08.10.2019 12:52

Schüler retten Leben

In Österreich erleiden jährlich rund 10.000 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen Atem-Kreislauf-Stillstand. Nur jeder Zehnte überlebt. Viele aber könnten zusätzlich gerettet werden, wenn die Erste Hilfe sofort einsetzt. Um die Zahl der Überlebenden zu erhöhen, startete das OÖ. Jugendrotkreuz die Aktion „Schüler retten Leben“. Ziel ist: Schülern ab der 5. Schulstufe Wissen und praktisches Know-how zum Thema Wiederbelebung zu vermitteln.

Schüler retten Leben
Credit: OÖRK / Christian Hartl

Eine Frau geht über die Straße. Plötzlich wird ihr schwarz vor Augen. Sie stürzt und bleibt reglos am Boden liegen. Aufmerksame Passanten eilen ihr zur Hilfe. Sie stellen fest, dass sie nicht mehr atmet. Was sollen die Menschen tun? „Wenn Passanten sofort mit der Wiederbelebung beginnen, steigen die Überlebenschancen enorm“, weiß OÖ. Jugendrotkreuz-Landesleiter Franz Payrhuber. Rasches und richtiges Handeln rettet Leben. Wenn bei einem unerwarteten Herzstillstand keine unmittelbare Hilfe einsetzt, verschlechtert sich die Überlebensrate mit jeder Minute um bis zu zehn Prozent. Nach etwa drei bis fünf Minuten treten bleibende Schäden im Gehirn auf. Ein Großteil der unerwarteten Atem-Kreislaufstillstände geschieht in Anwesenheit von Menschen, beispielsweise im Familienkreis, am Arbeitsplatz, auf offener Straße oder beim Sport. Würden bereits Anwesende mit der Wiederbelebung beginnen, könnten österreichweit viele zusätzliche Leben gerettet werden.

 

Mehr als 20.000 Schüler lernten im vergangenen Schuljahr, wie sie Leben retten

Um junge Menschen auf den Fall der Fälle vorzubereiten und sie zu potentiellen Lebensrettern auszubilden, startete das OÖ. Jugendrotkreuz die Aktion „Schüler retten Leben“. Sie orientiert sich an der Initiative „Kids save lives“ vom Europäischen Rat für Wiederbelebung (ERC) und soll Schüler ab der Sekundarstufe animieren, im Ernstfall Erste Hilfe zu leisten. Landesweit mehr als 20.000 Schülerinnen und Schüler aus insgesamt 175 Schulen nahmen bereits im vorigen Schuljahr am vom OÖ. Jugendrotkreuz initiierten Projekt „Schüler retten Leben“ teil. Die teilnehmenden Schulen erwerben dazu ein Basispaket. Darin enthalten sind Trainingspuppen für die Wiederbelebung sowie weitere notwendige Unterrichtsmaterialien. Um im Ernstfall rasch und richtig helfen zu können, lernen Schüler in zwei Unterrichtseinheiten pro Schuljahr (auf freiwilliger Basis) die Grundlagen. Welches Schulfach dafür verwendet wird, entscheiden die Schulen individuell. „Fächer wie Biologie, Turnen oder naturwissenschaftliche Fächer bieten sich für diese Trainings an“, findet Payrhuber. Die Idee dahinter: Wenn sich Menschen bereits in jungen Jahren Kompetenzen in Sachen Wiederbelebung aneignen, verbessert das die allgemeine Wiederbelebungsrate. „Langfristig muss Wiederbelebung Teil des Schulunterrichts werden“, so Payrhuber.

 

Training in jungen Jahren zahlt sich aus

Nur durch regelmäßiges Üben verlieren Menschen ihre Scheu, die im Ernstfall notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. „In jungen Jahren angeeignetes Wissen, wird im späteren Leben selbstverständlicher angewendet“, weiß der OÖ. Bildungdirektor Dr. Alfred Klampfer. Das heißt: Wenn bereits Schüler die Wiederbelebung von Mitmenschen lernen und üben, steigt die allgemeine Bereitschaft, im Notfall rasch und richtig Erste Hilfe zu leisten. Positive Beispiele dafür gibt es genug. In verschiedenen skandinavischen Ländern, sowie den USA oder Kanada ist Wiederbelebung seit mehr als 15 Jahren im Lehrplan der Grundschulen verankert. Laut ERC liegt dort die Wiederbelebungsrate bei etwa 40 bis 70 Prozent. In Österreich und Deutschland liegt diese bei etwa 10 bis 20 Prozent. Ziel soll sein, dass jeder Schüler bis zum Ende der Pflichtschulzeit bzw. bis zur Matura die Wiederbelebung aufbauend wiederholt und trainiert.

 

Herzdruckmassage und richtiges Verwenden von Defibrillatoren

Nur selten wird rechtzeitig mit der überlebenswichtigen Herzdruckmassage begonnen. Bei Atem-Kreislauf-Stillständen zählt jede Minute, da die Pumpfunktion des Herzens stoppt, der Blutkreislauf zum Stillstand kommt und lebenswichtige Organe nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden. Die Wiederbelebung von Menschen nimmt eine Sonderstellung im Rahmen der Ersten Hilfe ein. Deshalb soll sie aus der allgemeinen Ersthelfer-Ausbildung im Kindesalter herausgenommen und eigenständig vermittelt werden. „Die Herzdruckmassage ist dabei ausschlaggebend. Der Ersthelfer legt zwei Hände auf die Mitte des Brustkorbs und drückt 100 bis max. 120 mal pro Minute“, erklärt Dr. Markus Simmer, ERC-Instruktor vom Klinikum Wels-Grieskirchen. Dies wird ohne Unterbrechung solange weitergeführt, bis weitere Hilfe eintrifft. Neben der Beatmung und dem Verwenden eines Defibrillators können geschulte Pädagogen die Herzdruckmassage schrittweise in den Unterricht einbauen.

 

OÖ. Jugendrotkreuz stärkt Schüler in ihrer Entwicklung seit mehr als 70 Jahren

Wer Erste Hilfe leistet, kann Leben retten. Alleine im Jahr 2018 veranstaltete das OÖ. Jugendrotkreuz insgesamt 580 Erste-Hilfe Grundkurse und Einführungen an den Schulen. Daran nahmen insgesamt mehr als 10.700 Schüler teil. Seit mehr als 70 Jahren engagiert sich das OÖ. Jugendrotkreuz an Schulen. Ziel ist: Werte zu vermitteln, die auf humanitären Gedankengut basieren. Dazu zählen beispielsweise Solidarität, Gleichberechtigung, Demokratie, Frieden, Hilfsbereitschaft oder Toleranz. Um zusätzlich auf die Wichtigkeit der Wiederbelebungsmaßnahmen hinzuweisen, findet am 16. Oktober 2019 zum zweiten Mal der „World Restart a Heart Day“ weltweit statt, an dem sich wieder zahlreiche Organisationen wie das OÖ. Jugendrotkreuz beteiligen. „Mit den teilnehmenden Schulen versuchen wir, möglichst viele Wiederbelebungen zu trainieren“, erklärt Payrhuber den Sinn dahinter. Zusätzliche Informationen und praktisches Know-how zur Wiederbelebung erhalten auch die Teilnehmer der vom OÖ. Roten Kreuz veranstalteten Erste-Hilfe-Kursen. Ein Erste-Hilfe-Kurs nimmt die Angst, gibt Sicherheit und lohnt sich zu 100 Prozent. Termin-Infos und Anmeldung zu allen Kursen in Ihrer Nähe auf www.erstehilfe.at

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