15.04.2011 07:55

Manche Wunden heilen nie

Japans Rotkreuz-Präsident dankt für die Hilfe aus Österreich. Ein sehr persönlicher Bericht von Tadateru Konoé.

Manche Wunden heilen nie

So wie meine Landsleute habe auch ich am 11. März die starken Erschütterungen des Erdbebens an Japans Sanriku-Küste wahrgenommen.

 

Wenig später habe ich mit Grauen die ersten Fernsehbilder der Wellenfront gesehen, die zuerst unseren Küstenschutz zerstört, sich dann unerbittlich ins Landesinnere gewälzt und schließlich Städte und Dörfer entlang von 500 Kilometern Küste dem Erdboden gleichgemacht hat. Wenig später war ich gemeinsam mit Helfern des Japanischen Roten Kreuzes vor Ort.

 

Ich habe in den über 50 Jahren meiner Tätigkeit für das Rote Kreuz viele Katastrophen auf der ganzen Welt erlebt. Was sich unseren Augen hier geboten hat, übersteigt jede Vorstellungskraft. Die Zerstörung war absolut.

 

Wie durch ein Wunder ist das Rotkreuz-Spital in Ishinomaki in der Präfektur Miyagi als einziges Krankenhaus intakt geblieben. Bald war es überfüllt mit Überlebenden: verletzte, verwaiste, obdachlose Menschen.

 

Mein Land  wird lange brauchen, um sich von dieser Katastrophe zu erholen. Während ich diese Zeilen schreibe, ist der Tod von 12.000 Menschen bestätigt, weitere 15.000 sind noch vermisst. Mehrere Hunderttausend haben ihre Angehörigen verloren, ihre Häuser, ihre Lebensgrundlage. Viele der Wunden werden nie heilen.

 

Die schockierende Zerstörungskraft des Bebens und des Tsunami könnte von den alarmierenden Problemen in den Reaktoren von Fukushima Daiichi noch übertroffen werden. Japan war eines der größten Geberländer für die Entwicklungszusammenarbeit und die humanitärer Hilfe weltweit. Jetzt benötigen wir selbst Hilfe.

 

Die Anteilnahme und die Verbundenheit mit Japan, die Großzügigkeit und die Hilfsbereitschaft der Menschen in Österreich erfüllen mich mit großer Demut.

 

Erst im vergangenen Frühjahr habe ich Österreich im Zuge einer internationalen Rotkreuz-Konferenz besucht und Ihre Bundeshauptstadt besonders ins Herz geschlossen. Jetzt möchte ich meine große Dankbarkeit zum Ausdruck bringen für die Hilfe und das Mitgefühl, die Österreich meiner Heimat in diesen schweren Stunden zuteilwerden läßt.

 

Tadateru Konoé ist Präsident des Japanischen Roten Kreuzes.

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