28.08.2019 13:59

Tag der Verschwundenen: IKRK sucht weltweit nach mehr als 145.000 Vermissten - doppelt so viele als 2015

Mehr als 20.000 ungeklärte Schicksale in Österreich stammen aus dem Zweiten Weltkrieg

Tag der Verschwundenen: IKRK sucht weltweit nach mehr als 145.000 Vermissten - doppelt so viele als 2015

Wien (Rotes Kreuz) – Flucht, Naturkatastrophen, Krieg – jeden Tag verlieren Menschen Kontakt zu ihren Angehörigen. Die Zahl der Vermissten steigt – aktuell sucht das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) über 145.000 Personen, mehr als doppelt so viele als 2015. Die Dunkelziffer derer, die weltweit ihre Angehörigen suchen, ist um ein Vielfaches höher. Daran erinnert das Rote Kreuz anlässlich des Internationalen Tags der Verschwundenen am Freitag.

„Nicht zu wissen, ob Angehörige noch am Leben sind, ist das Schlimmste, was Familien passieren kann. Betroffene leben oft jahrelang mit dieser quälenden Ungewissheit. Das Rote Kreuz bringt Familien wieder zusammen und gibt Antworten“, sagt Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer.

In Österreich gibt es jedes Jahr 1000 neue Fälle, die die Suchdienstmitarbeiter des Roten Kreuzes bearbeiten. Selbst 80 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs betreffen viele Anfragen diese Zeit. Wie auch im Fall von Leopold H., der sich nach 75 Jahren der Ungewissheit dazu entschloss, sich beim Suchdienst zu melden. Er hatte zuvor von einer Bekannten von dieser Möglichkeit erfahren.

„Jeden Tag denk ich an ihn. Das kommt wie ein Fieber. Ich habe mich immer gefragt, was ist mit ihm passiert, hat ihn eine Bombe getroffen, wurde er erschossen?“, sagt der 88-jährige, der seinen Vater suchte. Der Kontakt brach 1944 ab, als sein Vater nach einem Heimaturlaub zurück an die Front ging. Vom Suchdienst des Roten Kreuzes erfuhr der Pensionist aus Niederösterreich diesen Sommer, dass sein Vater kurz nach der Abreise in sowjetische Gefangenschaft geriet und am 1. Oktober 1945 in einem Lager bei Stalingrad an den Folgen von Mangelernährung verstarb und bestattet wurde. „Ich kann gar nicht sagen, was das für eine Erleichterung ist. Ich weiß jetzt endlich was passiert ist und wo er ist“, sagt Herr H..

Aktuelle Schicksale betreffen vor allem vermisste Personen aus Kriegs- und Krisengebieten wie Afghanistan, Somalia, Irak und Syrien. Ein wichtiges Tool zur Suche ist neben Archiven, Datenbanken und Melderegistern, die Online-Plattform „Trace the Face“ des Roten Kreuzes, auf der mehr als 3600 Fotos von Personen, die ihre Angehörigen suchen, öffentlich sind. Jeder kann Hinweise geben und bei einem Treffer über das Rote Kreuz Kontakt aufnehmen.

tracetheface.org

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Rückfragehinweis:
Vera Mair, M.A.I.S.
Österreichisches Rotes Kreuz
Presse- und Medienservice
Tel.: +43/1/589 00-153
Mobil: +43/664 544 46 19
mailto: vera.mair(at)roteskreuz.at


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