20.10.2009 10:10

Krise trifft die Jugend

Die Wirtschaftskrise schafft neue Gruppen von Hilfsbedürftigen. In Europa sind vermehrt Jugendliche und der Mittelstand betroffen. Das sagt eine neue Rotkreuz-Studie, die tägliche Erfahrungen aus 40 europäischen Ländern auswertet.

Krise trifft die Jugend

Von Island über Schweden bis Ungarn und Kirgisistan: In ganz Europa und Zentralasien berichten Rotkreuz-Gesellschaften über eine steigende Zahl von hilfsbedürftigen Menschen aufgrund der Wirtschaftskrise.

 

Auffällig ist, dass auch Bevölkerungsgruppen betroffen sind, die sich traditioneller Weise nicht an das Rote Kreuz wenden.

 

In einigen EU-Staaten steigen die Anfragen nach finanzieller Unterstützung, etwa um Stromrechnungen oder Kreditraten zu begleichen.

 

Tägliche Begegnung mit der Krise

 

Alarmierend ist die wachsende Verletzlichkeit von jungen Menschen, die aufgrund der Krise keinen Einstieg in die Arbeitswelt finden. Das berichtet das Rote Kreuz in einer  Studie über die humanitären Auswirkungen der Wirtschaftskrise.

 

Die Studie basiert auf Erfahrungen, die Rotkreuz-Mitarbeiter und Freiwillige bei ihrer täglichen Arbeit mit den Menschen in 40 Ländern Europas und Zentralasiens machen. Die Daten beschreiben Veränderungen in der Verletzlichkeit und Betroffenheit.

 

Der Bericht befürchtet weitreichende sozial-ökonomische Konsequenzen und soziale Spannungen in Folge wachsender Konkurrenz in weniger privilegierten Gruppen um Jobs.

 

Die verletzlichsten Bevölkerungsgruppen

 

  • Bedürftigkeit ist primär mit Arbeitslosigkeit verbunden
  • In der EU treibt die Verschuldung von Haushalten (Kredite, Leasingverträge) die Bedürftigkeit in der Mittelschicht in die Höhe
  • Weniger Gelegenheitsjobs bedrohen die Einkommen der ärmsten Gesellschaftsschichten
  • Die Auswirkungen der Krise treffen Arme, Ältere sowie Kinder und Jugendliche überdurchschnittlich hart
  • Großfamilien und Alleinerzieher erwarten schwierige Zeiten

 

Gesellschaftliche Auswirkungen

 

Die Rotkreuz-Gesellschaften in der EU beobachten ein wachsendes Unsicherheitsgefühl, das sich in mehr seelischen Erkrankungen, Alkohol- und Drogenmissbrauch, sozialer Isolation und Stresssymptomen manifestiert.

 

Die Antworten des Roten Kreuzes

 

Über zwei Drittel der 27 Rotkreuz-Gesellschaften in der EU leisten inzwischen Lebensmittelhilfe.

 

Der wachsenden Bedürftigkeit stehen in vielen europäischen Rotkreuz-Gesellschaft schrumpfende Einnahmen gegenüber. Dennoch werden allerorts Hilfsprogramme erweitert, um den steigenden Bedarf zu decken.

 

Einige nationale Rotkreuz-Gesellschaften reagieren bereits mit innovativen Modellen. Und erweitern zum Beispiel psychosoziale Unterstützung, die für Katastrophenopfer entwickelt wurde, für Opfer der Wirtschaftskrise. Oder nehmen Verhandlungen mit Energiekonzernen auf, um die Folgen unbezahlter Stromrechnungen zu mildern.

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