04.07.2018 08:58

Wasser, Nahrung und ein Gespräch

Das Österreichische Rote Kreuz stellt weiter Delegierte für das größte Flüchtlingscamp der Welt in Bangladesch bereit. Martha Wirtenberger kümmert sich um psychosoziale Unterstützung.

Wasser, Nahrung  und ein Gespräch
Marta Wirtenberger kümmert sich in Bangladesch um die geflüchteten Menschen und die lokalen Mitarbeiter
In der Monsunzeit kracht das Wasser vom Himmel © Lynette Nyman, IFRC
Für die Familien ist die Situation besonders belastend © Lynette Nyman, IFRC


Der Blick, erzählen alle, lässt einen staunen. Über endlose Hügel, auf denen sich eine klapprige Hütte an die nächste reiht. Ein Mosaik aus Bambusgerüsten und Plastikplanen. Mehr als eine Million Menschen, die vor Gewalt in Myanmar nach Bangladesch geflohen sind, leben in dem riesigen Camp in der Region Cox Bazar. Sie brauchen Nahrung, sauberes Wasser, medizinische Versorgung. Was sie aber genauso brauchen ist jemand, der ihnen zuhört, damit sie das Erlebte verarbeiten können. 


„Wir tun genau das“, erzählt die Tirolerin Martha Wirtenberger, die erste Delegierte für psychosoziale Unterstützung der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften. „Wir informieren die Menschen, wo sie Hilfe bekommen, wo es für Frauen sicher ist und wo die Kinder spielen können. Den Menschen tut es gut zu wissen, dass jemand für sie da ist.“ 


Derzeit ist das besonders wichtig: In der Monsunzeit kracht das Wasser Sintflutartig vom Himmel und die Zahl der Durchfallerkrankungen steigt. Viele der Geflüchteten verlieren die Hoffnung. Wie soll es mit ihnen weitergehen? Was kann die Zukunft bringen?   


Seit August 2017 hat das Österreichische Rote Kreuz 16 Delegierte aus mehreren Bundesländern nach Bangladesch entsandt. Sie haben Wasser aufbereitet, beim Bau einer Kläranlage zur Behandlung von Fäkalschlamm aus den Latrinen geholfen, als IT-Experten die Infrastruktur optimiert, den Einsatz geleitet oder Hilfsgüterverteilungen vorbereitet. Bis Jahresende werden weitere Österreicherinnen und Österreicher für internationale Teams zum Einsatz kommen. Mit dem finnischen Roten Kreuz wurde vereinbart, ein Feldspital zu unterstützen: Dort werden IT-Experten, ein Arzt und anderes medizinisches Personal den Betrieb sichern. Derzeit kümmert sich Florian Haas aus Wien darum, dass es genügend Wasser zur Versorgung der Patienten gibt. 


Belastende Arbeit. Wirtenberger, 41 Jahre alt, ist studierte Pädagogin mit viel psychosozialer Erfahrung. Zu ihren Aufgaben gehört es, das Thema Psychosoziale Unterstützung in Bangladesch zu professionalisieren, neue Konzepte zu entwickeln und Freiwillige für die Teams zu suchen. Auch für die lokalen Mitarbeiter des Roten Halbmondes ist Unterstützung vorgesehen: Ihre Arbeit kann enorm belastend sein.


Die geflüchteten Menschen haben viel durchgemacht. Die Männer können nicht arbeiten und viele Frauen mit Kindern fühlen sich unsicher. „Ihre Geschichte ist bei uns gut aufgehoben“, sagt Wirtenberger. „In den meisten Fällen hilft es schon, wenn sie in sicheren Räumen kreativ sein können. Frauen nähen, knüpfen Matten oder sticken: Männer bereiten ihre Fischernetze vor und Kinder malen.“ Wichtig ist, dass es einen Austausch gibt und von den Themen nichts nach außen dringt. Wenn nötig, werden die Menschen von den Freiwilligen an ausgebildete Fachkräfte weitervermittelt. 

In der Zone des Camps, die vom Roten Kreuz betreut wird, gibt es derzeit acht Teams mit Freiwilligen, die sich um Psychosoziale Unterstützung kümmern. Das mag nicht viel klingen, aber es ist ein guter Anfang und die Menschen nehmen das Service dankbar an. Die Lage scheint hoffnungslos, doch die Menschen schöpfen immer wieder Mut. „In den Zeichnungen der Kinder kann man sehen, wie viel optimistischer die Bilder geworden sind im Lauf der Monate“, erzählt Wirtenberger. „Zu Beginn haben sie vor allem traurige Szenen gemalt. Inzwischen zeichnen sie Blumen aus Myanmar.“ 

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