16.11.2012 10:49

Bezahltes Freiwilliges Soziales Jahr: Rotes Kreuz bleibt skeptisch

Rotkreuz-Generalsekretär Dr. Werner Kerschbaum nimmt im Ö1 Morgenjournal zum gestern vorgestellten Modell des Sozialministers ausführlich Stellung.

Bezahltes Freiwilliges Soziales Jahr: Rotes Kreuz bleibt skeptisch
Freiwilliges Soziales Jahr: Rotkreuz-Generalsekretär Dr. Werner Kerschbaum bleibt skeptisch.

„Das Österreichische Rote Kreuz begrüßt die Grundintention des Sozialministers Hundstorfer, die Lebensqualität der Menschen beizubehalten, die derzeit auf die Hilfe von Zivildienern angewiesen sind“, erklärt Rotkreuz-Generalsekretär Dr. Werner Kerschbaum heute im Ö1-Morgenjournal.

 

 

Gestern wurde vom Sozialminister ein Modell des „Freiwilligen sozialen Jahrs“ (FsJ) präsentiert, das nach Wunsch des Verteidigungs- und des Sozialministers ab kommendem Jahr den bewährten Zivildienst ersetzen soll. Dabei – so Hundstorfer – wird ein Bruttolohn von 1.386 Euro bezahlt, und das 14-mal pro Jahr, zudem erfolgt volle sozialversicherungsrechtliche Absicherung.

 

Bendenken frühzeitig angemeldet

Das Rote Kreuz hat bei der Modellerstellung bereits Bedenken angemeldet, die von Seiten des Sozialministeriums bis jetzt nicht zerstreut werden konnten. „Das bewährte System baut auf einer Gemeinwohlverpflichtung der Österreichischen Staatsbürger auf, die sich zwischen Wehrdienst und Zivildienst entscheiden. Ein Bezahlmodell verschiebt nun nicht nur die Motivationslagen der zukünftig in diesem für uns alle so wichtigen Bereich. Wir tun der gesamten Zivilgesellschaft angesichts der zukünftigen Herausforderungen – Stichwort demographischer Wandel – nichts Gutes, wenn wir die Tätigkeiten in das ökonomische Feld der Lohnarbeit holen“, so Kerschbaum.

 

Ein zweiter Vorbehalt ist die des fehlenden Tests. „Wir haben im Laufe der Diskussionen in den vergangenen Monaten mehrfach angeboten, mit einem Bruchteil der derzeit kalkulierten 211 Millionen Euro ein Pilotmodell zu etablieren, um die grundlegenden Parameter des FsJ-Modells zu überprüfen. „Für uns ist es wesentlich zu checken, ob sich einerseits genug geeignet qualifizierte und motivierte Personen finden, die dann auch ein ganzes Jahr bleiben. Schlussendlich ist es genauso wichtig, wie viele davon im Anschluss als freiwillige Mitarbeiterinnen und –Mitarbeiter bleiben“, beschreibt Werner Kerschbaum die Rahmenbedingungen für ein Pilotprojekt.

 

Zivildienst als Einstieg ins ehrenamtliche Engagement

Von den Zivildienstleistenden im Roten Kreuz bleiben zur Zeit bis zu 80% als freiwillige Mitarbeiter, innerhalb des Roten Kreuzes übrigens ein Begriff, der synonym zu „ehrenamtlich“ , also „völlig unbezahlt“ verwendet wird. Sie nutzen den Zivildienst als Einstieg in die Freiwilligkeit. Er spielt damit eine wichtige Rolle für die österreichische Zivilgesellschaft, in der viele Leistungen auf unbezahltem, freiwilligem Engagement fußen. Der  Zivildienst ist auch ein ganz wichtiger Faktor für den freiwillig engagierten Rotkreuz-Nachwuchs.

 

Zivildienst in der derzeitigen Form ist attraktiv

In einer kürzlich durchgeführten Umfrage gaben knapp 75 Prozent der ehemaligen Rotkreuz-Zivildiener an, dass der Zivildienst sie persönlich positiv geprägt habe. Die Arbeit im Krankentransport oder in sozialen Einrichtungen verschafft Einblicke in das Leben von benachteiligten, älteren, kranken oder behinderten Menschen.

 

„Der Zivildienst ist in der derzeitigen Form sehr attraktiv für junge Menschen. Sogar die Zivildiener selbst sagen, er soll bleiben“, so der Rotkreuz-Generalsekretär im Ö1-Morgenjournal abschließend.

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