23.04.2015 09:36

Rotkreuz-Hilfe im Hafen von Catania

Die Rotkreuz-Krankenschwester Emanuela Pagana versorgt überlebende Bootsflüchtlinge im Hafen von Catania. Das ÖRK unterstützt die Notversorgung und fordert den sofortigen Neustart der Rettungsaktion "Mare Nostrum".

Rotkreuz-Hilfe im Hafen von Catania

Emanuela Pagana ist Krankenschwester beim Italienischen Roten Kreuz und macht freiwilligen Bereitschaftsdienst für Bootsflüchtlinge. Wenn Menschen ankommen, die die gefährliche Reise über das Mittelmeer überstanden haben, ist sie eine der Ersten, die ihnen hilft.

Zwischen Schnelligkeit und Sorgfalt


„Wenn ich angerufen werde, muss ich schnell zu Hause alles regeln. Ich bin verheiratet und habe einen fünfjährigen Sohn. Bevor ich gehe muss ich sicherstellen, dass mein Kind in guten Händen ist“, erzählte Pagana der britischen Zeitung „The Guardian“.


„Es ist nicht leicht, wenn man eine Familie und einen Job hat. Aber mein kleiner Junge hat Glück – er hat eine Mutter, einen Vater und ein Zuhause. Migranten haben gar nichts, wenn sie ankommen.“

„Letzten Sommer ist spät in der Nacht ein Boot angekommen, 500 Menschen waren an Bord. Es hat sechs Stunden gedauert, sie alle zu versorgen. In solchen Situationen müssen meine Kollegen und ich eine schwierige Balance finden: Schnell zu arbeiten, damit allen möglichst rasch geholfen werden kann, und gleichzeitig jedem Einzelnen die Versorgung zu geben, die er braucht. Wir müssen fair und konzentriert sein.“

Unkontrollierbare Emotionen


Emanuela Pagana begegnet bei ihrer freiwilligen Arbeit aber auch denen, die die Reise nicht überlebt haben. „Sie verlassen die Boote in schwarzen Säcken. Manchmal ist ein Sack so klein dass ich weiß, dass ein Kind darin ist“, berichtet sie. „Ich bin eine Mutter. Diese Emotionen kann man nicht kontrollieren.“

„Einmal überlebte von einer Familie nur der kleine Bruder. Er war der erste, der von Bord ging. Er war geschockt und alleine, seine Mutter und seine Schwester waren vor seinen Augen gestorben. Er wurde weggebracht und hat psychologische Unterstützung bekommen. Er hat nicht gesehen, wie die Särge den Hafen verlassen haben. Ich schon. Ich war dort in diese Nacht.“

Das Österreichische Rote Kreuz unterstützt die Erstversorgung von Flüchtlingen durch das Rote Kreuz in einem ersten Schritt mit 30.000 Euro aus seinem Katastrophenfonds. Bitte helfen auch Sie mit Ihrer Spende!

 

Forderungen der Hilfsorganisationen

Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer erklärte am Mittwoch bei in einer gemeinsamen Pressekonferenz der Hilfsorganisationen, gäbe es legale Weg der Einreise für Schutzsuchende, "würde das Schlepperwesen in sich zusammenfallen". Unisono forderten die Organisationen einen Neustart des Seenotrettungseinsatzes "Mare Nostrum 2.0".

 

Sie können diesen Forderungen mit Ihrer Unterstützung auf der Plattform www.gegen-unrecht.at Nachdruck verleihen und ein Zeichen für Menschlichkeit und Solidarität setzen.

socialshareprivacy info icon