03.07.2020 10:47

OÖ. Rotes Kreuz warnt vor hoher Unfallgefahr im Wasser

Jeder fünfte Badeunfall endet tödlich. Das Risiko dafür ist heuer besonders hoch. Wegen der Corona-Beschränkungen fehlt Kindern und ungeübten Schwimmern die Übung. Viele Schwimmkurse fielen wegen der Corona-Beschränkungen aus.

OÖ. Rotes Kreuz warnt vor hoher Unfallgefahr im Wasser
Credit: OÖRK / Viktoria Affenzeller

„Besonders im heurigen Jahr ist die Gefahr für Badeunfälle groß“, warnt Josef Schaffelhofer, Schwimmreferent im OÖ. Jugendrotkreuz. „Viele Menschen sind ungeübt, weil die Schwimmbäder lange zusperren mussten und viele Schwimmkurse ausfielen. Gleichzeitig aber boomt der Traum vom Pool im eigenen Garten.“ Besonders gefährdet sind Kinder. „Sie ertrinken oft lautlos, weil sie ihren Kopf nicht über Wasser halten können und sofort untergehen. Für Kleinkinder kann schon ein Wasserstand von 5 bis 10 cm lebensgefährlich sein. Das Einströmen des Wassers in die Atemwege führt zum Ersticken. Um solchen lebensbedrohenden Situationen entgegenzuwirken, entwickelte das Leondinger Unternehmen „Delfin-Wellness“ mit dem OÖ. Roten Kreuz das „Moby-Kid“-System. Kernstück bildet ein spezielles Armband. Kommt dieses mit Wasser in Berührung, löst die Basisstation einen lauten Alarm aus.

 

Egal, ob Pool oder Schwimmteich - wer sich solch eine Anschaffung überlegt, muss sich von Anbeginn mit dem Thema Sicherheit auseinandersetzen, um die Kleinsten zu schützen. Sicherheitsvorkehrungen wie spezielle Abdeckungen, Schwimmbad-Überdachungen, Rollschutz oder das spezielle „Moby-Kid-System“ befreien Eltern und Erziehungsberechtigte nicht von ihrer Aufsichtspflicht. „Kinder dürfen sich nie alleine und unbeaufsichtigt in unmittelbarer Nähe eines Gewässers aufhalten“, weiß der Schwimm-Experte.

 

Bei Badeunfällen zählt jede Sekunde

Die Verlegung der Atemwege durch Wasser führt nach wenigen Sekunden zum Atemstillstand. Der daraus resultierende Sauerstoffmangel schädigt nach wenigen Minuten das Gehirn und führt letztendlich durch Atem-Kreislauf-Stillstand zum Tod. Wichtig ist sofort zu handeln, den Notruf zu wählen und andere Personen aufmerksam zu machen. „Reichen Sie Ertrinkenden einen Gegenstand, wie einen Rettungsring, einen Ast, ein Paddel, um sie aus dem Wasser zu ziehen“, sagt Schaffelhofer. Wer sich zutraut, Ertrinkende selbst aus dem Wasser zu retten, soll sich immer von hinten nähern. Ertrinkende können Rettende sonst in Panik unter Wasser ziehen. An Land sofort mit der Wiederbelebung starten, wenn Betroffene nicht mehr atmen. Auch Betroffene, die bei Bewusstsein sind, müssen zur Beobachtung sofort ins Krankenhaus, da auch Stunden später schwerwiegende Folgeschäden, bis hin zum Lungenversagen, auftreten könnten.

 

OÖ. Jugendrotkreuz vergibt 15.000 Schwimmerabzeichen pro Jahr

„Jedes Kind soll schwimmen können. Bewegung im Wasser fördert die Gesundheit und macht Spaß“, wissen Paul Schlader und sein Sohn Robert aus Sierning (Bez. Steyr-Land). Beide sind beruflich als Pädagogen tätig und engagieren sich in ihrer Freizeit als Rettungsschwimmlehrer im OÖ. Jugendrotekreuz. Ihr Fazit: „Schwimmen ist eine Lebenskompetenz. Schwimmunterricht von Kindesbeinen an kann helfen, Leben zu retten.“ Die motorischen Voraussetzungen, um richtig zu schwimmen, bringen Kinder ab fünf oder sechs Jahren mit. Das Jugendrotkreuz startet daher bereits in der Volksschule mit der Schwimmförderung. Pro Jahr vergibt das OÖ. Jugendrotkreuz rund 15.000 Schwimmerabzeichen: vom Oktopus und Frühschwimmer für Anfänger bis zum Retterschein für Profis. Coronabedingt konnten in diesem Schuljahr nur etwa 6.000 Schüler ihr Schwimm-Abzeichen absolvieren.

socialshareprivacy info icon