23.09.2015 12:33

Rotes Kreuz setzt neues Konzept in der Flüchtlingsbetreuung um

Das Rote Kreuz Salzburg hat ein Konzept für die längerfristige Unterbringung von Asylwerbern entwickelt. In Holzhäusern finden die Asylwerber eine menschenwürdige Bleibe unter Berücksichtigung ihrer individuellen Bedürfnisse. Die Integration wird durch gezielte Maßnahmen unterstützt.

Rotes Kreuz setzt neues Konzept in der Flüchtlingsbetreuung um

Erstmals in Österreich werden Holzhäuser als Unterkunft für Asylwerber errichtet. Dabei spielt die Integration der Menschen eine zentrale Rolle. Geregelte Sozialstrukturen und ein auf die Asylwerber abgestimmtes Rahmenprogramm schaffen dafür die notwendigen Voraussetzungen. Die Idee für dieses einzigartige Konzept stammt vom Roten Kreuz Salzburg.

 

Aus dem Auftrag des Landes, ein Konzept für Containerdörfer zu erstellen, enstand die Idee anstelle der Container Holzfertigteilhäuser einzusetzen. Gemeinsam mit einem renomierten Salzburger Holzbau-Unternehmen – der Firma Meiberger aus Lofer – und der Salzburger Architektin Melanie Karbasch, entwickelte das Rote Kreuz Salzburg dieses Konzept.

 

„Holzhäuser sind Teil der Salzburger Baukultur. Sie haben sich mehrfach durch gutes Raumklima und gerine Energiekosten bewährt. Dieses Wohnraumklima ist eine wichtige Grundlage, dass sich die Bewohner bei uns wohlfühlen“, sagt Landesrettungskommandant Anton Holzer.  

 

 

Integration steht im Vordergrund
Die Holzhäuser bestehen aus kleineren Wohneinheiten in denen sich Menschen grundsätzlich wohler fühlen. „Jedes Haus ist so geplant, dass sich die Bewohner selbst versorgen können. Zudem sind sie für ihre Unterkunft selbst verantwortlich“, sagt Landesgeschäftsführerin Sabine Kornberger-Scheuch und ergänzt: „Wir erheben die Berufe und Ausbildungen der Asylwerbenden, so können wir sie entsprechend ihrer Qualifikation in den Holzhäusern einsetzen.“

 

Innerhalb der Wohngemeinschaften wird ein Sprecher ernannt, der für das Rote Kreuz der erste Ansprechpartner ist und die Anliegen der Bewohner vertritt. Aktuelle Ereignisse und Verbesserungsvorschläge werden in regelmäßg stattfindenden Bewohnerversammlungen besprochen. Das Rote Kreuz vertritt die Bewohner nach außen und ist dabei im dauerhaften Kontakt mit den Asylwerbern; für die Gemeinden und die Anrainer gibt es einen Ansprechpartner vor Ort.

 

Das Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes unterstützt die psychosoziale Betreuung der Asylwerbenden. Außerdem sollen in den Holzhäusern regelmäßige hausärztliche Ordinationsstunden angeboten werden. 

 

 

Das Rahmenprogramm
Die Integration der Asylwerber wird durch entsprechende Maßnahmen unterstützt. Dazu zählen Deutschkurse vor Ort oder ein auf die Bewohner ausgerichtetes Freizeit- und Sportprogramm. „Außerdem bieten wir Veranstaltungen an, bei denen die Asylwerbenden Informationen über den österreichischen Staat, das Rechtssystem oder Kultur und Brauchtum erhalten. Für den kulturellen Austausch steht der Gemeinschaftsraum in den Holzhäusern auch Besuchern von außen offen“, so Kornberger-Scheuch.

 

 

Die Holzhäuser im Überblick
Im Konzept sind vier verschiedene Typen von Holzhäusern vorgesehen: zwei dreigeschossige für 44 oder 32 Bewohner und zwei zweigeschossige für 28 oder 16 Bewohner. In den Typen mit weniger Wohneinheiten sind im Erdgeschoß ein Büro, ein Mitarbeiter-Aufenthaltsraum, ein Arztraum und ein Seminarraum vorhanden.
Abhängig von der Größe des Grundstücks können zwei- oder dreigeschossige Objekte verwendet werden. Dies richtet sich auch nach dem bestehenden Ortsbild.

 

Eine 24-Stunden-Betreuung durch das Rote Kreuz ist vorgesehen. Dafür sind aber mindestens 76 Bewohner erforderlich. Dies entspricht z. B. zwei dreigeschossigen Objekten.

 

„Die Holzhäuser können zerlegt und wieder aufgebaut werden. Dadurch ist eine Weiterverwendung – z. B. auch für Katatastrophenfälle – möglich. Die Bauteile sind so konstruiert, dass sie auch in einen Container verladen und transportiert werden können“, sagt die Architektin, Melanie Karbasch.

 

 

Die Kosten
Ein dreigeschossiges Objekt mit elf Wohneinheiten für insgesamt 44 Menschen kostet rund 450.000 Euro (Bauwerkskosten). Hinzu kommen noch die Kosten für die Einrichtung, die Außenanlagen und die Erschließung des Grundstücks. Refinanziert werden die Holzhäuser über den Tagsatz für Asylwerber aus der Grundversorgung. Dieser beträgt 21 Euro pro Asylwerber, inklusive 6,50 Euro für Essen.

 

152 Bewohner

In Seekirchen im Flachgau und in Tamsweg im Lungau wurden bereits je zwei Holzhäuser errichtet und bezogen. Pro Gemeinde wohnen dort je 76 Asylwerber. Weitere Holzhäuser sind bereits in Planung.

 

Mehr Infos zum Asylquartier Tamsweg

 

Mehr Infos zum Asylquartier Seekirchen

 

 

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