25.06.2018 09:09

„Beide Seiten müssen etwas geben“

Rotkreuz-Testimonial Mirna Jukić über ihre Anfänge als junge Schwimmerin in Österreich, die Bedeutung von Werten und ihre Meinung zur Integration.

„Beide Seiten müssen etwas geben“
Mirna Jukic, hier gemeinsam mit Maxim Podoprigora

Wieso unterstützen Sie die Initiative Sicher im Wasser des Österreichischen Jugendrotkreuzes?

Jedes Kind soll schwimmen lernen dürfen: Es kann lebensrettend sein und niemand sollte sich vor Wasser fürchten. Meine Tochter Ariana ist 14 Monate alt und wir waren schon beim Babyschwimmen. Sie ist eine richtige Wasserratte. 

 

Sie sind mit 13 Jahren als junge Schwimmerin von Zagreb nach Wien gekommen. War es schwer für Sie, in Österreich Fuß zu fassen?

 

Am Anfang schon. Im September ist es 19 Jahre her. Aber die Leute im Schwimmverein haben auch Englisch mit mir gesprochen und ich hatte das Glück, gleich in die Schule gehen zu können. Als ich im Mai 2000 das erste Interview auf Deutsch geben konnte, war ich sehr stolz. Ich habe Fehler gemacht und bin in der Schule deswegen aufgezogen worden. Aber ich finde, ich habe es gut gemacht.

 

Haben Sie eine Meinung zur Debatte um Integration?

 

Ich bin generell der Meinung, dass man alles von der einen oder von der anderen Seite sehen kann. Wenn du in einem Land leben möchtest, musst du der Sprache mächtig sein. Aber das geht nicht von heute auf morgen. Für eine gelungene Integration ist es auch nötig zu wissen, in welches Land man kommt, was dort für Werte wichtig sind und dass man diese respektiert. Aber Integration kann nur funktionieren, wenn beide Seiten etwas beitragen. 

 

Also eine realistische Sicht der Dinge?

 

Ja, so habe ich es damals, vor 19 Jahren gesehen, und so sehe ich es heute noch. Ich habe relativ schnell die Staatsbürgerschaft bekommen, weil u.a. auch die Vizekanzlerin Riess-Passer damals der Meinung war, dass es vielleicht nicht so schlecht wäre. Ich habe von Österreich die Möglichkeit erhalten, meinen Lebenstraum zu verwirklichen und im Gegenzug versucht, etwas dafür zu geben.

Drei Goldmedaillen bei der Europameisterschaft und einmal Bronze bei Olympia, nicht schlecht.

Die österreichische Hymne ist oft genug gespielt worden: Das war meine Art danke zu sagen. Ich hoffe, ich habe die Menschen in diesem Land nicht enttäuscht. 

 

Der Fußballer Ivica Vastić kam 1991 von Split nach Wien. Als er bei der WM 1998 ein Tor für die Nationalmannschaft schoss titelte die Kronen Zeitung: Jetzt bist du ein richtiger Österreicher. Hatten Sie einen ähnlichen Moment?

 

Nein. Aber ich bin schon auch beschimpft worden. Weil es einfach Leute gibt, die mit einem fremden Nachnamen nichts anfangen können. Aber das ist deren Problem. Soll ich beim Sport zu Österreich oder Kroatien halten? Ich bin nie gegen jemanden oder ein Land, sondern versuche in meinem Herzen Platz für alle zu finden. 

 

Und Werte sind Ihnen wichtig?

 

Ja. Deshalb unterstütze ich auch den Verein Mirno More, der jeden September eine Friedensfahrt mit Segelschiffen in Kroatien organisiert. Da geht es darum Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen zu zeigen, dass Freundschaften keine Grenzen kennen. Da werfen wir sprichwörtlich die Vorurteile über Bord. (Symbolisch, mit einem Kübel Wasser – diesen Satz würde ich weglassen, weil ich mir nicht sicher bin ob das alle machen. Ich habe es einmal von einer Gruppe Jugendlicher gehört, dass sie, also ihr Schiff, das gemacht haben. Und hier ist es mir eben wichtig keine Unwahrheiten oder Spekulationen zu sagen). Ich erlebe dort, wie schlecht es den Kindern teilweise geht, und mit wie wenig sie glücklich werden. Man braucht ihnen nur zuzuhören, sie umarmen und ihnen zeigen, dass man für sie da ist. Dann ist die Welt schnell wieder in Ordnung. Man ist vielleicht als Einzelkämpfer erfolgreich, aber mehr erreichen kann man im Team.

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