26.08.2015 12:08

Der verlorene Sohn

Der fünfjährige Mohammed aus Syrien wurde auf der Flucht nach Europa von seinem Onkel getrennt. Der verzweifelte Vater fand den Jungen mit Hilfe des Roten Kreuzes in Griechenland wieder.

Der verlorene Sohn

Als die ersten Bomben auf seine Heimatstadt in Syrien fielen, entschied sich Herr Hussein seine Familie aus dem Land zu bringen. Er wusste nicht genau wohin, aber die Flucht nach Europa erschien ihm die einzige Möglichkeit. Der erste, der in Sicherheit gebracht werden sollte, war Husseins fünf Jahre alter Sohn Mohammad, Er wurde von seinem Onkel begleitet.

Die beiden kamen sicher in Izmir, in der Türkei an. Von dort aus wollten sie weiter nach Europa. Es war Mohammads erste Bootstour, aber sie war bestimmt eher furchteinflößend als aufregend.  Das völlig überfüllte Boot wurde auf halber Strecke von der griechischen Küstenwache angehalten. Sie nahmen Mohammad und die anderen Kinder und die Frauen mit an Bord, während die Männer auf die Rückkehr der Küstenwache warteten. Aber zuvor wurden sie von einem anderen Schiff mitgenommen.

Mohammed und sein Onkel wurden getrennt.

Herr Hussein kann sich noch an den qualvollen Anruf erinnern: „Im Morgengrauen klingelte das Telefon. Es war mein Bruder, der gerade zurück in die Türkei gekommen war. Er schrie: Ich habe Mohammad verloren, ich habe Mohammad verloren! Ich dachte an das letzte, was ich meinem Buben gesagt hatte: Mit Allahs Hilfe wirst du an einem besseren Ort leben. Hier in Syrien gibt es keine Zukunft für dich. Ich fühlte mich als ob ich mein Versprechen verraten hätte. Ich war verloren. Ich wusste nicht, was ich tun oder wohin ich mich wenden sollte.“

„Manchmal kann eine schlechte Erfahrung dein Leben bestimmen, nur wenn du akzeptierst was passiert ist, kannst du weitermachen. Ich musste etwas tun. Ich fand die Rotkreuz-Website im Internet und ging zum Büro des IKRK in Damaskus. Die Leute dort haben mir sehr geholfen. Ich war außer mir, konnte mich an nichts erinnern, an Details die vielleicht geholfen hätten, meinen Sohn zu finden. Aber jeder gab mir das Gefühl, willkomen zu sein und sie gaben mir die Kraft weiter zu machen.“

 

Eine Telefonnumer in Griechenland.

„Innerhalb von 24 Stunden hat das IKRK in Athen Mohammad in einer Polizeistation auf einer der Ägäischen Inseln gefunden. Sie hatten sogar schon Kontakt mit der Station und gaben mir eine Telefonnummer. Als ich Mohammeds Stimme am anderen Ende der Leitung ‚Papa, Papa!‘ rufen hörte, konnte ich die Tränen nicht zurück halten.“

Herrn Husseins Reise nach Griechenland dauerte noch einige Wochen. Aber er wird sich sein ganzes Leben an den Moment erinnern, als die ganze Familie wieder vereint war.

„Kein Vater, keine Mutter und kein Kind soll das durchmachen müssen. Ich hoffe, dass ich eines Tages nach Syrien zurückkehren kann. Dann werde ich Rotkreuz-Freiwilliger, damit ich andern helfen kann, so wie das Rote Kreuz mir geholfen hat.“

Die Namen wurden aus Rücksicht auf die Familie geändert.  

socialshareprivacy info icon