würde niemand glauben, dass Zinash bereits drei Jahre alt ist. Doch in der Kinderklinik von Shanto sehen einige Kinder aufgrund der Unterernährung aus wie Säuglinge. „Als sie zu uns kam“, erinnert sich die Krankenschwester Tareken, „war die Kleine kaum mehr am Leben. Sie macht aber täglich Fortschritte. In ein paar Wochen ist sie hoffentlich wieder auf den Beinen.“

 

Zinash’ Mutter Tewabech sorgt sich auch um ihre anderen drei Kinder. Bislang ist ihre sechsköpfige Familie über die Runden gekommen. „Vor der Dürre brachte unsere Ernte genug Nahrung für meine Kinder und meinen Mann“, sagt Tewabech, „aber seit April konnten wir nicht mehr ernten. Zwei unserer Kühe verhungerten. Wir waren in großen Problemen, bis die ersten Hilfslieferungen ankamen.“

 

Wie Tewabechs Familie erging es vielen in den vergangenen Monaten. „Die Folgen sind weitreichend“, weiß Ato Mengistu Godana. Mengistu ist Verwaltungsbeamter im Distrikt Damot Pulassa. „Dieses Jahr sind alle 23 Dörfer in unserem Bezirk von den Auswirkungen der Dürre betroffen“, sagt er. „2.224 Kinder konnten aufgrund von Unterernährung nicht mehr zur Schule gehen.“

 

Anteshe Ganta ist 40 Jahre alt. Ihr halbwüchsiger Sohn geht schon lange nicht mehr zur Schule. Seit dem Tod des Vaters muss er schwer körperlich arbeiten, damit er Anteshe und seine beiden jüngeren Brüder über die Runden bringt. „Nachdem mein Mann gestorben war, musste unser Land brach liegen“, sagt Anteshe. „Alleine konnte ich es nicht bestellen. Jetzt muss mir mein ältester Sohn helfen.“ Auch ihre Familie hat aufgrund der ausbleibenden Regenfälle die Ernte und das Vieh verloren. Vom Roten Kreuz hat die 40jährige Mutter Mais und Saatgut erhalten. „Das Getreide wächst. Ich hoffe, wir können bald ernten“, sagt sie zuversichtlich.

 

Unweit von Anteshes kleiner Farm im Dorf Bibso, bestellt Euael Chuma sein Feld. Der 38jährige arbeitet hart, um seine Familie zu ernähren. Fünf Kinder haben seine Frau und er. „Ohne Hilfe hätte ich das nicht geschafft“, meint Euael. Aus dem Saatgut, das er erhalten hat, sind schon stattliche Maispflanzen geworden. „Bald kann ich ernten“, sagt er und lächelt.

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