Endstation Griechenland

Im Norden Griechenlands versuchen Rotkreuz-Helfer das karge Los gestrandeter Flüchtlingsfamilien zu verbessern.

Dicht aneinander gedrängte Zelte, notdürftig mit Planen gegen Regen und Wind geschützt, dazwischen Wäscheleinen, improvisierte Kinderschaukeln, Essplätze und kleine Feuerstellen. Am Rande der Zeltsiedlungen versuchen Dusch- und WC-Container, Wasserstellen unter freiem Himmel und Ambulanzzelte des Roten Kreuzes ein Mindestmaß an Gesundheitsversorgung aufrecht zu halten.

So oder ähnlich sehen die Flüchtlingscamps im Norden Griechenlands aus. Zwischen dem Grenzort Idomeni und Thessaloniki hat die griechische Regierung etwa 13 solcher Camps errichtet. Jedes beherbergt etwa 2.500 bis 3.000 Flüchtlinge – ganz genau kann es niemand sagen.  Viele von ihnen haben zuvor Wochen in Idomeni darauf gewartet, ihren Weg nach Europa fortsetzen zu können.

Impressionen aus drei Flüchtlingscamps in Nordgriechenland

Fotos: Rotes Kreuz/Markus Hechenberger

 

Das Österreichische Rote Kreuz hat seit Beginn der humanitären Krise in Griechenland über 40 Delegierte entsendet, um das karge Los der Flüchtlinge zu Verbessern. Sie sind vor allem Experten in den Bereichen Wasserversorgung und Hygiene. Gemeinsam mit anderen Rotkreuz-Gesellschaften sorgen sie in den drei Camps Nea Kavala, Cherso und Softex für medizinische und hygienische Verbesserungen.

In Nea Kavala stehen neben dem Eingang zum Camp zwei große weiße Rotkreuz-Zelte. In einem ist ein Feldspital untergebracht, vor dem Frauen und Kinder warten. Auch im Nachbar-Zelt herrscht Hochbetrieb. Die österreichischen Rotkreuz-Helfer Anna und Florian bereiten gemeinsam mit ihrer Gruppe von Freiwilligen die Verteilung von Hygiene-Paketen vor.

 

Freiwillige Campbewohner


Mohammed und Uday sind zwei dieser Freiwilligen, die alle Bewohner des Camps sind. Die beiden kommen aus Syrien und sind vor zwei Monaten auf ihrer Flucht in Griechenland gestrandet. „Wir möchten die Hygiene-Situation im Camp verbessern“, erklärt Mohammed. „Bevor wir mit unserem Aufräum-Programm begonnen haben, lag hier überall Müll herum, der Ratten, Mäuse und Schlangen angezogen hat.“

Langsam und mit täglicher Überzeugungsarbeit hat die engagierte junge Freiwilligen-Truppe Verbesserungen erreicht, die allen im Camp zugutekommen. „Der Müll wandert nun in Plastiksäcke, die wir jeden Dienstag an alle 480 Zelte verteilen“, erklärt Florian Haas.  

Ein paar Kilometer weiter, in der Nähe der Kleinstadt Cherso hat sein Kollege Roland Meier in einem weiteren Camp gemeinsam mit den Flüchtlingen Puppentheater-Stücke entwickelt, in denen es um die tägliche Körperhygiene geht. Einmal pro Woche touren die Rotkreuz-Helfer durch das Lager und lassen Handpuppen einfache Hygienebotschaften wie das richtige Händewaschen übermitteln. Die Aufführungen sind vor allem für die vielen Kinder in den Camps ein großer Spaß und eine willkommene Abwechslung. „Die Flüchtlinge hier befinden sich in einer Ausnahmesituation, der seelische Stress, dem sie ausgesetzt sind und waren, lässt sie alltägliche Praktiken wie Zähneputzen vergessen“, erklärt der Steirer.

In einer ehemaligen Fabrikhalle Softex im Norden von Thessaloniki, in der ebenfalls rund 500 Flüchtlingsfamilien unter kargen Bedingungen untergebracht sind, gehören die Wasserversorgung und die sanitären Anlagen zu den vordringlichen Aufgaben der österreichischen Rotkreuz-Helfer.

Gemeinsam mit dem internationalen Rotkreuz-Netzwerk versuchen sie die Lage der Flüchtlinge, die wahrscheinlich noch jahrelang dort ausharren müssen, zu verbessern. In Griechenland sind etwa 50.000 Menschen gestrandet, viele von ihnen haben nahe Verwandte in Deutschland – für sie wird es eine lange Wartezeit bis zum Wiedersehen werden.

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