06.07.2020 10:33

Gegen Rassismus und Diskriminierung im Roten Kreuz

Die Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) treten gemeinsam gegen Rassismus und Diskriminierung auf. IFRC-Generalsekretär Jagan Chapagain und IKRK-Generaldirektor Robert Mardini haben den folgenden Appell gezeichnet, den das ÖRK vollinhaltlich unterstützt.

Gegen Rassismus und Diskriminierung im Roten Kreuz
Gegen Rassismus und Diskriminierung im Roten Kreuz

Die anhaltende Welle von "Black Lives Matter" und anderen antirassistischen Protesten in den Vereinigten Staaten und darüber hinaus hat tief verwurzelte historische und systemische rassistische Haltungen und die Diskriminierung von Schwarzen und Farbigen - auch im humanitären Bereich und in unseren eigenen Organisationen - ins Rampenlicht gerückt.

Die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung setzt sich dafür ein, die erforderlichen Veränderungen in allen Systemen, die farbige Menschen unterdrücken, zu erreichen.

In den vergangenen Wochen haben viele unserer Kolleginnen und Kollegen über ihre eigenen Erfahrungen oder Wahrnehmungen von Rassismus und Diskriminierung gesprochen. Viele haben ihre Solidarität zum Ausdruck gebracht. Es besteht ein klarer kollektiver Wunsch, Gleichheit und Würde in der Behandlung aller Menschen zu erreichen - derjenigen, denen wir dienen, und derjenigen, die mit uns dienen.

Dies ist auch ein weltweiter Ruf nach gleichberechtigtem Zugang für alle - einschließlich Migranten, indigener Völker und Minderheiten - zu Nahrung, Unterkunft, Gesundheitsversorgung, Bildung und voller Achtung des humanitären Völkerrechts.

Einige der Gespräche waren schmerzhaft und unbequem, sie enthüllten Rassismus und damit zusammenhängende Diskriminierung. Dazu gehören tief verwurzelte Probleme von Machtungleichgewichten sowie subtilen, heimtückischen und unbewussten Ungleichheiten, die in unseren Strukturen und unserer Geschichte verankert sind.

IKRK und Föderation haben zugehört und gelernt und sich unbequeme Fragen zu diesen Themen innerhalb der Organisationen gestellt. Wir müssen mehr tun, und wir müssen besser werden.

Die Ablehnung von Diskriminierung jeder Art ist das Herzstück unserer Grundsätze und Werte. Unsere Grundsätze der Menschlichkeit und Unparteilichkeit verlangen, dass es keine Diskriminierung aufgrund von Nationalität, Rasse, religiöser Überzeugung, Klasse oder politischer Meinung gibt. Dies ist die Basis unserer Arbeit für Menschen in Not. Unser Grundsatz der Neutralität bedeutet nicht, angesichts von Rassismus und Gewalt zu schweigen.

Die Grundsätze bilden den ethischen, operationellen und institutionellen Rahmen für unsere Arbeit als Rotkreuz-Bewegung in der ganzen Welt. Es ist unsere Pflicht, Vielfalt zu fördern und voranzutreiben. Wir verpflichten uns zu einem globalen Kampf zum Schutz der Rechte aller ohne Ausnahme.

Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung setzt sich schon seit langem für Inklusion ein. Unser globales Netzwerk besteht aus 192 nationalen Gesellschaften und damit aus Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, unterschiedlicher ethnischer Herkunft und unterschiedlicher Religion. Unsere humanitäre Arbeit erfordert jedoch, dass wir unser eigenes Verhalten, unsere Praktiken und Strukturen kontinuierlich überprüfen, um sicherzustellen, dass wir uns in Bezug auf Inklusion und soziale Gerechtigkeit an die höchsten Standards halten.

Vor allem müssen wir auch sicherstellen, dass den Worten Taten folgen. Deshalb rufen wir die gesamte Rotkreuz-Bewegung zu besonderem Engagement auf! Wir wissen, dass Inklusion und Vielfalt zuerst innerhalb unserer Organisationen erreicht werden müssen. Wir müssen die Zusammenhänge zwischen Diskriminierung, Machtungleichgewicht und Benachteiligung besser verstehen. Wir müssen die systemischen Barrieren abbauen, die Kolleginnen und Kollegen aufgrund ihres Geschlechts oder ihres rassischen, ethnischen und kulturellen Hintergrunds daran hindern können, Gleichberechtigung zu erreichen. Wir wissen, dass wir in dieser Hinsicht noch mehr tun müssen.

Im Namen der Führung des IKRK und der IFRC drücken wir unsere entschiedene und unmissverständliche Verurteilung von Rassismus in allen seinen Formen aus und verpflichten uns, Schritte zur Gewährleistung eines Umfelds zu unternehmen, das frei von jeglicher Diskriminierung innerhalb unserer Bewegung ist. Dies beinhaltet:

  • Auf allen Ebenen auf einen individuellen, strukturellen und kulturellen Wandel hinzuwirken, der sicherstellt, dass innerhalb unserer Organisationen keine Form der Diskriminierung, Intoleranz oder Ausgrenzung aus rassischen oder anderen Gründen stattfindet.
  • Aufbau eines unterstützenden, sicheren und inklusiven Umfelds, um weiterhin ehrliche Gespräche über Rassismus und Diskriminierung zu fördern. Das beinhaltet das Stellen von unbequemen Fragen, immer mit dem Ziel, das gegenseitige Vertrauen, den Respekt und die Akzeptanz der Vielfalt des anderen zu verbessern. Dazu gehört auch, allen zu ermöglichen, dass ihre Stimmen gehört und respektiert werden. Ein wichtiger weiterer Aspekt ist die Beseitigung jeder Kultur der Angst oder Straflosigkeit.
  • Unterstützung der Opfer von Rassismus und Rassendiskriminierung und aktive Zusammenarbeit mit allen Interessengruppen und Partnern auf allen Ebenen, um die Bedingungen zu schaffen, die die Sicherheit aller Personen oder Gemeinschaften gewährleisten, die von Rassismus oder Diskriminierung betroffen sind.
  • Sicherstellen, dass unsere institutionellen Rahmenbedingungen und Richtlinien jegliche Form von Rassendiskriminierung verhindern und strengstens verbieten und dass Rassismus und Diskriminierung in unseren Verhaltenskodizes ausdrücklich verbotene Verhaltensweisen sind.
  • Inklusive humanitäre Maßnahmen und die Durchführung von Aktivitäten, die den Geist der Toleranz fördern.

Das IKRK seinerseits verpflichtet sich, dafür zu sorgen, dass es klare und eindeutige Erwartungen an seine Personalmanager gibt, um nur ein konkretes Beispiel zu nennen. Das Führungsteam entwickelt derzeit eine Reihe von unterstützenden Richtlinien und Praktiken, um unternehmensweite Fortschritte voranzutreiben. Das IKRK steht auch hinter seiner Verpflichtung, Benefizienten und Gemeinschaften in Entscheidungen einzubinden, die ihr Leben betreffen, und dabei Machtdynamiken und Muster der Ausgrenzung zu durchbrechen.

Die Internationale Föderation setzt sich für die Erfüllung der Verpflichtungen aus dem "Safe and Inclusive Workplace Pledge" (Versprechen für einen sicheren und integrativen Arbeitsplatz) einzusetzen, der auf der Internationalen Rotkreuz-Konferenz 2019 beschlossen wurde. Darin hat sich die Föderation verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Organisation und die Bewegung im weiteren Sinne so sicher, integrativ und zugänglich wie möglich ist; Rassismus auszumerzen, wann immer und wo immer er auftritt; und gegen offene, versteckte oder unbewusste Vorurteile und Diskriminierung innerhalb ihrer Systeme vorzugehen. Dies ist wesentlich, um sicherzustellen, dass die Grundsätze eingehalten werden und dass alle Menschen mit Würde und Respekt behandelt werden.

Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung hat eine Verantwortung beim Wiederaufbau von zerrissenen Gesellschaften. Wir alle in der Bewegung sind durch ein gemeinsames Ziel vereint: das Leben von Menschen, die von Konflikten, Katastrophen und Krisen betroffen sind, zum Besseren zu verändern. Wir setzen uns dafür ein, dass diese treibende Kraft auch für den Umgang miteinander innerhalb unserer eigenen Organisationen gilt. Wir verpflichten uns, unsere Grundsätze aufrechtzuerhalten und unsere Bewegung in Worten und Taten so inklusiv und zugänglich wie möglich zu machen.

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