26.02.2015 09:43

Arbeitszeitregelung für Ärzte bedroht Notarztsystem

Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer fordert Änderung im ASVG

Arbeitszeitregelung für Ärzte bedroht Notarztsystem

Wien (Rotes Kreuz) – Anlässlich des heute in Linz stattfindenden Rettungsdienstsymposiums warnt Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer vor negativen Auswirkungen der Arbeitszeitrichtlinie für Ärzte auf das Notarztsystem in Österreich.

 

Die neue Regelung schreibt eine wöchentliche Maximalarbeitszeit von 48 Stunden vor. Bei deren Umsetzung könnten viele Krankenanstalten keine Notärzte mehr stellen, da primär die Versorgung in den Spitälern aufrechterhalten werden muss. Erschwerend kommt die Haltung der Gebietskrankenkassen hinzu.

 

Notärzte waren jahrzehntelang auf Werkvertragsbasis im Rettungsdienst tätig. Seit 2010 vertreten die Gebietskrankenkassen die Meinung, dass sie nur in einem Angestelltenverhältnis arbeiten dürfen. In diesem Fall kommt die 48-Stunden-Regelung zum Tragen, der zusätzliche Dienst als Notarzt ist nicht mehr möglich.

 

„Abhilfe würde eine kleine Änderung im ASVG schaffen, durch die Notärzten eine Tätigkeit auf Werkvertragsbasis ermöglicht würde“, sagt Schöpfer. Bisher wehrten sich Gebietskrankenkassen und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gegen eine entsprechende Änderung. „Noch verfügt Österreich über eines der besten Rettungssysteme der Welt. Damit das so bleibt, muss allerdings an einigen wichtigen Stellschrauben gedreht werden“, so Schöpfer. Es werde aus den genannten Gründen immer schwieriger, Notarztdienste lückenlos zu besetzen.

 

Einen Mangel an tatsächlich ausgebildeten Notärzten gibt es nicht, Österreich hat mit 4,8 Ärztinnen und Ärzten pro 1000 Einwohner eine überdurchschnittlich hohe Ärztedichte. Der OECD-Schnitt liegt bei 3,2 Ärzten pro 1000 Einwohner. „Kommt es tatsächlich zu einem Notarztmangel, so ist er künstlich verursacht. Die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Notärzten ist Aufgabe und Verantwortung der Politik, nicht des Roten Kreuzes“, sagt Schöpfer. “Deshalb fordern wir ein Umdenken auf politischer Ebene – im Sinne der Notfallpatienten.“

 

Rückfragehinweis: Mag. Thomas Marecek

Österreichisches Rotes Kreuz

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