26.05.2017 10:29

Syrien: Unparteiische Hilfe

Peter Maurer, Präsident vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz, berichtet von seinem fünften Besuch in Syrien.

IKRK-Präsident Peter Maurer in Syrien
Ein syrischer Mann erzählt IKRK-Präsidenten Peter Maurer von seinem Schicksal.©ICRC/Ibrahim Malla

"Das ist mein fünfter Besuch in Syrien und jedes Mal, wenn ich herkomme, sehe ich mehr Leid. Beinahe die Hälfte der Bewohner wurde vertrieben, die Menschen sind erschöpft vom Krieg", zeigt sich Peter Maurer, Präsident vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz, bestürzt. Die Notwendigkeit humanitärer Hilfe in Syrien ist enorm, in jenen Teilen des Landes, wo die Kämpfe unentwegt weitergehen und sie daher schwer erreichbar sind, spitzt sich die Lage zu. Die Menschen sind Mangelernährung, verschmutztem Wasser und unzureichender medizinischer Versorgung schutzlos ausgeliefert. Sogar, wenn dieser Konflikt morgen von einer auf die andere Sekunde aufhören würde, wäre die humanitäre Lage extrem.

Menschen sind schwer erreichbar


"Ich bin von der Hingabe, mit denen die tausenden Freiwilligen vom Syrisch Arabischen Roten Halbmond (SARC) arbeiten, beeindruckt. Zusammen mit dem SARC können wir unsere unparteiische Hilfe weiter ausbauen", so Maurer. Das Problem: Der Zugang zu vielen Notleidenden ist prakitsch unmöglich. "Wir können Menschen, die wir nicht erreichen, nicht helfen". Alleine der ehrliche und direkte Dialog mit allen Konfliktparteien macht den Zugang zu den Menschen zumindest punktuell möglich. 2016 konnten die Helfer acht mal über die Schusslinien, um Hilfsgüter zu den Menschen zu bringen, seit Beginn 2017 gab es 19 solche Operationen, was aber - so Maurer - viel zu wenig ist und als Hilfsmaßnahme zu kurz greift. 

Verlorene Generation?


Um die Menschen in dem Kriegsland zu stärken, braucht es langfristige Maßnahmen. Die Menschen brauchen Unterstützung um ihre Lebensgrundlage wieder aufzubauen. Was die Syrer beschäftigt, hat Maurer auf seinen Reisen selber gehört: "In Ein Al-Fijeh habe ich Lehrer getroffen, die selbst von den Kämpfen vertrieben wurden und die sich um die Zukunft der Kinder sorgen, die jetzt keine Bildung erhalten". Das ICRC wird weiterhin mit allen Parteien verhandeln, um den Zugang zu den Menschen nicht weiter zu gefährden und sie damit im Stich zu lassen. Dazu gehört auch das Zusammenführen vom Familien, die sich im Krieg verloren haben. "Nur die Politik kann diesen Krieg beenden, wir müssen abseits politischer Prozesse humanitäre Hilfe leisten um das Leiden der Syrischen Bevölkerung zu lindern", sagt Maurer abschließend.

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