20.09.2016 09:27

Syrien: Tödlicher Angriff auf Hilfskonvoi

Lastwagen und ein Warenhaus des Syrisch-Arabischen Roten Halbmonds wurden aus der Luft bombardiert. Mehrere Rotkreuz-Helfer starben.

Syrien: Tödlicher Angriff auf Hilfskonvoi

Das Rote Kreuz ist schockiert und traurig über den tödlichen Angriff auf einen Hilfskonvoi des Syrisch-Arabischen Roten Halbmonds. Gestern Abend wurden die Lastwagen aus der Luft bombardiert, 18 der 31 Fahrzeuge wurden getroffen.

 

Rund 20 Zivilisten und ein Mitarbeiter des Roten Halbmonds wurden getötet, als sie humanitäre Hilfsgüter von den Lastwagen luden. Ein Großteil der Hilfsgüter wurde zerstört und damit die Versorgung von tausenden Zivilisten mit Nahrungsmittel und medizinischen Gütern unmöglich gemacht.

"Der Tod so vieler Menschen und unseres Kollegen Omar Barakat, machen uns sprachlos. Omar war Direktor der örtlichen Rothalbmond-Stelle und ein tapferes Mitglied der Rothalbmondfamilie aus Mitarbeitern und Freiwilligen, die rastlos daran arbeiten das Leid der syrischen Bevölkerung zu lindern. Es ist absolut unakzeptabel, dass unsere Mitarbeiter so einen hohen Preis für ihr Engagement bezahlen müssen", sagt der Präsident des Syrisch-Arabischen Roten Halbmonds.


Der gemeinsame UNO/Rotkreuz-Konvoi wurde getroffen, als er im Süden der belagerten Stadt Aleppo bei einem auch aus der Luft deutlich gekennzeichneten Lagerhaus des Syrisch-Arabischen Roten Halbmonds entladen wurde. Der Konvoi brachte Hilfsgüter aus der Türkei und wurde früher am Tag vom Roten Kreuz von der Grenze nach Big Orem in die Provinz Aleppo eskortiert. In Orem wurden die Lastwagen angegriffen.



Hilfslieferungen in Kriegsgebieten gehen langwierige Verhandlungen mit allen Konfliktparteien voraus und erst nachdem jede Partei ihre Zustimmung gegeben hat, machen sich die Helfer auf den Weg. Laut UNO hat der Konvoi die Freigabe der syrischen Regierung erhalten und alle Parteien wurden über seine Route informiert. Umso mehr erschüttert dieser Angriff. „Für die ohnehin leidende Zivilbevölkerung ist das eine weitere Katastrophe! Die Hilfslieferungen waren lebenswichtig für 78.000 eingeschlossene Menschen in und um Aleppo“, sagt Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer. „Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, für die Sicherheit von humanitären Helfern zu sorgen. Wir sind kein Teil dieses Konflikts!"



Rotkreuz-Völkerrechtsexperte Bernhard Schneider schließt ein Kriegsverbrechen nicht aus: „Sowohl die Begleitfahrzeuge als auch das Lagerhaus waren mit Rotkreuz-Zeichen markiert, die auch aus der Luft klar und deutlich zu erkennen sind. Die syrische Regierung wusste, dass es sich um einen Transport von humanitären Hilfsgütern handelt. Ein derartiger Angriff auf das international anerkannte Schutzzeichen stellt ein Kriegsverbrechen dar. Das ist an Unmenschlichkeit kaum zu überbieten.“

 

Syrien ist ein gefährlicher Ort für humanitäre Helfer. Seit Beginn des Konflikts wurden 54 Rothalbmond-Mitarbeiter in Ausübung ihrer Dienste getötet.

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