13.01.2013 14:04

Fragen und Antworten zum Erfolgsmodell Zivildienst

Der Zivildienst ist ein seit mehr als drei Jahrzehnten erprobtes Modell, von dem alle profitieren: die hilfsbedürftigen Menschen, die Gesellschaft als Ganzes und auch die Zivildiener selbst.

Fragen und Antworten zum Erfolgsmodell Zivildienst

Wie ist die Position des ÖRK in der aktuellen Wehrpflichtdebatte?

 

Ob sich ein Land für die allgemeine Wehrpflicht oder für ein Berufsheer entscheidet, ist eine politische Frage, die das Rote Kreuz nicht kommentiert. Sehr wohl aber haben wir die Verantwortung, auf die möglichen humanitären Auswirkungen hinzuweisen.

 

Was bedeutet ein Wegfall der Zivildiener für das Rote Kreuz?

 

Bei der Frage, ob der Zivildienst abgeschafft wird oder nicht, geht es nicht um das Rote Kreuz. Es geht um Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind: Kranke, Verletzte, Pflegebedürftige, Menschen mit Behinderung – also Menschen in Not und sozial Schwache.

 

Das Rote Kreuz sieht sich als Anwalt dieser Betroffenen. Uns ist wichtig, dass all jene Leistungen, die Zivildiener heute für unsere Gesellschaft erbringen, auch in Zukunft gewährleistet sind – und zwar mindestens in gleicher Qualität.

 

 

Wie sehen eigentlich die Zivis ihre Zeit beim Roten Kreuz?

 

In einer aktuellen Umfrage unter 1200 ehemaligen Rotkreuz-Zivildienern haben wir gesehen, dass die überwiegende Mehrheit der jungen Männer ihren Zivildienst als positiv, sinnstiftend und bereichernd erlebt hat. Darüber hinaus bleibt österreichweit rund die Hälfte aller Zivildiener unmittelbar nach Ende der Dienstzeit als Freiwillige beim Roten Kreuz. In einzelnen Landesverbänden sind es sogar bis zu 80 Prozent. Diese Verbundenheit der (ehemaligen) Zivildiener ist ein Beweis dafür, dass sie ihren Einsatz gerne leisten und ihn als sinnvoll erachten.

 

Was bringt der Zivildienst für die Gesellschaft?


Die Fähigkeiten, die die Zivildiener in ihrer Ausbildung und im Dienst erlangen, stehen der Gesellschaft nachhaltig zur Verfügung. Sie sind wertvolle Ersthelfer, trauen sich zuzupacken, wenn etwas passiert und viele haben wichtige Einblicke in das soziale Gefüge bekommen.

Das Rote Kreuz spricht sich daher grundsätzlich dafür aus, das Erfolgsmodell Zivildienst beizubehalten.


Was sagt das Rote Kreuz zum Alternativmodell „Bezahltes, freiwilliges Soziales Jahr“?

 

Das Rote Kreuz begrüßt ausdrücklich, dass sich das Sozialministerium mit einer Alternative für einen möglicherweise wegfallenden Zivildienst auseinander gesetzt hat. Derzeit funktioniert unser Gesundheits- und Sozialsystem mit Hilfe von knapp 14.000 Zivildienern, die sehr wertvolle Dienste leisten.

 

Was sind die Kritikpunkte des Roten Kreuzes an diesem Alternativmodell?


Das bisherige System lässt sich nicht von heute auf morgen ersetzen. Vor einer möglichen Systemumstellung würde es aber keinerlei Testphase oder Probelauf geben.
Es gibt keine konkreten Anhaltspunkte darüber, ob sich genügend Interessentinnen und Interessenten melden.
Es gibt keine Garantien für Betroffene und Trägerorganisationen, dass die bisherigen Leistungen des Zivildienstes weiterhin in gleich hoher Qualität zur Verfügung stehen werden.
Im Alternativmodell wird eine Leistung der Zivilgesellschaft durch Lohnarbeit ersetzt. Das sendet ein falsches Signal. Die demografische Entwicklung zeigt, dass unsere Gesellschaft in Zukunft immer mehr Freiwillige brauchen und der Zivilgesellschaft daher eine noch größere Bedeutung zukommen wird.

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