09.12.2016 09:36

Angriffe auf Spitäler sind Todesurteile

Zum internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember erinnert das Rote Kreuz im Verband mit anderen Hilfsorganisationen an das Recht verletzter und kranker Menschen, vor Kriegshandlungen geschützt zu werden. Die Initiative „Health Care in Danger“ fordert den Schutz von medizinischem Personal, Gesundheitseinrichtungen und der medizinischen Versorgung von Verletzten und Kranken.

Angriffe auf Spitäler sind Todesurteile
Evakuierung aus Ost-Aleppo. Foto: Noor Hazouri / SARC

Dazu zählt auch die Evakuierung von Verwundeten und Kranken aus umkämpften Gebieten wie aktuell in Aleppo. In der umkämpften Stadt ist es dem Roten Kreuz in der Nacht auf Donnerstag erstmals gelungen, 150 medizinische Notfälle aus dem Osten der Stadt in Sicherheit zu bringen.

“Diese Patienten waren aufgrund der Kämpfe gefangen. Viele von ihnen brauchen spezielle Behandlungen, die in dem ehemaligen Altersheim, in dem sie Zuflucht gesucht hatten, nicht möglich waren. Für elf Menschen kam unsere Hilfe leider zu spät“, berichtet Marianne Gasser, Leiterin der IKRK-Delegation in Syrien, aus Aleppo. Unter den Evakuierten befinden sich auch sechs Kleinkinder, die Waisen sind. „Es muss für alle von ihnen furchtbar gewesen sein. Die Mitarbeiter des Syrisch Arabischen Roten Halbmonds haben seit Dienstag versucht, die eingeschlossenen Zivilisten zu erreichen.“

Syrien: 120 Angriffe auf Spitäler


Gemeinsam mit seinen Partnern ruft das Rote Kreuz die Unterzeichner der Genfer Konventionen erneut zum Schutz von Verwundeten, Kranken und Verletzten auf. Vor einem Jahr haben die Staaten auch die Resolution 4 betreffend Health Care in Danger in Genf unterzeichnet und damit eigentlich ihre Akzeptanz dieses Schutzrechts bekräftigt.

Dennoch zeigen viele Beispiele in welch akuter Gefahr die medizinische Versorgung in Kriegsgebieten schwebt. In Syrien hat die WHO alleine im heurigen Jahr bereits über 120 Angriffe auf Spitäler und medizinische Einrichtungen verzeichnet. Trotz der verheerenden humanitären Lage und der andauernden Kämpfe im Osten Aleppos gibt es noch ein funktionstüchtiges Spital (von ehemals neun). “Das Personal ist völlig erschöpft und Medikamente und medizinisches Material gehen zur Neige”, sagt Marianne Gasser.

 

Jemen: 160 Angriffe auf Spitäler


Im Jemen gabe es seit Beginn des Konflikts 2015 über 160 Angriffe auf Spitäler und medizinisches Personal. Weniger als die Hälfte der medizinischen Einrichtungen sind noch in Betrieb. Durschnittlich 20 Menschen sterben dort jeden Tag an Verletzungen und Krankheiten, die unter normalen Umständen heilbar wären.

Im Irak sind Plünderungen und Zerstörungen von Krankenhäusern an der Tagesordnung. Manche Gebiete sind medizinisch drastisch unterversorgt, weil die moisten Ärzte geflohen sind.

Afghanistan, Libyen, Südsudan – die traurige Liste hat noch lange kein Ende. Angriffe auf Patienten und medizinische Personal sind Angriffe auf die Menschlichkeit. Jedes Jahr müssen tausende Menschen deshalb an eigentlich heilbaren Krankheiten sterben. Das muss enden – denn selbst der Krieg hat Regeln und Grenzen!

Die Unterzeichner der Petition sind:
Ärzte ohne Grenzen
Internationales Komitee vom Roten Kreuz
Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften

International Alliance of Patients’ Organizations
International Committee on Military Medicine
International Council of Nurses
International Federation of Medical Students’ Associations
International Hospital Federation
World Confederation for Physical Therapy
World Federation for Medical Education
World Medical Association

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