15.01.2010 17:11

Haiti: IKRK verstärkt Hilfstätigkeiten

Die in Haiti stationierten IKRK-Mitarbeiter verteilen derzeit Hilfsgüter an die Krankenhäuser. Ein vom IKRK gechartertes Flugzeug mit Spezialisten an Bord ist auf dem Weg nach Port-au-Prince, während eine zweite Maschine mit einer Fracht von 40 Tonnen Hilfsgütern innerhalb der nächsten Stunden in Richtung Haiti starten wird.

Allgemeine Lage

Die Bevölkerung in Port-au-Prince und an anderen vom Erdbeben betroffenen Orten hat eine weitere Nacht im Freien verbracht. Die verzweifelte Suche nach Überlebenden geht weiter. Inzwischen beteiligen sich auch internationale Teams an den Hilfstätigkeiten. Die Bemühungen, das Ausmass der immensen Katastrophe zu ermitteln, sind weiter im Gange. Zurzeit gibt es noch keine genauen Zahlen, doch ist damit zu rechnen, dass viele Tausende getötet und verletzt wurden. Darüber hinaus sind schätzungsweise drei Millionen Menschen auf die eine oder andere Weise vom Beben betroffen.   Es gibt kaum Informationen über die Lage in den vom Beben betroffenen Gebieten ausserhalb der Hauptstadt.  

IKRK-Tätigkeiten  

 

Das IKRK arbeitet eng mit seinen Rotkreuzpartnern zusammen, insbesondere mit dem Roten Kreuz von Haiti und der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften. Letztere koordiniert die internationalen Hilfstätigkeiten des Roten Kreuzes/Roten Halbmonds. Mitarbeiter und Freiwillige des Roten Kreuzes von Haiti beteiligen sich an den Suchtätigkeiten. Von vielen ihrer Kollegen ist man ohne Nachricht.   Ein vom IKRK gechartertes Flugzeug mit 11 Spezialisten an Bord hat heute früh Genf in Richtung Port-au-Prince verlassen. Das Team umfasst Ingenieure, einen Chirurgen, Spezialisten im Bereich der Zusammenführung von Familien, die durch eine Katastrophe getrennt wurden, und Spezialisten in den Bereichen wirtschaftliche Sicherheit, Logistik und IT.   Eine zweite IKRK-Maschine mit einer Fracht von 40 Tonnen Hilfsgütern (hauptsächlich medizinisches Material) soll Genf heute Nachmittag verlassen. Die Fracht umfasst Spezialkits mit Material zur Behandlung von Verletzten und ein Kit mit Material für die medizinische Grundversorgung von 10'000 Personen während drei Monaten. Darüber hinaus wird das Flugzeug 3'000 Leichensäcke und anderes Material befördern, darunter eine Tonne Chlor zur Aufbereitung von Wasser. Die Maschine wird am Freitag in oder in der Nähe von Port-au-Prince erwartet.   Gestern konnten die in Port-au-Prince stationierten IKRK-Mitarbeiter mehrere öffentliche Krankenhäuser, die noch in Betrieb sind, besuchen. Sie begannen, medizinische Soforthilfsgüter, die schon vor der Katastrophe vor Ort gelagert waren, an diese Einrichtungen und an den Hauptsitz des Roten Kreuzes von Haiti abzugeben. Sie verteilten Medikamente und anderes medizinisches Material zur Behandlung von etwa 200 stationären chirurgischen Patienten und grundlegende Medikamente für 1'000 Patienten mit allgemeinen Gesundheitsproblemen.   "Es gab zahlreiche Nachbeben und die Menschen sind immer noch voller Angst", sagte Riccardo Conti, Leiter der IKRK-Delegation in Haiti. "Alle Häuser um uns herum wurden geräumt. Die Menschen leben jetzt im Freien."   Die IKRK-Delegation in Port-au-Prince konzentriert sich auch darauf, ihre eigene wichtige Infrastruktur, darunter die Telekommunikationsanlagen, instand zu setzen und andere humanitäre Organisationen zu konsultieren, um sich ein klareres Bild von der Lage zu machen. Die Delegation bereitet sich darauf vor, die aus mehreren Ländern eintreffenden spezialisierten Rotkreuzteams zu unterstützen.  

Sterbliche Überreste  

Das IKRK bemüht sich sicherzustellen, dass die Leichen geborgen und identifiziert werden, damit die Hinterbliebenen gegebenenfalls informiert werden können. Es stellt den verschiedenen Organisationen vor Ort, die mit dieser heiklen Aufgabe betraut sind, seine forensische Expertise zur Verfügung.   "Der weit verbreite Mythos, Leichen würden nach einer Naturkatastrophe Epidemien auslösen, hält sich immer noch hartnäckig", sagte die IKRK-Forensikerin Ute Hofmeister. "Dies trifft nicht zu. Die Leichen von Menschen, die bei einer Naturkatastrophe ums Leben kamen, verbreiten keine Krankheiten, da sie an einem Trauma gestorben sind und nicht an einer Krankheit. Die überstürzte und unkoordinierte Bestattung von Leichen, beispielsweise in Massengräbern, oder die Kremation von Leichen sollte unter allen Umständen vermieden werden, denn damit wird eine spätere Identifizierung der Toten verunmöglicht und die Angehörigen können nicht informiert werden. Wenn es nicht genügend Raum gibt, um die Leichen aufzubewahren, könnte eine temporäre Bestattung in Betracht gezogen werden."  

 

Familienkontakte  

 

Das IKRK hat eine Sonderwebsite eingerichtet, um den Tausenden von Betroffenen in Haiti und ausserhalb des Landes zu helfen, die ohne Nachricht von geliebten Menschen sind.

 

Die Adresse lautet: www.icrc.org/familylinks.  

 

Weitere Auskunft erteilen Anna Schaaf, IKRK Genf, Tel. +41 22 730 22 71; +41 79 217 32 17 Marçal Izard, IKRK Genf, Tel. +41 79 217 32 24

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