21.10.2016 10:03

Haiti: "Die Menschen brauchen wirklich Hilfe"

Der ÖRK-Delegierte Werner Luttenberger berichtet aus Haiti von verwüsteten Landstrichen, Erster Hilfe für Verletzte, gut ausgebildeten Freiwilligen und der Macht der Prävention.

Haiti: "Die Menschen brauchen wirklich Hilfe"

Zerstörte Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen zählen zu den folgenschweren Problemen in Haiti nach dem Hurrikan. Verletzungen bleiben unversorgt, Wunden infizieren sich und ansteckende Krankheiten breiten sich aus.

 

„Jeder gibt sein Bestes, aber die Dinge brauchen viel Vorbereitung“, berichtet der ÖRK-Delegierte Werner Luttenberger aus dem Südwesten Haitis. Der Wasserexperte gehört zu einem Team, das die Menschen vor Krankheiten schützen soll. Ein essentielles Medikament dafür ist sauberes Trinkwasser. „Die Wasserquellen sind nicht alle kontaminiert, aber wir bereiten Wasser, um es in Plastik-Bags zu verteilen. Wir verteilen auch Hygiene-Sets mit Seife, Zahnpasta, Shampoo und so weiter.“



Die Rotkreuz-Teams gehen in die Dörfer, um die Menschen zu erreichen, denn die meisten Spitäler können niemanden mehr versorgen. „In der Küstenstadt Roche-a-Bateaux zum Beispiel sind ein eingedrücktes Dach und ein paar Mauerreste alles, was Hurrikan Matthew von der Gesundheitsstation übrig gelassen hat“, schildert Luttenberger. „Eigentlich ist unsere Aufgabe die Hygiene-Promotion. Wir erklären den Menschen, was sie tun müssen, um eine Ansteckung mit Krankheiten zu vermeiden. Aber gerade in entlegeneren Gebieten werden wir auch immer wieder gebeten, Erste Hilfe zu leisten und Wunden zu versorgen.“



Werner Luttenberger und seine Kollegen bilden örtliche Rotkreuz-Freiwillige aus, die dann in Dreier-Teams ausgeschickt werden und die Aufklärung der Bevölkerung übernehmen. „Eine der Prioritäten ist es nun, in besonders entlegene Gebiete vorzudringen. Viele Straßen sind noch unpassierbar, die Helikopter fliegen den ganzen Tag, und auch mit Schiffen werden Güter transportiert.“



Aufklärung ist ein ganz wichtiges Instrument der Cholera-Prävention. Verschmutztes Wasser, zerstörte Sanitäranlagen und Gesundheitseinrichtungen tragen dazu bei, dass die Cholera-Fälle in Haiti wieder ansteigen.  „Daneben verteilen wir auch Cholera-Kits an Haushalte, die alles enthalten, um die Häuser zu desinfizieren und das Trinkwasser mit Tabletten zu reinigen.“



„Natürlich ist die Lage nach so einer Katastrophe angespannt, weil weite Landstriche verwüstet sind und die Leute wirklich Hilfe brauchen“, sagt Werner Luttenberger über den schwer getroffenen Südwesten des Landes. „Positiv überrascht bin ich von der guten Ausbildung der Freiwilligen des Roten Kreuzes – es gibt viel Erfahrung, wahrscheinlich weil es Haiti ja leider nicht zum ersten Mal getroffen hat.“

 

Rund 1,4 Millionen Menschen hat der Hurrikan in Haiti von humanitärer Hilfe abhängig gemacht.

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