11.01.2013 11:39

Haiti: Den Menschen Lebensgrundlagen schaffen

Der Rotkreuz-Delegierte Christopher Jahn über seine ersten Eindrücke bei der Wiederkehr nach Haiti - drei Jahre nach dem Erdbeben.

Haiti: Den Menschen Lebensgrundlagen schaffen
Christopher Jahn

"Wie vor drei Jahren ist der erste Eindruck beim Anflug: eine traumhafte Insel", berichtet Christopher Jahn. "Die Anspannung ist nicht mehr so gross wie beim letzten Einsatz im Jahr 2010 – immerhin ist die verheerende Katastrophe nun drei Jahre her und unsere Aufgabe ist eine andere." Jahn ist mit drei weiteren Rotkreuz-Kollegen in Haiti, um die KollegInnen vom Haitianischen RK bei der Cholerabekämpfung zu unterstützen und Katastrophenvorsorgekapazitäten zu stärken.


"Die Hauptstadt Port au Prince hat sich stark gewandelt. Kaum noch Trümmer sind zu sehen, aber viele neue Wohnungen und Häuser", erzählt der Wiener. "Das Leben auf der Strasse ist unverändert geschäftig - wie vor drei Jahren. Man merkt den Haitianerinnen und Haitianern die Katastrophe kaum an – Geschäfte blühen und die Umweltverschmutzung ist wie in allen Ländern des Südens allgegenwärtig. Die angespannte Sicherheitslage ist für einen Neuankömmling kaum zu bemerken."

 

Umso wichtiger ist das Sicherheitsbriefing, das alle Rotkreuz-Delegierten gleich am ersten Tag durch einen Sicherheitsexperten des Internationalen Roten Kreuzes bekommen. Es beinhaltet essentielle Verhaltensregeln und wichtige Informationen. Gründe für die angespannte Lage und die steigende Unzufriedenheit in der Bevölkerung sind rasch steigende Preise für Produkte des Alltags, hohe Arbeitslosigkeit sowie abziehende NGOs und die dadurch verminderte Unterstützung.


Das Haitianische Rote Kreuz hatte durch die Katastrophe am 12. Jänner 2010 Mitarbeiter, Gebäude und Geräte verloren. "Mittlerweile hat sich die Lage wesentlich gebessert und es gibt Strukturen und Kapazitäten in verschiedensten Bereichen. Dennoch ist das Internationale Rotkreuznetzwer allgegenwärtig und unterstützt die haitianischen Kollegen wo nur möglich", berichtet Jahn. "Auch wir Österreicher leisten dabei unseren Beitrag und führen neben unserem Wiederaufbauprojekt in und um Leogane unter der Führung des Internationalen Roten Kreuzes ein Nothilfeprojekt in Jeremie durch." Dort, im Westen der Insel wird Jahn gemeinsam mit dem ÖRK-Team die Einrichtungen von Cholerabehandlungszentren verbessern, um diese effizienter und sicherer zu machen. "Ausserdem führen wir gemeinsam mit unseren Kollegen vom Haitianischen Roten Kreuz sowei mit lokalen Behörden Hygienemassnahmen und -Schulungen durch."

Seit dem Erdbeben hat das Österreichische Rote Kreuz in einem Partnerprojekt mit dem Deutschen Roten Kreuz in der Region um Leogane mehr als 2.000 Holzhäuser errichtet. Diese Häuser sind so gebaut, dass sie auch Hurrikans standhalten.

 

Weitere 1.000 Notunterkünfte, die unmittelbar nach dem Erdbeben 2010 errichtet wurden, werden jetzt zu permanenten Wohnhäusern umgebaut. Nahe der Hauptstadt Port-au-Prince wurden ein Kindergarten und zwei Schulen wiederaufgebaut - am Wiederaufbau einer weiteren Schule wird gerade gearbeitet.

 

Darüber hinaus wurden mehr als 2.000 Latrinen errichtet. In Haiti gibt es nach wie vor Cholerafälle. Sanitäre Anlagen sind besonders wichtig, um die Seuchengefahr einzudämmen.

 

"Oberstes Ziel all unserer Aktivitäten ist es, Menschen, die durch das Erdbeben alles verloren haben, eine Lebensgrundlage zurückzugeben", sagt Michael Opriesnig, stellvertretender Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes und Vorstandsvorsitzender von "Nachbar in Not". "Daher unterstützt das Rote Kreuz die Menschen nicht nur beim Wiederaufbau, sondern auch bei der Berufsausbildung. Es werden Schulungen für unterschiedliche Berufe angeboten. Das ist ein Weg aus der Armut, und wir stellen so eine langfristige Verbesserung der Lebensumstände sicher", so Opriesnig.

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